Bitcoin kann nicht kopiert werden

Aus dem Original “Bitcoin Can’t Be Copied” von Parker Lewis, erschienen am 2. August 2019 in der Serie Gradually, Then Suddenly von Unchained Capital. Übersetzt von H. Liner, Lektorat durch Yvette.

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Als Kinder haben wir alle gelernt, dass Geld nicht auf Bäumen wächst. Als Gesellschaft hingegen wurden wir darauf konditioniert zu glauben, dass dies nicht nur möglich, sondern sogar eine normale, notwendige und produktive Funktion unserer Wirtschaft ist. Vor Bitcoin war dieses Privileg den global Zentralbanken vorbehalten (siehe z.B. hier). Nach Bitcoin scheint jeder Tom, Dick & Harry zu denken, dass auch er Geld erschaffen kann. Im Grunde ist dies die Dreistigkeit eines jeden, der versucht, eine Kopie von Bitcoin zu erschaffen. Ob durch Hard Fork des Konsens (Bitcoin Cash), das Klonen von Bitcoin (Litecoin) oder das Erstellen eines neuen Protokolls mit “besseren” Funktionen (Ethereum), allesamt sind der Versuch, eine neue Form des Geldes zu erschaffen. Wenn Bitcoin das kann, wieso sollten wir es nicht auch können?

Wir befinden uns im Jahr 2019 und erleben zum ersten Mal seit tausenden von Jahren die Monetarisierung eines Wirtschaftsguts (Bitcoin) auf dem freien Markt (vgl. mit Gold). Statt innezuhalten und über die Bedeutung dieser Tatsache nachzudenken oder zu verstehen, wie oder warum das möglich ist, gehen viele Leute direkt dazu über, sich auf ein Derivat zu konzentrieren oder auf die Lösung eines Problems, dessen sie sich zuvor überhaupt nicht bewusst waren. Jeder will schnell reich werden – und solange es Geld gibt, wird es auch Alchemisten geben. Diejenigen, die versuchen, Bitcoin zu kopieren, sind unsere modernen Alchemisten.

“Jeder will schnell reich werden und solange es Geld gibt, wird es auch Alchemisten geben.”

Sie erzählen uns, Bitcoin sei zu langsam, also erstellen sie eine Kopie, die “schneller” ist. Oder sie erzählen uns, dass Bitcoin nicht die nötige Anzahl an Transaktionen bewältigen könne, die die globale Wirtschaft benötigt, also erstellen sie eine Kopie, die “besser” skaliert. Dann erzählen sie uns, Bitcoin sei zu volatil, um eine Währung sein zu können, also erstellen sie eine “stabilere” Version. So geht es immer weiter. Als Nächstes sagen sie, dass Bitcoin zu unflexibel sei und besser programmierbar sein müsse, also erstellen sie eine Kopie, die “flexibler” ist. Oft sagen sie uns sogar, dass ihre Schöpfung kein Geld sei, sondern ein Vehikel für “Zahlungen” und “Anwendungen” oder gar ein “globaler Computer, betrieben mit Treibstoff”. Sie versuchen auch, uns von einer Welt zu überzeugen, in der es hunderte, wenn nicht tausende Währungen gibt. Aber lasse dich nicht täuschen, in jedem Fall steht dahinter ihr eigener Versuch, Geld zu erschaffen.

Die Wertfunktion von Bitcoin

Wenn der primäre (wenn nicht sogar der einzige) Nutzen eines Vermögenswerts darin besteht, gegen andere Waren und Dienstleistungen eingetauscht zu werden und wenn er nicht wie produktive Vermögenswerte einen Anspruch auf ein Einkommen gewährt (wie z. B. Aktien oder Anleihen), muss er als eine Form von Geld konkurrieren und wird nur dann Wert speichern, wenn er glaubwürdige monetäre Eigenschaften besitzt. Mit jeder “Funktionsänderung” zeigen diejenigen, die versuchen, Bitcoin zu kopieren, dass sie die Eigenschaften nicht verstehen, die Bitcoin wertvoll und als Geld überlebensfähig machen. Als der Software-Code von Bitcoin veröffentlicht wurde, war er kein Geld. Bis zum heutigen Tage ist der Software-Code von Bitcoin kein Geld. Du kannst morgen den Code kopieren oder deine eigene Variante mit einer neuen Funktion erstellen, doch niemand, der Bitcoin als Geld akzeptiert hat, wird deine Version als Geld anerkennen. Bitcoin ist erst im Laufe der Zeit zu Geld geworden, als das Bitcoin-Netzwerk emergente Eigenschaften entwickelte, die bei seiner Erschaffung nicht existierten und die jetzt, wo Bitcoin existiert, nahezu unmöglich zu reproduzieren sind.

“Diejenigen, die versuchen, Bitcoin zu kopieren, zeigen, dass sie die Eigenschaften nicht verstehen, die Bitcoin wertvoll und als Geld überlebensfähig machen.”

Diese Eigenschaften sind organisch und spontan entstanden, als einzelne Wirtschaftsaktuere auf der ganzen Welt Bitcoin bewerteten und sich dazu entschlossen, einen Teil ihres Vermögens darin zu speichern. Als der Marktwert von Bitcoin anstieg, wurde Bitcoin dezentralisiert, und als er dezentralisiert wurde, wurde es zunehmend schwieriger, die Konsensregeln des Netzwerks zu ändern oder ansonsten gültige Transaktionen für ungültig zu erklären oder zu verhindern (dies wird oft als Zensurresistenz bezeichnet). Es gibt nach wie vor berechtigte Debatten darüber, ob Bitcoin ausreichend dezentralisiert oder ausreichend zensurresistent ist, aber während dies der Fall sein dürfte, gibt es andere Überlegungen, die weit weniger diskussionswürdig sind:

  1. Bitcoin stellt heute mit Abstand das dezentralste und zensurresistenteste monetäre Netzwerk der Welt dar – ob im Vergleich zu traditionellen Währungen, anderen digitalen Währungen oder Rohstoffwährungen wie Gold. 
  1. Bitcoin erhält seinen Wert, weil es dezentral und weil es zensurresistent ist; es sind diese Eigenschaften, die die Glaubwürdigkeit in das auf 21 Millionen Bitcoin begrenzte Angebot sichern und stärken (ergo warum Bitcoin ein effektiver Wertespeicher ist).
  1. Bitcoin wird zunehmend dezentraler und zensurresistenter, je weiter der Wert steigt und je mehr Bitcoin auf allen Ebenen des Netzwerks skaliert.
  1. Dieser Vorgang wiederholt sich fortlaufend.

Monetäre Systeme tendieren zu einem einzigen Medium

Jede andere Fiat-Währung, jedes Warengeld und jede Kryptowährung konkurriert um genau den selben Anwendungsfall wie Bitcoin – ob man diesen verstanden hat oder nicht. Und Geldsysteme tendieren zu einem einzigen Medium, da ihr Nutzen in der Liquidität liegt und nicht im Konsum oder der Produktion. Bei der Beurteilung monetärer Netzwerke wäre es irrational, Werte in kleineren, weniger liquiden oder weniger sicheren Netzwerken zu speichern, wenn ein größeres, liquideres und sichereres Netzwerk verfügbar ist. 

Teste deinen gesunden Menschenverstand. Wenn du zwei Wochen arbeitest und dein Arbeitgeber würde dir anbieten, dich in einer Währung zu bezahlen, die von 1 Milliarde Menschen auf der ganzen Welt akzeptiert wird oder in einer Währung, die von 1 Million Menschen akzeptiert wird, welche würdest du annehmen wollen? Würdest du 99,9% der einen und 0,1% der anderen Währung verlangen oder versuchst du dein Glück mit deinen Milliarden Freunden? Wenn du ein US-Bürger bist und für eine Woche im Jahr nach Europa reist, würdest du deinen Arbeitgeber bitten, dich jede Woche zu einem 52stel in Euro zu bezahlen oder gehst du das Risiko mit dem Dollar ein? Die praktische Realität sieht so aus, dass fast alle Menschen ihren Wert in einem einzigen monetären Gut aufbewahren – und zwar nicht, weil keine Weiteren existieren, sondern weil dieses das liquideste Gut in ihrem Wirtschaftsraum ist. 

Jeder Besitzer von venezolanischen Bolivar oder argentinischen Pesos würde sich für das Dollar-System entscheiden, wenn er könnte. In ähnlicher Weise trifft jeder, der sich dafür entscheidet, mit einer Kopie von Bitcoin zu spekulieren, freiwillig die irrationale Entscheidung für ein weniger liquides und weniger sicheres Währungsnetzwerk. Zwar gibt es heute größere und liquidere Währungsnetzwerke als Bitcoin (z. B. Dollar, Euro, Yen), aber diejenigen, die sich dafür entscheiden, einen Teil ihres Vermögens in Bitcoin anzulegen, tun dies oft, weil sie glauben, dass es sicherer ist (dezentralisiert → zensurresistent → festes Angebot → Wertaufbewahrung) und aufgrund der Erwartung, dass andere (z.B. eine Milliarde zukünftiger Freunde) sich ebenfalls dazu entschließen werden, was wiederum die Liquidität und die Zahl der Handelspartner erhöht.

“Jeder, der sich dafür entscheidet, mit einer Kopie von Bitcoin zu spekulieren, trifft freiwillig die irrationale Entscheidung für ein weniger liquides und weniger sicheres Währungsnetzwerk.”

Warum Bitcoin nicht kopiert werden kann

Viele derjenigen, die digitale Währungen schaffen, akzeptieren nicht oder verstehen nicht, dass das, was sie kreieren, Geld sein muss, um erfolgreich zu sein; andere, die mit diesen Vermögenswerten spekulieren, verstehen nicht, dass Geldsysteme zu einem Medium tendieren oder glauben naiverweise, dass ihre Währung Bitcoin ausstechen könne. Keiner von ihnen kann erklären, wie die digitale Währung ihrer Wahl dezentraler, zensurresistenter oder liquider werden kann als Bitcoin. Um es noch weiter zu fassen: Keine andere digitale Währung wird wahrscheinlich jemals mehr das Mindestmaß an Dezentralisierung oder Zensurresistenz erreichen, das für eine glaubwürdig durchgesetzte Geldpolitik erforderlich ist. Und um buchstäblich eine Seite aus Der Bitcoin Standard zu stehlen:

Bitcoin ist wertvoll, nicht wegen einer besonderen Eigenschaft, sondern weil er eine absolute, digitale Knappheit erreicht hat, aus der sich seine Eigenschaft als guter Wertespeicher ableitet. Die Glaubwürdigkeit der Knappheit von Bitcoin (und der Geldpolitik) besteht nur, weil er dezentralisiert und damit zensurresistent ist, was an sich sehr wenig mit Software zu tun hat. Insgesamt führt dies zu einer zunehmenden Akzeptanz und Liquidität, die den Wert des Bitcoin-Netzwerks stärkt und festigt. Im Rahmen dieses Prozesses entscheiden sich Einzelpersonen zeitgleich für den Ausstieg aus unterlegenen Geldnetzwerken. Das ist der Grund, warum die Eigenschaften von Bitcoin nahezu unmöglich zu replizieren sind und warum Bitcoin weder kopiert noch verdrängt werden kann: Weil Bitcoin bereits als Option existiert und seine monetären Eigenschaften mit der Zeit (und mit zunehmender Größe) immer stärker werden – und zwar auch auf Kosten unterlegener monetärer Netzwerke.

Man würde wahrscheinlich nie zu dieser Schlussfolgerung kommen, ohne zuvor ein eigenes Verständnis der folgenden Punkte zu entwickeln: i) Dass Bitcoin absolut knapp ist (wie/warum das so ist); dass Bitcoin wertvoll ist, weil es knapp ist; und iii) dass monetäre Netzwerke zu einem Medium tendieren. Du magst zu anderen Schlussfolgerungen kommen, aber dies ist der korrekte Ansatz um darüber nachzudenken, ob es möglich ist, Bitcoin zu kopieren (oder zu übertreffen) und nicht ein Ansatz, der nur bestimmte Eigenschaften betrachtet. Es ist auch wichtig zu erkennen, dass individuelle Schlussfolgerungen – einschließlich deiner oder meiner eigenen – in dieser Gleichung eine untergeordnete Rolle spielen. Stattdessen kommt es vielmehr darauf an, welchen Konsens der Markt findet und worauf er sich als glaubwürdigstes, langfristiges Wertaufbewahrungsmittel einigt.

Die empirische Evidenz (Preismechanismus & Marktwert) belegt, dass der Markt – trotz einer erheblichen Menge an Grundrauschen – weiterhin bestimmt, wieso Bitcoin anders ist. Bevor du spekulierst, versuche zu verstehen, wieso Bitcoin funktioniert und warum er einzigartig ist. Wenn dir jemand unaufhörlich von einem besseren Bitcoin oder einem Unterscheidungsmerkmal erzählt, denke daran, dass der Markt, der in den letzten zehn Jahren vor dir an dieselbe Kreuzung gekommen ist, diese Kompromisse evaluiert und sich aus sehr rationalen Gründen für Bitcoin als Alternative entschieden hat.

Die Minderheitenregel

Nassim Taleb schreibt, wie eine sehr kleine, unnachgiebige Minderheit der Mehrheit ihre Präferenzen aufzwingen kann. Er nennt dies die Minderheitenregel und erklärt, warum schließlich der Intoleranteste gewinnt. Bitcoin (und Geldsysteme generell) sind ein perfektes Beispiel für dieses Phänomen. Wenn sich eine sehr kleine Minderheit in der Überzeugung vereinigt, dass Bitcoin bessere monetäre Eigenschaften besitzt und diese Minderheit gleichzeitig andere digitale (oder traditionelle) Währung nicht als Geld akzeptiert, während weniger überzeugte Marktteilnehmer sowohl Bitcoin als auch andere Währungen akzeptieren, gewinnt die intolerante Minderheit. Genau das geschieht im globalen Wettbewerb um die Vorherrschaft der digitalen Währungen. Eine kleine Minderheit von Marktteilnehmern hat beschlossen, dass nur Bitcoin zukunftsfähig ist und lehnt die monetären Eigenschaften aller anderen digitalen Währungen ab, während die Mehrheit dazu bereit ist, Bitcoin gleichermaßen zu akzeptieren. Aufgrund ihrer Unnachgiebigkeit zwingt die Minderheit der Mehrheit langsam ihre Präferenz auf. In der Welt der digitalen Währungen bedeutet Diversifizierung, also die Möglichkeit der Auswahl zwischen verschiedenen Währungen, dass man die Mehrheit (oder die intolerante Minderheit) entscheiden lässt, was zukünftig als Geld verwendet wird, während man sich selbst damit abfinden muss, nur einen Bruchteil dessen gespart zu haben, was ansonsten möglich gewesen wäre. Wäge deshalb genau ab und berücksichtige die Minderheitenregel, bevor du deinen hart erarbeiteten Wert für ein Stück Papier eintauschst. Geld wächst nicht auf Bäumen. 

Bitcoin ist eine bemerkenswerte kryptografische Errungenschaft und die Fähigkeit, etwas zu erschaffen, das in der digitalen Welt nicht kopiert werden kann, hat einen enormen Wert.

Eric Schmidt (ehemaliger CEO von Google)

Dies ist ein Gastbeitrag von Parker Lewis von Unchained Capital. Die geäußerten Meinungen sind ausschließlich seine eigenen und spiegeln nicht notwendigerweise die von Aprycot Media wider.

Die anderen Artikel dieser Serie findest du in unserer Mediathek unter Gradually, Then Suddenly.

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