Bitcoin kann nicht verboten werden

Aus dem Original “Bitcoin Cannot Be Banned” von Parker Lewis, erschienen am 8. November 2019 in der Serie Gradually, Then Suddenly von Unchained Capital. Übersetzt von H. Liner, Lektorat durch stfano.


Die Vorstellung, dass Bitcoin irgendwie von Regierungen verboten werden kann, ist die letzte Phase des Zweifels – direkt vor der Akzeptanz. Die Konsequenz dieser Aussage ist das Eingeständnis, dass Bitcoin “funktioniert”. Tatsächlich drückt sie aus, dass Bitcoin sogar so gut funktioniert, dass Bitcoin das staatlich kontrollierte Geldmonopol bedroht, sodass Regierungen die Existenz von Bitcoin durch Regulierungen beenden werden, um die Bedrohung zu beseitigen. Betrachte die Behauptung, dass Regierungen Bitcoin verbieten werden, als bedingte Logik. Ist Bitcoin als Geld funktional? Wenn nicht, haben Regierungen nichts zu verbieten. Wenn ja, dann werden Regierungen versuchen, Bitcoin zu verbieten. Der Ankerpunkt dieser Kritik ist also die Annahme, dass Bitcoin als Geld funktioniert. Anschließend stellt sich die Frage, ob staatliche Eingriffe den ansonsten funktionierenden Bitcoin zum Scheitern bringen könnten.

Als Ausgangspunkt sollte jeder, der zu verstehen versucht, wie, warum oder ob Bitcoin funktioniert, die Frage völlig unabhängig von den Auswirkungen staatlicher Regulierung oder Intervention beurteilen. Natürlich muss Bitcoin innerhalb verschiedenster Regulierungssysteme bestehen, aber stelle dir vor, es gäbe keine Regierungen. Würde Bitcoin als Geld funktionieren, wenn man ihn einfach dem freien Markt überließe? Dies wird unweigerlich zu einer Reihe von weiteren Fragen führen, die man sich stellen muss. Was ist Geld? Was sind die Eigenschaften, die ein bestimmtes Medium zu einer besseren oder schlechteren Form von Geld machen? Weist Bitcoin diese Eigenschaften auf? Ist Bitcoin aufgrund seiner Eigenschaften eine bessere Form von Geld? Wenn die endgültige Schlussfolgerung lautet, dass Bitcoin nicht als Geld funktioniert, sind die Auswirkungen staatlicher Eingriffe irrelevant. Wenn Bitcoin jedoch als Geld funktioniert, wird die Frage für die Debatte relevant. Und jeder, der sich diese Frage stellt, bräuchte den vorigen Kontext als Grundlage, um bewerten zu können, ob ein Verbot möglich ist oder nicht. 

Bitcoin existiert von Natur aus jenseits von Regierungen. Aber Bitcoin ist nicht nur ohne jegliche staatliche Kontrolle, er funktioniert auch ohne die Koordination durch zentrale Dritte. Bitcoin ist global und dezentralisiert. Jeder kann ohne Erlaubnis darauf zugreifen und je weiter das Netzwerk verbreitet ist, desto schwieriger ist es zu zensieren. Die Architektur von Bitcoin ist praktisch darauf ausgelegt, allen staatlichen Verbotsversuchen zu widerstehen und diese zu neutralisieren. Das soll nicht heißen, dass Regierungen weltweit nicht versuchen werden, Bitcoin zu regulieren, zu besteuern oder sogar zu verbieten. Es wird sicherlich einen Kampf geben, um die Adoption zu verhindern. Die Fed [Anm. d. Übersetzers: Federal Reserve, die US-Notenbank] und das Finanzministerium (und die weltweiten Pendants) werden nicht einfach dabei zusehen, wie Bitcoin die staatlichen Geldmonopole zunehmend bedroht. Bevor wir jedoch widerlegen, dass Regierungen Bitcoin schlichtweg verbieten könnten, sollten wir zunächst sowohl die Bedeutung dieser Behauptung als auch die Person, die diese aufstellt, verstehen.

Wie sich Ablehnung entwickelt & die Phasen des Zweifels

Das Narrativ eines Skeptikers ändert sich im Laufe der Zeit ständig. Erste Stufe des Zweifels: Bitcoin kann niemals funktionieren – er ist durch nichts gedeckt. Er ist nichts weiter als die Tulpenmanie der Gegenwart. Mit jedem Hype-Zyklus steigt der Marktwert von Bitcoin drastisch an, bis eine Korrektur folgt. Von Kritikern oft als Crash bezeichnet, stirbt Bitcoin jedoch nicht, sondern fängt sich jedes Mal auf einem Niveau, das höher liegt als die vorherigen Adoptionswellen. Das Tulpen-Narrativ wird fallengelassen und die Skeptiker wenden sich nuancierteren Themen zu und verankern ihre Kritik dort neu. Es folgt die zweite Phase des Zweifels: Bitcoin ist als Währung mangelhaft. Er ist zu volatil, um Geld zu sein, zu langsam, um als Zahlungssystem zu funktionieren, er kann nicht skalieren, sodass er nicht alle Zahlungen weltweit handhaben kann oder er verschwendet Energie. Diese Aufzählung lässt sich beliebig fortsetzen. Dieser zweite Schritt folgt auf die anfängliche Ablehnung und ist eine deutliche Abkehr von der Vorstellung, dass Bitcoin vollkommen unbedeutend ist. 

Der Wert des Bitcoin-Netzwerks nimmt trotz seiner vermeintlichen Schwachstellen immer weiter zu. Jedes Mal, wenn es nicht stirbt, gewinnt es an Stärke. Während die Skeptiker darum bemüht sind Schwachstellen hervorzuheben, schläft Bitcoin nie. Die Wertsteigerung wird durch eine äußerst einfache Marktdynamik angetrieben: Es gibt mehr Käufer als Verkäufer. Das ist alles – durch zunehmende Adoption bedingt. Immer mehr Menschen finden heraus, warum es eine fundamentale Nachfrage nach Bitcoin gibt und warum/wie Bitcoin funktioniert. Dadurch entsteht eine langfristige Nachfrage. Immer mehr Menschen fragen Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel nach, trotzdem gibt es keine Anpassung des Angebots. Es wird immer nur 21 Millionen Bitcoin geben. Egal wie viele Menschen Bitcoin nachfragen, die Angebotsseite ist vollkommen fix und unelastisch. So wie die Skeptiker weiterhin die gleichen abgedroschenen Sprüche von sich geben werden, wird die Masse die Störgeräusche entschlüsseln und Bitcoin aufgrund der Stärken seiner monetären Eigenschaften nachfragen. Und keine Gruppe ist mit den Argumenten gegen Bitcoin besser vertraut als die Bitcoin-Befürworter selbst.

Bitcoin FUD-Würfel (Fear, Uncertainty, Doubt [Anm. d. Übersetzers: dt.: Angst, Unsicherheit, Zweifel]) v1 und v2 von Nic Carter.

Verzweiflung macht sich breit und die Debatte verankert sich von neuem. Das Narrativ verschiebt sich in eine vorhersehbare Richtung. Es geht nicht mehr darum, dass Bitcoin durch nichts gedeckt ist oder dass er als Währung fehlerhaft ist; stattdessen dreht sich die Debatte um Regulierung und Regierungsbehörden. In der letzten Phase des Zweifels heißt es dann, dass Bitcoin zu gut funktioniert und die Regierungen ihn deshalb niemals zulassen, sondern verbieten werden. Wirklich? Der menschliche Erfindergeist schafft es, Geld in einem technologisch überlegenen Medium vollkommen neu und mit verblüffenden Folgen zu erfinden und Regierungen wollen das irgendwie verbieten? Sieh nur, wie die Kritiker mit dieser Behauptung ihre Niederlage eingestehen. Sie ist das letzte Wimmern in einer Reihe von gescheiterten Argumenten. Die Skeptiker akzeptieren den fundamentalen Bedarf nach Bitcoin, doch wenden sich gleichzeitig dem unbegründeten Glauben zu, dass Regierungen ihn verbieten können.

Spiele das Szenario mal durch. Wann würden die Regierungen der Industrieländer tatsächlich eingreifen und versuchen, Bitcoin zu verbieten? Zurzeit betrachten die Fed und das Finanzministerium Bitcoin nicht als ernsthafte Bedrohung für die Vorherrschaft des Dollars. In ihrer kollektiven Meinung ist Bitcoin ein niedliches, kleines Spielzeug und funktioniert nicht als Währung. Gegenwärtig repräsentiert das Bitcoin-Netzwerk eine Gesamtkaufkraft von weniger als 200 Milliarden Dollar. Gold hingegen hat eine Kaufkraft von ca. 8 Billionen Dollar (das 40-fache von Bitcoin) und die Dollar-Geldmenge (M2) beträgt ca. 15 Billionen Dollar (das 75-fache von Bitcoin). Wann fängt die Fed oder das Finanzministerium damit an, Bitcoin als ernsthafte Bedrohung anzusehen? Sobald Bitcoin eine Kaufkraft von 1 Billion Dollar repräsentiert? 2 Billionen oder 3 Billionen Dollar? Suche dir die Schwelle aus. Die Implikation ist aber, dass Bitcoin sehr viel wertvoller sein wird und von viel mehr Menschen weltweit gehalten wird, bevor Regierungen ihn als ernsthaften Konkurrenten oder eine Bedrohung begreifen werden.

“Ich werde in 10 Jahren nicht über Bitcoin sprechen, das kann ich Ihnen versichern […]. Ich würde sogar wetten, dass ich als Finanzminister in 5 oder 6 Jahren nicht mehr über Bitcoin sprechen werde. Ich werde andere Prioritäten haben […]. Ich kann Ihnen versichern, dass ich persönlich keine Bitcoin anhäufen werde.” – Treasury Secretary Steve Mnuchin, 2019

“Ich bin kein Fan von Bitcoin […], das kein Geld [ist] und dessen Wert höchst volatil ist und keinerlei Grundlage hat.” – Präsident Donald J. Trump, 2019

Die Logik der Skeptiker lautet also: Bitcoin funktioniert nicht, aber wenn er funktioniert, werden die Regierungen ihn verbieten. Aber die Regierungen der freien Welt werden Bitcoin nicht verbieten, bevor er als Bedrohung offensichtlich wird. Zu diesem Zeitpunkt wird Bitcoin aber viel wertvoller und unzweifelhaft schwerer zu verbieten sein, da ihn viel mehr Menschen an viel mehr Orten benutzen. Also ignoriere einfach die Fundamentaldaten und die Asymmetrie einer weltweiten Monetarisierung, denn wenn sich herausstellt, dass du recht hast, werden die Regierungen eingreifen und Bitcoin zu Tode regulieren. Welche Position würde ein rationaler, wirtschaftlicher Akteur eher einnehmen? Ein monetäres Gut besitzen, das so dramatisch im Wert gestiegen ist, dass es die Weltreservewährung gefährdet, oder die andere Position – dieses Gut nicht zu besitzen? Angenommen, eine Person verfügt über die Kenntnisse, um zu verstehen, warum dieses Szenario grundsätzlich möglich ist (und zunehmend wahrscheinlich). Welche Position ist eher vertretbar und logischer? Schon aus der Asymmetrie folgt die erste Position, die durch ein grundlegendes Verständnis für die Nachfrage nach Bitcoin nur noch verstärkt wird.

Links: Bitcoin im Wettbewerb mit anderen monetären Medien (in Milliarden US-Dollar).
Rechts: Michael Goldstein (@bitstein): “Bitcoin ist ein seltsames Spiel, bei dem man nur gewinnt, wenn man mitspielt.”

Bitcoin kann aber nicht verboten werden.

Überlege, was Bitcoin eigentlich darstellt und was ein Verbot bedeuten würde. Bitcoin repräsentiert die Umwandlung von subjektiven Werten, die in der realen Welt geschaffen wurden, in digitale Schlüssel. Einfacher ausgedrückt: Bitcoin ist die Umwandlung der Zeit eines Menschen in Geld. Wenn jemand Bitcoin nachfragt, verzichtet diejenige Person gleichzeitig auf die Nachfrage nach einem anderen Gut, sei es Dollar, ein Haus, ein Auto, Lebensmittel usw. Bitcoin steht für Einsparungen, die mit den Opportunitätskosten anderer Güter einhergehen. Ein Bitcoin-Verbot wäre ein Affront gegen die grundlegendsten Freiheiten, die Bitcoin bereitstellen und bewahren soll. Stelle dir die Reaktion all derer vor, die Bitcoin für sich akzeptiert haben: “Das hat Spaß gemacht. Das Werkzeug, von dem die Experten sagten, dass es niemals funktionieren werde, funktioniert nun so gut, dass die selben Experten und Behörden es nun verbieten wollen. Die Party ist vorbei. Geht nach Hause, Leute.” Zu glauben, dass all die Menschen auf der Welt, die Bitcoin der finanziellen Freiheit und Souveränität wegen angenommen haben, sich plötzlich ergeben und die ultimative Verletzung ihrer Freiheiten akzeptieren, ist nicht rational.

“Geld ist eines der großartigsten Freiheitsinstrumente, die der Mensch je erfunden hat. Es ist das Geld, das in der bestehenden Gesellschaft dem armen Menschen eine erstaunliche Bandbreite an Möglichkeiten eröffnet – eine Bandbreite, die größer ist als die, die noch vor wenigen Generationen den Wohlhabenden offenstand.”

 F. A. Hayek, Der Weg zur Knechtschaft

Regierungen konnten schon nicht Alkohol- und Drogenkonsum, den Erwerb von Schusswaffen oder den Besitz von Gold verbieten. Eine Regierung kann den Zugang geringfügig einschränken oder sogar den Besitz illegalisieren, aber sie kann nicht auf magische Weise etwas Wertvolles verschwinden lassen, das von einer breiten und verteilten Gruppe von Menschen nachgefragt wird. Als die US-Regierung 1933 den privaten Besitz von Gold für illegal erklärte, verlor Gold weder seinen Wert noch verschwand es als monetäres Medium. Tatsächlich stieg sein Wert im Vergleich zum Dollar und nur dreißig Jahre später wurde das Verbot wieder aufgehoben. Bitcoin bietet nicht nur ein größeres Wertversprechen als alle anderen Güter, die eine Regierung jemals versucht hat zu verbieten (einschließlich Gold), sondern ist aufgrund seiner Eigenschaften auch viel schwieriger zu verbieten. Bitcoin ist global und dezentralisiert. Er kennt keine Grenzen und wird durch Netzwerkknoten [sog. Nodes] und kryptographische Schlüssel gesichert. Um Bitcoin zu verbieten, müsste man verhindern, dass Open-Source-Software ausgeführt wird und dass digitale Signaturen (durch kryptographische Schlüssel erstellt) im Internet verbreitet werden. Außerdem müsste das Verbot über zahlreiche Rechtssysteme hinweg koordiniert werden – ganz abgesehen davon, dass es keine Möglichkeit gibt, herauszufinden, wo sich die Schlüssel tatsächlich befinden, oder um zu verhindern, dass neue Knotenpunkte in anderen Rechtssystemen entstehen. Abgesehen von den verfassungsrechtlichen Fragestellungen wäre es technisch nicht machbar, ein Verbot von Bitcoin in einer sinnvollen Weise umzusetzen.

Die Verteilung von Bitcoin-Nodes nach Ländern (earn.com)

Selbst wenn alle G20-Staaten gleichzeitig ein koordiniertes Bitcoin-Verbot beschließen würden, wäre das nicht das Ende von Bitcoin. Stattdessen würde dies das Fiat-Geldsystem vor vollendete Tatsachen stellen. Es würde den Massen zeigen, dass Bitcoin eine hervorragende Währung ist. Außerdem wäre dies der Beginn einer globalen, aussichtslosen Sisyphosarbeit. Bitcoin hat keine zentrale Schwachstelle; Bitcoin-Miner, Nodes und Schlüssel sind über die gesamte Welt verteilt. Jeder Aspekt von Bitcoin ist dezentralisiert, weshalb das Betreiben eines Nodes und die selbstständige Verwaltung der Schlüssel das Herzstück von Bitcoin darstellen. Je mehr Nodes und Schlüssel es gibt, desto dezentraler und immuner wird Bitcoin gegenüber Angriffen. Je mehr Rechtssysteme es gibt, in denen Mining betrieben wird, desto weniger Gefahr geht von einem einzelnen Rechtssystem für die Sicherheitsfunktion von Bitcoin aus. Ein koordinierter Angriff auf staatlicher Ebene würde nur das Immunsystem von Bitcoin stärken. Er würde letztlich die Abkehr vom alten Finanzsystem (und den alten Währungen) und die Innovation innerhalb des Bitcoin-Ökosystems beschleunigen. Mit jeder neuen Bedrohung entwickelt sich Bitcoin weiter und immunisiert sich. Eine koordinierte Attacke auf staatlicher Ebene wäre keine Ausnahme.

Links: Zentralisiertes Geldsystem: Vertrauensbasiert.
Rechts: Dezentralisiertes Geldsystem: Kein Vertrauen notwendig.

Erlaubnisfreie Innovation auf globaler, dezentraler Basis ist der Grund, warum Bitcoin durch jeden Angriff stärker wird. Es ist der Angriffsvektor selbst, der Bitcoin dazu bringt, sich zu erneuern. Es ist die unsichtbare Hand von Adam Smith auf Steroiden. Einzelne Akteure mögen zwar glauben, dass sie durch die Mitarbeit an einer größeren Sache motiviert werden, aber in Wirklichkeit schafft der dem Bitcoin innewohnende Nutzen eine ausreichende Anreizstruktur, um sein Überleben sicherzustellen. Das Eigeninteresse von Millionen, wenn nicht Milliarden unkoordinierter Individuen, die durch ihren individuellen oder kollektiven Bedarf nach Geld aufeinander abgestimmt sind, schafft einen Anreiz für erlaubnisfreie Innovationen auf der Grundlage von Bitcoin. Heute mag Bitcoin wie eine coole neue Technologie oder eine nette Portfolio-Ergänzung aussehen, aber auch wenn die meisten Menschen es noch nicht erkennen, ist Bitcoin eine Notwendigkeit. Er ist eine Notwendigkeit, weil Geld eine Notwendigkeit ist und die herkömmlichen Währungen grundlegend defekt sind. Vor zwei Monaten brachen die Repo-Märkte in den USA zusammen und die Fed reagierte sofort, indem sie die Dollar-Menge um 250 Milliarden erhöhte und das wird noch nicht alles gewesen sein. Genau aus diesem Grund ist Bitcoin eine Notwendigkeit und kein Luxus. Wenn eine Erfindung eine grundlegende Notwendigkeit für das Funktionieren einer Wirtschaft ist, gibt es keine Regierungsgewalt, die die Ausbreitung dieser Erfindung verhindern könnte. Geld ist eine äußerst grundlegende Notwendigkeit und Bitcoin stellt einen gewaltigen Fortschritt im globalen Wettbewerb der Währungen dar. 

In der Praxis kommt die Tatsache hinzu, dass jeder Versuch eines Landes, Bitcoin zu verbieten oder seine Verwendung stark zu regulieren, direkt einem konkurrierenden Land zugute käme. Der Anreiz ein koordiniertes Verbot fallenzulassen, wäre viel zu hoch, um eine solche staatenübergreifende Vereinbarung aufrechtzuerhalten. Wenn die USA morgen den Besitz von Bitcoin für illegal erklären, würde dies die Verbreitung, Weiterentwicklung und Adoption verlangsamen und den Wert des Netzwerks vorübergehend beeinträchtigen? Wahrscheinlich. Würde es Bitcoin vernichten? Nein. Bitcoin ist das mobilste Geld der Welt. Länder und Rechtssysteme, die regulatorische Klarheit schaffen und die Verwendung von Bitcoin möglichst wenig einschränken, werden erheblich von Kapitalzuflüssen profitieren.

Das Gefangenen-Dilemma eines Bitcoin-Verbots

In der Praxis spielt sich das Gefangenendilemma nicht in einer Eins-zu-eins-Beziehung ab. Stattdessen ist es mehrdimensional und umfasst zahlreiche Rechtssysteme, die allesamt unterschiedliche Interessen verfolgen, was jeden Versuch, Bitcoin zu verbieten, noch unpraktikabler werden lässt. Humankapital, Sachkapital und Geldkapital werden in die Länder und Rechtssysteme mit den am wenigsten restriktiven Vorschriften gegenüber Bitcoin fließen. Das mag nicht über Nacht geschehen, aber jedes Land, das Bitcoin verbieten möchte, schneidet sich ins eigene Fleisch. Das bedeutet nicht, dass Länder es nicht versuchen werden. Indien hat bereits versucht, Bitcoin zu verbieten. China hat versucht, die Verwendung von Bitcoin stark einzuschränken. Weitere Länder werden folgen. Aber jedes Mal, wenn ein Land Maßnahmen ergreift, um die Verwendung von Bitcoin einzuschränken, hat dies den unbeabsichtigten Effekt, dass es seine Verbreitung fördert. Versuche, Bitcoin zu verbieten, sind ein äußerst effektives Marketinginstrument für Bitcoin. Bitcoin existiert als eine nicht-staatliche, zensurresistente Form von Geld. Er ist so konzipiert, dass er jenseits von Staaten existiert. Verbotsversuche untermauern nur den Grund für die Existenz von Bitcoin und damit letztlich sein Wertversprechen. 

Nur wer mitspielt, kann gewinnen

Bitcoin zu verbieten ist ein törichtes Unterfangen. Einige werden es versuchen, alle werden scheitern. Und es werden besonders diese Versuche sein, die seine Akzeptanz und Verbreitung beschleunigen. Sie werden der starke Wind sein, der den Waldbrand anheizt. Bitcoin wird dadurch zunehmend stärker und verlässlicher, was ihn immer weiter gegen Angriffe immunisiert und seinen antifragilen Charakter stärkt. Und in jedem Falle ist die Befürchtung, dass Regierungen Bitcoin verbieten werden, sobald er eine ernsthafte Bedrohung für Weltreservewährungen wird, kein rationaler Grund, um Bitcoin als eine Sparmethode abzulehnen. Vielmehr bestätigt diese Haltung nur, dass Bitcoin als Geld überlebensfähig ist und ignoriert gleichzeitig die beiden Hauptgründe dafür: Dezentralisierung und Zensurresistenz. Stelle dir vor, du kennst das größte Geheimnis der Welt, aber ziehst keine Vorteile aus der Asymmetrie und dem Nutzen von Bitcoin, weil du Angst vor den Regierungen hast. Entweder versteht man, warum Bitcoin funktioniert und wieso er nicht durch die Entscheidung einer Regierung scheitern wird oder man hat eine Wissenslücke und versteht schon nicht warum Bitcoin überhaupt funktionieren kann. Beginne damit, die Grundlagen zu verstehen und verwende diese anschließend, um mögliche Risiken durch zukünftige staatliche oder regulatorische Eingriffe zu bewerten. Und unterschätze niemals den Wert der Asymmetrie; nur wer mitspielt, kann gewinnen.


Dies ist ein Gastbeitrag von Parker Lewis von Unchained Capital. Die geäußerten Meinungen sind ausschließlich seine eigenen und spiegeln nicht notwendigerweise die von Aprycot Media wider.

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