Bitcoin bringt das in Ordnung

Aus dem Original “Bitcoin Fixes Thisvon Parker Lewis am 26. Juli 2019 erschienen in der Serie Gradually, Then Suddenly von Unchained Capital. Übersetzt von Kid, Lektorat durch Juniormind.


In der vergangenen Woche war die Zeit des Jahres, in der globale Zentralbanker, etablierte Wirtschaftswissenschaftler und u.a. CNBC nach Jackson Hole, Wyoming kamen, um systembedingte Probleme zu diskutieren, die unsere Wirtschaft plagen. Sie scheinen nie eine Antwort zu finden, sind aber ständig auf der Suche danach – das ist das immerwährende Jackson-Hole-Dilemma. Es gibt immer viel Tamtam, und dieses Jahr war es nicht anders. Das ganze Spektakel wurde von Lawrence Summers, dem ehemaligen US-Finanzminister und ehemaligen Präsidenten der Harvard-Universität charakterisiert. In einem 28-teiligen Twitter-Thread stellte Summers eine Reihe grundlegender Annahmen des etablierten wirtschaftlichen Mainstreams in Frage, zu dem er selbst gehört. Im Marco-Polo-Spiel kommt Summers zwar langsam in die richtige Richtung, aber er befindet sich immer noch auf der falschen Seite des Pools. Er identifiziert vielleicht die Symptome des Problems, aber wie bei den meisten Mainstream-Ökonomen wird die offensichtliche Frage nie gestellt. Könnte der gesamte Apparat der Zentralbankpolitik die Ursache des Problems sein und nicht die immer schwer zu fassende Lösung?

Die Ausgangsfrage von Summers: Kann das Zentralbankwesen, wie wir es kennen, in den nächsten zehn Jahren das wichtigste Instrument zur makroökonomischen Stabilisierung in der industriellen Welt sein? Summers bezweifelt dies, aber was wäre, wenn die bessere Frage wäre: Ist das Zentralbankwesen die Hauptursache für makroökonomische Instabilität? Seit der Finanzkrise ist die quantitative Lockerung (QE, aus engl. Quantitative Easing) das wichtigste Instrument, mit dem die Zentralbanken versuchen, die Wirtschaft zu stabilisieren und Inflation zu erzeugen. Die Vorgehensweise ist wie folgt: die Geldmenge erhöhen, die Zinssätze senken und die Werte von Vermögenswerten aufblähen, so dass das bestehende Schuldenniveau aufrechterhalten werden kann und mehr Schulden gemacht werden können. 

Doch trotz der rekordverdächtig niedrigen Zinsen hat die Weltwirtschaft erneut begonnen, sich zu verschlechtern, und die Wirksamkeit der quantitativen Lockerung wird natürlich von vielen in Frage gestellt. Wie Summers feststellt, wird das, was lange Zeit als Selbstverständlichkeit galt, nun stark angezweifelt. Entgegen der landläufigen Meinung schafft die Funktion der quantitativen Lockerung tatsächlich die Instabilität, die sie zu vermeiden sucht. Wenn man ihre grundlegende Funktionsweise versteht, wird klar, dass die quantitative Lockerung schon immer ein Irrweg war.  Wie Nassim Taleb im Vorwort zu Der Bitcoin Standard schreibt, sind die makroökonomischen Experten nicht nur keine Experten, sie wissen es auch nicht.

“Das Risiko, dass die Wirtschaft in einen erheblichen Abschwung gerät, scheint in den letzten Monaten abgenommen zu haben.”

Ben Bernanke, ehemaliger Fed-Vorsitzender – Juni 2008

Die Geschichte hat immer wieder gezeigt, dass die Experten auf dem Gebiet ihres eigenen Fachwissens beschränkt sind. Dennoch werden Maßnahmen wie die quantitative Lockerung weiterhin verfolgt, vor allem weil Makroökonomie und Zentralbankwesen eine Monokultur sind, wie Taleb beschreibt. Die Mainstream-Politik geht von der Annahme aus, dass das Zentralbankwesen für das Funktionieren einer Volkswirtschaft von zentraler Bedeutung ist; dann konzentriert sich die Debatte darauf, welche Hebel zu betätigen sind und wie die Wirtschaft am besten über die Planung der Zentralbank gesteuert werden kann. Die aktive Steuerung der Geldmenge durch quantitative Lockerung wird als gegeben hingenommen; die Frage ist eher, wie viel und wann, statt ob. 

Es gibt jedoch eine gegenteilige ökonomische Sichtweise, die argumentiert, dass die eigentliche Funktion einer Zentralbank und die aktive Steuerung der Geldmenge schädlich für die Wirtschaft ist. Der gegenteilige Standpunkt kann in einer Zentralbank praktisch nicht koexistieren, weil er der eigentlichen Funktion zuwiderläuft, weshalb die Monokultur besteht und niemals ein anderer Kurs eingeschlagen wird. Letztendlich hat sich die Wirtschaftsdebatte im Laufe des 20. Jahrhunderts so entwickelt, dass sie mit der heutigen Mainstream-Position endete. Die Folge ist ein Wirtschaftssystem, das sich in hohem Maße auf Geldentwertung und Kreditschöpfung stützt, was beides durch quantitative Lockerung erreicht wird.

Jetzt, da Bitcoin existiert, ist das nicht mehr nur Gegenstand einer intellektuellen Debatte. Stattdessen haben wir es nun mit zwei konkurrierenden Geldsystemen zu tun, die große Gegensätze aufweisen: Das eine versucht, durch aktives Management der Geldmenge Stabilität zu schaffen, während das andere im Interesse der Aufrechterhaltung einer festen Geldmenge vorübergehende Schwankungen in Kauf nimmt. In den letzten zehn Jahren hat der aufstrebende Emporkömmling gegenüber dem etablierten System an Boden gewonnen, wie seine Akzeptanz und sein stetig steigender Wert im Vergleich zu anderen Währungen zeigen. Sich für Bitcoin zu entscheiden, bedeutet, aus der quantitativen Lockerung auszusteigen, und obwohl dies ein unbeständiger Weg sein mag, wird sich der langfristige Trend fortsetzen, weil die Zentralbanken weiterhin genau das politische Instrument einsetzen, das Bitcoin verhindert.

Während sie versuchen, eine Quelle der makroökonomischen Stabilisierung zu sein, schaffen die Zentralbanker unbeabsichtigt Instabilität durch die Manipulation der Geldmenge. Durch die Manipulation des Geldangebots werden alle globalen Preisbildungsmechanismen verzerrt. Wie Hayek in Die Anwendung von Wissen in der Gesellschaft beschreibt, ist der Preismechanismus das größte Verteilungssystem von Wissen in der Welt. Wenn der Preismechanismus verzerrt wird, werden falsche Signale im gesamten Wirtschaftssystem verbreitet, und das Ergebnis ist ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, das letztlich zu Instabilität und Fragilität führt. Heute wird diese Instabilität in erster Linie durch die quantitative Lockerung geschaffen und aufrechterhalten. Die Finanzkrise hat deutlich gemacht, dass der Umfang des Kreditsystems sowohl instabil als auch untragbar war. Anstatt dem System zu erlauben, sich auf natürliche Weise zu entschulden, hat die Fed die Preise von Vermögenswerten in die Höhe getrieben und eine weitere Kreditexpansion ermöglicht, so dass das bestehende Schuldenniveau aufrechterhalten werden konnte. Praktisch gesehen bestand der Ansatz der Zentralbanken zur Lösung des Problems der zu hohen Verschuldung darin, die Schaffung von noch mehr Schulden zuzulassen, was die ursprüngliche Quelle der Instabilität war. Glücklicherweise behebt Bitcoin dieses Problem.

Was ist quantitative Lockerung?

Vereinfacht ausgedrückt ist die quantitative Lockerung ein technischer Begriff, der beschreibt, wie die Federal Reserve neue Dollar schafft. Technisch gesehen handelt es sich nicht um “Gelddrucken”, aber funktional ist es dasselbe. Die Fed erschafft digital neue digitale Dollar in einem Hauptbuch (buchstäblich aus dem Nichts) und verwendet diese Dollar, um finanzielle Vermögenswerte wie US-Staatsanleihen oder hypothekarisch gesicherte Wertpapiere zu kaufen. Nach der Finanzkrise führte die Fed über QE 3,6 Billionen Dollar in das Bankensystem ein und verfünffachte damit den Umfang ihrer Bilanz. Der Nettoeffekt ist, dass im Bankensystem mehr Dollar in Form von Bankreserven vorhanden sind und diese Reserven dann zur Kreditvergabe oder zum Kauf anderer Vermögenswerte verwendet werden können. Einfach ausgedrückt: Es gibt mehr Dollar, wodurch der Wert jedes einzelnen Dollars sinkt.

Die quantitative Lockerung ist die Hauptursache dafür, dass Sie mit Ihrem Dollar morgen weniger kaufen können; die Auswirkungen der quantitativen Lockerung werden jedoch über die Ausweitung des Kreditsystems schrittweise auf die Wirtschaft übertragen. Anders ausgedrückt: Die quantitative Lockerung soll es den Banken ermöglichen, die Kreditvergabe auszuweiten. Für jeden Dollar, der durch die quantitative Lockerung geschaffen wird, kann das Kreditsystem um ein Vielfaches jedes zusätzlichen Dollars erweitert werden. Diese zusätzlichen Kredite (z. B. Autokredite, Hypotheken, Studentenkredite usw.) werden dann zum Kauf von Waren in der Realwirtschaft verwendet, wodurch die Preise für Waren steigen und der Wert des Dollars relativ gesehen sinkt.

Funktioniert die quantitative Lockerung?

Die kurze Antwort lautet nein. Viele sind zwar der Meinung, dass die quantitative Lockerung notwendig war, aber sie war nur ein Tropfen auf den heißen Stein und garantierte, dass in Zukunft noch mehr QE notwendig sein würde. Die eigentliche Ursache der Krise war ein Finanzsystem, das sich viel zu stark fremdfinanziert hatte. Zum Zeitpunkt der Finanzkrise war jeder Dollar im Bankensystem fremdfinanziert und im Verhältnis 150:1 verliehen worden (siehe Fed-Berichte Z.1 & H.8). Es gab zu viele Schulden und zu wenige Dollar, und der Grad der Verschuldung wurde nur dadurch möglich, dass die Fed die wirtschaftlichen Ungleichgewichte aufrecht erhielt. Bei jedem rezessiven Konjunkturzyklus in den Jahrzehnten vor der Krise erhöhte die Fed das Dollarangebot, um die Zinssätze zu senken und eine Kreditausweitung zu bewirken. Anstatt dem System eine natürliche Kurskorrektur zu gestatten, reagierte die Fed stets mit einer Aufblähung der Vermögenswerte, indem sie die Geldmenge erhöhte, so dass das bestehende Schuldenniveau aufrechterhalten und mehr Kredite geschaffen werden konnten.

Durch diese Funktion schuf die Fed unbeabsichtigt die Instabilität, die 2008 im Finanzsystem herrschte, da sie ein Umfeld schuf, das es ermöglichte, im Laufe der Jahrzehnte einen unhaltbaren Grad an Verschuldung im System anzuhäufen. Während sie jahrzehntelang eine ähnliche Politik verfolgt hat, schuf die Finanzkrise ein Umfeld, das eine drastischere Reaktion der Fed auslöste. Praktisch gesehen brauchte die Fed ein größeres Boot, und als Reaktion auf die Marktturbulenzen erhöhte sie das Angebot an Dollar um 3,6 Billionen Dollar, um einen drohenden Finanzkollaps abzuwenden. Diesmal war es anders: Während die Subprime-Krise die Schlagzeilen beherrschte, lag das eigentliche Problem in der kumulativen Wirkung der anhaltenden Ungleichgewichte im Kreditsystem, die sich über viele Zyklen hinweg angesammelt hatten, und im Gesamtgrad der Hebelwirkung des Systems.

In der Wirtschaft der Fed ist das Kreditsystem zum marginalen Preismechanismus geworden. Und da die Fed den Auftrag hat, die Preisstabilität zu gewährleisten, muss sie implizit die Größe des Kreditsystems aufrechterhalten, um das allgemeine Preisniveau zu stützen. Während der Finanzkrise begann das Kreditsystem zu schrumpfen, und die Vermögenspreise gingen in ungeordneter Weise rasch zurück. Um die Auswirkungen umzukehren, war die Fed gezwungen, die Geldmenge drastisch zu erhöhen (quantitative Lockerung), um den Umfang des Kreditsystems aufrechtzuerhalten. Selbst nach dem Höhepunkt der Krise hielt es die Fed für notwendig, weitere Billionen neuer Dollar zur Verfügung zu stellen, um ein schwächelndes System zu stützen, obwohl sie die Grenzen ihrer geldpolitischen Instrumente erkannt hatte. Das ist die Zwickmühle, in der sich die Fed befindet: Selbst wenn sie es scheinbar besser weiß, entscheidet sie sich standardmäßig für eine mehr quantitative Lockerung, nicht für weniger.

“Ich bin durchaus bereit, das Argument zu akzeptieren, dass die Geldpolitik nicht das wichtigste Instrument ist, dass dies nicht das Hauptproblem der Wirtschaft ist, aber es ist unsere Pflicht, zu tun, was wir können, zu lindern, zu helfen, wo wir können, auch wenn wir die fiskalischen, strukturellen und sonstigen Probleme nicht lösen können.”

Ben Bernanke, ehemaliger Fed-Vorsitzender – August 2011

“Ich glaube nicht, dass die Geldpolitik buchstäblich völlig unwirksam ist. Ich denke, wir können die Auswirkungen auf die Finanzmärkte erkennen, die sich wiederum auf den Wohlstand, das Vertrauen und einige andere Determinanten von Ausgaben und Produktion auswirken müssen. In dem Maße, in dem die Übertragung schwächer ist, könnte dies als Argument für mehr Anreize statt für weniger Anreize dienen.”

Ben Bernanke, ehemaliger Fed-Vorsitzender – September 2011

Indem sie mit quantitativer Lockerung reagierte, veranlasste die Fed ein bereits mit zu vielen Schulden belastetes Kreditsystem zu einer massiven Ausweitung. Heute unterhält das US-Kreditsystem rund 73 Billionen Dollar an Schulden mit fester Laufzeit (systemweit), was einem Anstieg von 20 Billionen Dollar (+40 %) gegenüber dem Vorkrisenniveau entspricht (Fed-Bericht Z.1, S. 7). Dieser Verschuldung stehen nur 1,7 Billionen Dollar gegenüber, die tatsächlich im Bankensystem vorhanden sind (Fed H.8-Bericht). Infolgedessen gibt es nach wie vor viel zu viele Schulden und zu wenig Dollar. Da QE die Schaffung weiterer Billionen an Schulden verursacht, ist es eher wie Heroin als ein Antibiotikum; je mehr davon auf ein Finanzsystem angewendet wird, desto abhängiger wird dieses System und desto schlechter geht es ihm, wenn es entfernt wird.

Bitcoin bringt das in Ordnung

Vor 2009 war jeder gezwungen, sich diesem System anzuschließen, und es gab keine praktikable Ausweichmöglichkeit. Dies ist letztlich die Option, die Bitcoin bietet, und er existiert vor allem als Antwort auf die globale QE. Es gibt keine einfachere Erklärung für die Frage, warum Bitcoin existiert. Zwar wäre Bitcoin auch ohne die quantitative Lockerung eine überlegene Alternative gewesen, doch die globale Geldentwertung als Reaktion auf die Krise verschärft den Kontrast. Es ist dieser Kontrast, der die bloße Existenz von Bitcoin viel intuitiver macht, als sie es sonst sein könnte. Bitcoin existiert buchstäblich, weil einige hochintelligente Menschen ein Problem erkannt und die Räder in Bewegung gesetzt haben, um eine Lösung zu schaffen. Praktisch existiert Bitcoin jedoch, weil er eine grundlegend bessere Lösung für das Geldproblem darstellt.

Aufgrund der Hebelwirkung, die dem bestehenden Finanzsystem innewohnt, ist künftiges QE nicht nur eine Möglichkeit, sondern eine Gewissheit. Künftiges QE der Fed und der Zentralbanken in aller Welt ist eine Frage des “Wann” und nicht des “Ob”. Das Kreditsystem war im Jahr 2008 instabil und nicht tragfähig. Infolge von QE hat es sich massiv ausgeweitet und trägt nun allein in den USA 20 Billionen Dollar mehr Schulden. Jedes Mal, wenn die Fed oder eine andere Zentralbank weitere QE-Runden ankündigt, ist dies das verstärkende Marktsignal, warum Bitcoin existiert. Es ist die Wahl zwischen einer Währung, die ständig und systematisch von den Zentralbanken entwertet wird, und einer Währung mit einem festen Angebot, das nicht manipuliert werden kann. Bitcoin ist die Kontrolle, das Gleichgewicht und der ultimative Ausweg für das Problem, das QE darstellt.

In The Pretense of Knowledge, einer Rede, die Friedrich Hayek anlässlich der Verleihung des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften im Jahr 1974 hielt, formuliert er die primären Grundsätze, warum das ungleiche Wissen aller Marktteilnehmer größer ist als das eines einzelnen Verstandes. Mit dieser Argumentation erklärt er, warum die vorherrschende makroökonomische Theorie und die Geldpolitik, die die Zentralbanken leiten, von Natur aus fehlerhaft sind. Und warum die von den Zentralbanken eingesetzten politischen Instrumente, insbesondere die quantitative Lockerung, mehr Schaden als Nutzen anrichten. Ich empfehle dringend, die gesamte Rede zu lesen, da sie eine Gegenerzählung zur Monokultur der heutigen Wirtschaftspolitik darstellt. Unser derzeitiges System vertraut die Vergabe von Billionen von Dollar nur wenigen Personen an. Es ist nicht so, dass es diesen Personen an Wissen mangelt; vielmehr verfügt eine kleine Gruppe von Personen zwangsläufig über weit weniger Wissen als die Hunderte von Millionen von Personen, die eine Volkswirtschaft ausmachen.

Im vorliegenden Fall sind nämlich gerade die Maßnahmen, die die vorherrschende “makroökonomische” Theorie als Heilmittel gegen die Arbeitslosigkeit empfohlen hat – nämlich die Erhöhung der Gesamtnachfrage – zur Ursache einer sehr weitreichenden Fehlallokation von Ressourcen geworden, die eine spätere Massenarbeitslosigkeit unvermeidlich machen dürfte. Die ständige Zufuhr zusätzlicher Geldmengen an Stellen des Wirtschaftssystems, an denen sie eine vorübergehende Nachfrage schaffen, die aufhören muss, wenn die Zunahme der Geldmenge aufhört oder sich verlangsamt, zusammen mit der Erwartung eines anhaltenden Preisanstiegs, zieht Arbeitskräfte und andere Ressourcen an, die nur so lange zur Verfügung stehen, wie die Zunahme der Geldmenge im gleichen Tempo anhält – oder vielleicht sogar nur so lange, wie sie sich mit einer bestimmten Geschwindigkeit weiter beschleunigt. Was diese Politik hervorgebracht hat, ist nicht so sehr ein Niveau der Beschäftigungsniveau, das nicht auf andere Weise hätte erreicht werden können, sondern eine Verteilung der Beschäftigung, die nicht unbegrenzt aufrechterhalten werden kann, und die nach einiger Zeit nur durch eine Inflationsrate aufrechterhalten werden kann, die rasch zu einer Desorganisation der gesamten Wirtschaftstätigkeit führen würde. Tatsache ist, daß wir durch eine irrige theoretische Sichtweise in eine prekäre Lage gebracht worden sind, in der wir eine erhebliche Arbeitslosigkeit nicht verhindern können, nicht weil diese Arbeitslosigkeit absichtlich herbeigeführt würde um die Inflation zu bekämpfen, wie diese Ansicht manchmal falsch dargestellt wird, sondern weil sie nun zwangsläufig eine zutiefst bedauerliche, aber unausweichliche Folge der verfehlten Politik der Vergangenheit ist, sobald die Inflation nicht mehr anzieht.

F.A. Hayek – Die Anmaßung von Wissen

Durch den Versuch, eine Wirtschaft durch die Manipulation der Geldmenge zu steuern, wird nicht nur das Wissen vieler durch das einiger weniger ersetzt, sondern die kollektive Wissensbasis als Ganzes wird verzerrt. Die Mechanismen, die Angebot und Nachfrage steuern, können nicht mehr effizient funktionieren, was zu Ungleichgewichten führt, die nur so lange aufrechterhalten werden können, wie der Markt manipuliert bleibt. Letztendlich sind die negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft weitaus größer, als sie es ohne die Intervention der Zentralbank gewesen wären. Die Finanzkrise ist der Patient Null, und die quantitative Lockerung hat uns heute nur in eine noch prekärere Lage gebracht. Die erste Auswirkung ist die Abwertung der Währung, aber die letzte Auswirkung ist die Verschlechterung der zugrunde liegenden Wirtschaftsstruktur. Bitcoin wurde entworfen um  dieses Problem zu lösen, aber niemand sollte einen nahtlosen oder schmerzlosen Übergang von einem System erwarten, das mit jahrzehntelang angehäuften Ungleichgewichten belastet ist.

Bitcoin schafft ein System, das eine unverzerrte Wirtschaftstätigkeit ermöglicht, und zwar durch eine feste Geldmenge, die letztlich durch einen Marktkonsensmechanismus geregelt wird. Durch diesen Konsensmechanismus verzichtet Bitcoin auf die bewusste Kontrolle durch Zentralbanker und verlässt sich stattdessen auf das verteilte Wissen aller Marktteilnehmer. Außerdem ist es völlig freiwillig. Wenn Sie Ihr Finanzsystem mögen, können Sie es (zumindest vorerst) behalten. Allerdings tendieren Währungssysteme zu einem einzigen Medium. Wenn sich also eine kritische Masse für den Bitcoin als glaubwürdigstes langfristiges Wertaufbewahrungsmittel entscheidet, könnte er in Zukunft weniger optional sein. Wenn sich immer mehr Menschen für Bitcoin entscheiden, werden die Probleme des bestehenden Systems nur noch deutlicher, was die Notwendigkeit einer quantitativen Lockerung wahrscheinlich beschleunigt. Je größer die Neigung ist, Vermögen in Bitcoin zu speichern, desto geringer ist die Nachfrage, Vermögen in den Vermögenswerten zu speichern, die das bestehende Kreditsystem stützen. Im Wesentlichen wird sich eine zunehmende Umstellung auf Bitcoin direkt auf den systemweiten Kreditimpuls auswirken, was die Notwendigkeit für das bestehende Finanzsystem, sich auf eine quantitative Lockerung zu stützen, beschleunigen wird. 

Bitcoin mag der schlaue Umweg um das Wirtschaftssystem der Fed sein, aber er geht direkt auf Kosten des alten Systems. Und die zwischenzeitliche Folge der Umstellung auf Bitcoin könnte sehr wohl makroökonomische Volatilität sein. Bitcoin mag fälschlicherweise für die Übel des alten Systems verantwortlich gemacht werden, aber in Wirklichkeit ist der Rückzug nur ein schmerzhafter und notwendiger Prozess. Das mag den Leuten in Jackson Hole nicht gefallen, aber auf der anderen Seite werden positive externe Effekte warten. Und außerdem liegt es jetzt in den Händen des freien Marktes.

“Ich glaube nicht, dass wir jemals wieder ein gutes Geld haben werden, bevor wir die Sache aus den Händen der Regierung nehmen; das heißt, wir können sie nicht gewaltsam aus den Händen der Regierung nehmen, wir können nur auf Umwegen etwas einführen, das sie nicht verhindern können.”

F. A. Hayek

Dies ist ein Gastbeitrag von Parker Lewis von Unchained Capital. Die geäußerten Meinungen sind ausschließlich seine eigenen und spiegeln nicht notwendigerweise die von Aprycot Media wider.

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