Bitcoin ist nicht (nur) für Kriminelle

Aus dem Original “Bitcoin is Not for Criminals” von Parker Lewis, erschienen am 09.November 2019 in der Serie Gradually, Then Suddenly von Unchained Capital. Übersetzt von Yvette, Lektorat durch Juniormind.


Wenn Sie schon einmal gehört haben (oder selbst glauben), dass Bitcoin hauptsächlich von Kriminellen verwendet wird, halten Sie inne und schauen Sie sich die Freunde und Familienmitglieder an, von denen Sie vermuten oder wissen, dass sie Bitcoin besitzen. Fragen sich selbst, wie viele davon Kriminelle sind. Es gab tatsächlich weithin bekannt gewordene Fälle, in denen Kriminelle Bitcoin verwendet haben. Dieses Gerücht ist vor allem entstanden, weil Skeptiker sich nicht anders erklären können, wofür irgendjemand Bitcoin verwenden sollte – außer für illegale Zwecke. Diese Annahme beruht im Allgemeinen auf der Ansicht, dass Bitcoin dem Dollar unterlegen sei. Entweder, weil er zu volatil oder zu langsam wäre, oder weil er für alltägliche Transaktionen noch nicht überall akzeptiert wird; für jemanden mit beschränkter Vorstellungskraft ist dann die logische Erklärung, dass Bitcoin aus praktischer Sicht nur zum Zweck der Vereinfachung einer illegalen Aktivität verwendet würde bzw. generelles Mittel zur Umgehung der Strafverfolgung ist. Ihr Lieblings- Senator oder -Finanzminister mag gelegentlich diese Behauptung aufstellen, aber zum Glück ist Bitcoin nicht für Kriminelle – Bitcoin ist für jeden!

“Der eindeutige Zweck von Bitcoin für den Handel mit illegalen Gütern und Dienstleistungen oder für spekulatives Glücksspiel lässt mich misstrauisch gegenüber seiner Verwendung werden.”

Brief an die Regulierungsbehörden von Senator Joe Manchin (Februar 2014)

Wenn Bitcoin größtenteils für illegale Zwecke verwendet werden würde, wäre die logische Schlussfolgerung tatsächlich, dass Bitcoin hauptsächlich von Kriminellen genutzt wird. Da dies nicht der Fall ist, ist die typische Schlussfolgerung, dass Bitcoin zur Verhinderung solcher Aktivitäten verboten werden sollte, allerdings nicht stichhaltig.  Die Idee basiert auf der falschen Prämisse, dass Bitcoin dem Dollar unterlegen ist; tatsächlich ist er aber jeder bisherigen Form von Geld überlegen, vor allem aufgrund seiner begrenzten Menge (siehe Bitcoin ist nicht “durch nichts” gedeckt oder Bitcoin ist kein Schneeballsystem).

Diese Beschränkung der Anzahl von verfügbaren Bitcoins bildet die Grundlage für die grundsätzliche Nachfrage – unabhängig davon, ob sie mit kriminellen Aktivitäten zusammenhängt oder nicht. Auch unabhängig davon, wie viele Transaktionen Bitcoin täglich im Einzelhandel ermöglicht, wird er jeden Tag als zensur- und inflationsresistente Form des Sparens genutzt. Zweifellos wird Bitcoin auch von Drogenhändlern und dubiosen Gestalten im Dark Web genutzt. Es wäre jedoch irrational zu glauben, dass dies der Hauptzweck von Bitcoin ist oder auch der Annahme zu verfallen, dass Bitcoin deshalb gar verboten werden sollte. Efs ist ferner unlogisch, die Ansicht zu vertreten, dass Bitcoin hinreichend funktionsfähig ist, um als Währung für Kriminelle in Frage zu kommen und gleichzeitig zu leugnen, dass eine solche Ansicht belegen würde, dass Bitcoin für alle Menschen gleich gut funktioniert.

Doch bevor wir die Drogengeschichte komplett auf den Kopf stellen, sollten wir eingestehen, dass sich Kriminelle auf sehr viele Teile der Infrastruktur eines Landes verlassen – nicht nur auf Bitcoin. Straßen, das Internet, die Post, Flughäfen, das Bankensystem zum Beispiel. All dies wird von Kriminellen genutzt und oft zur Vereinfachung und Durchführung von Straftaten eingesetzt. Andererseits nutzen Kriminelle all diese Dinge auch, wenn sie keine Verbrechen begehen. Und das ist der Punkt, an dem die Logik, dass Bitcoin verboten werden muss, weil es kriminelle Aktivitäten ermöglicht, völlig zusammenbricht. Verbrechen sind Verbrechen. Das Werkzeug trägt keinen Anteil daran, dass es zur Erleichterung von Verbrechen verwendet werden kann. Die Post zu benutzen, um einen Brief an die Mutter zu schicken, ist kein Verbrechen. Aber die Verwendung der Post für den Versand von Drogen ist Schmuggelei. Ebenso ist es völlig in Ordnung, mit dem Euro Blumen für die Mutter zu kaufen. Aber Drogen mit Euro (oder Bitcoin) zu kaufen, ist ein Verbrechen. 

Trotz der kriminellen Nutzung fordert niemand ein Verbot von Straßen, Internet, Post usw. Und es gibt definitiv auch keine prominenten Verfechter des öffentlichen Interesses, ein Verbot des Dollars zu erwirken, der zufällig die bevorzugte Finanzierungswährung von Kriminellen ist. Gewiss wurde die Angst vor kriminellen Aktivitäten dazu benutzt, die Rechte gesetzestreuer Bürger scheinbar überall zu beschneiden, aber zu glauben, dass Bitcoin verboten werden sollte, weil Drogenhändler ihn benutzen, wäre nichts anderes als die Forderung nach einem Verbot des Euros oder Dollars aus demselben Grund.

Thema verfehlt!

Eine solche Ansicht wird noch unhaltbarer, wenn man versteht, dass Bitcoin eigentlich nicht für Kriminelle gedacht ist, aber um das zu verstehen, muss man auch verstehen, dass Bitcoin auch für Kriminelle ist. Es ist ein Paradoxon. Die Idee selbst wird auf den Kopf gestellt, wenn man sie durch die richtige Brille betrachtet. Die Tatsache, dass Kriminelle Bitcoin zur Vereinfachung Ihres Handels verwenden können (und verwendet haben), zeigt lediglich, dass Bitcoin zur Erleichterung jeder Form des Handels verwendet werden kann. 

Die Tatsache, dass ein sehr früher und gut publizierter Anwendungsfall für Bitcoin die Silk-Road-Website betraf, die Transaktionen mit Drogen und anderen illegalen Gütern unter Verwendung von Bitcoin als Zahlungsmittel erlaubte, ändert nichts an der allgemeineren Schlussfolgerung: dass Bitcoin für alle funktioniert. Doch anstatt sich auf diesen Punkt zu konzentrieren, wird in der Bitcoin-Forschung und -Statistik häufig versucht, die gegenteilige Annahme zu beweisen: dass nur ein kleiner Prozentsatz der Bitcoin-Transaktionen für illegale Zwecke verwendet wird. Hier z.B. eine Schlagzeile aus dem letzten Jahr:

“Eine neue Studie zeigt, dass weniger als 1 % der Bitcoin-Transaktionen an Börsen illegal sind.”

Coincenter, Januar 2018

Grundsätzlich mag das stimmen, aber diese Gegenargumente geben dem Kampf eine falsche Richtung. Wenn die Silk Road etwas gezeigt hat, dann, dass Menschen Bitcoin als Zahlungsmittel für Waren und Dienstleistungen akzeptieren können. Dabei spielt es keine Rolle, dass die auf der Silk Road-Website verkauften Waren im Allgemeinen illegal waren. Die Silk Road, über die schätzungsweise mehr als eine Million Transaktionen abgewickelt wurden, war eine der ersten Demonstrationen für eine Platform mit einem realen Einsatz von Bitcoin als Zahlungsmittel. 

Also ja, Bitcoin wird (und wurde) für Drogengeschäfte verwendet, aber das ist nur ein Anwendungsfall, der dazu beigetragen hat, den allgemeinen Nutzen von Bitcoin zu beweisen, nicht mehr und nicht weniger. Wenn es um den Kauf von Drogen geht, wird der Euro oder Dollar von den Drogenhändlern nach wie vor bei weitem dem Bitcoin vorgezogen, obwohl sie alle im Allgemeinen über Bitcoin Bescheid wissen und in der Lage sind, ihn zu akzeptieren. Ob nun als Reaktion auf die Silk Road oder aus anderen Gründen, jeder, der zu dem Schluss kommt, dass “Bitcoin für Drogen funktioniert”, sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Die weitreichendere und alle Annahmen erschütternde Implikation ist schlichtweg, dass Bitcoin funktioniert. Punkt.

Wenn Bitcoin für Drogenhändler funktioniert, um den Handel zu erleichtern, könnte es dann nicht auch für jede andere Form des Handels “funktionieren”? Es braucht nicht viel Phantasie, um diese Logik weiterzuführen. Wenn Person A Bitcoin für Ware B akzeptieren würde, ist es dann möglich, dass es jeder Person möglich ist, Bitcoin für jegliche Waren zu akzeptieren, unabhängig davon, wer oder was es ist? 

Im Fall der Silk Road haben die Drogenhändler vielleicht nicht ganz verstanden, warum Bitcoin “funktioniert”, aber es funktionierte so gut, dass sie bereit waren, Drogen dafür zu tauschen. Was sie anscheinend verstanden hatten, war, dass es eine ausreichende Marktnachfrage nach Bitcoin gab, um es als Tauschmittel zu nutzen. Weil dieser vereinfachte Transaktionen bot, eröffnete er einen Markt und einen Marktmechanismus, der sonst vielleicht nicht zur Verfügung gestanden hätte. Ob man es mag oder nicht, es war einfach ein Markt, der sich eine neue Technologie zunutze machte.

Trotz der Existenz von Bitcoin haben Drogenhändler nicht auf magische Weise aufgehört, Fiat-Geld als ihre bevorzugte Finanzierungswährung zu akzeptieren. Sie haben auch nicht aufgehört, Geldwäsche zu betreiben. Die Drogenhändler auf der Silk Road nutzten Bitcoin nicht nur, um sich den Strafverfolgungsbehörden zu entziehen, und auch der Drogenhandel in Fiat ist nicht plötzlich verschwunden; sie nutzten Bitcoin, weil er funktionierte und weil er einem Marktbedürfnis entsprach. Wäre der Bitcoin nicht funktional und würde man nicht erwarten können, dass er auf lange Sicht gesehen einen bestimmten Wert behält, wäre er auf der Silk Road nicht als Tauschmittel verwendet worden. Drogenhändler haben schließlich Gewinnabsichten. Noch wichtiger ist jedoch, dass man sich jedes Mal, wenn jemand beklagt, dass Bitcoin von Kriminellen für illegale Zwecke verwendet wird – sei es ein US-Senator oder ein Finanzminister – sollte man die Standardfrage stellen: Warum funktioniert Bitcoin überhaupt als Medium, um den Handel zu erleichtern?

Der Lackmustest

Die Fokussierung auf Kriminelle lenkt von einer grundlegenderen Frage und Konsequenz daraus ab. Wenn Bitcoin für einen Kriminellen funktioniert, könnte es für jeden funktionieren – und damit Bitcoin als Währung funktioniert, muss es ebenfalls für jeden funktionieren, also auch für Kriminelle. Dies ist jedoch keine Förderung krimineller Aktivitäten, die Bitcoin als Finanzierungsmechanismus nutzen; es ist lediglich eine Anerkennung der Eigenschaften, die es Bitcoin überhaupt erst ermöglichen, zu funktionieren. Betrachten Sie kriminelle Aktivitäten als einen Lackmustest. Wenn Bitcoin nicht für Drogenhändler funktioniert, funktioniert es für niemanden. Aber wenn es für Drogendealer funktioniert, kann es für jeden funktionieren. Wenn es möglich wäre, Bitcoin-Transaktionen im Zusammenhang mit bestimmten Aktivitäten oder bestimmten Personen zu zensieren (oder zu verhindern), wäre es möglich, jede Aktivität und jede Person zu zensieren. Und wenn es ein Hauptziel für die Zensur von Aktivitäten oder Personen gäbe, dann wäre es das eines kriminellen Unternehmens. Erste Versuche haben bereits stattgefunden.

“Das Office of Foreign Asset Control (OFAC) des US-Finanzministeriums hat drei chinesische Staatsangehörige und ihre Kryptowährungs-Adressen mit Sanktionen belegt und behauptet, sie hätten gegen Geldwäsche- und Drogenschmuggel-Gesetze verstoßen. […] Die Behörde hat auch eine Reihe von Bitcoin-Adressen aufgelistet […], von denen die Behörde behauptet, sie gehörten den chinesischen Bürgern.”

Coindesk, August 2019

In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass sich das “Funktionieren” von Bitcoin speziell auf die Netzwerkprotokollschicht bezieht. Ob ein Unternehmen oder eine Einzelperson bereit ist, Bitcoin von einer Adresse zu akzeptieren, die vom OFAC sanktioniert wurde oder ob ein drittes Finanzinstitut ein Konto einfriert, das mit einer solchen Adresse verbunden ist, ist für die langfristige Lebensfähigkeit von Bitcoin von geringer Bedeutung. Entscheidend ist, ob das Netzwerk eine von einer sanktionierten Adresse stammende Transaktion oder einen Block, der eine solche Transaktion enthält, validieren würde! Anders ausgedrückt: es stellt sich nur die Frage, ob Bitcoin-Miner oder -Knoten eine solche Transaktion ablehnen würden, obwohl sie nach den Konsensregeln des Netzwerks ansonsten gültig wäre. Bitcoin ist als Währung nur lebensfähig, weil es dezentral verwaltet wird. Aber Dezentralisierung ist kein Selbstzweck. Der Endgegner ist der Widerstand gegen Zensur. Und es ist hierbei mitnichten das Ziel, Kriminelle zu schützen. Es geht vielmehr darum, das Funktionieren des Währungssystems an seiner Basis zu schützen.

Zensurresistenz: alles oder nichts – für jeden oder keinen

Zensurresistenz ist die wichtigste Eigenschaft dieses Netzwerks, denn sie stellt sicher, dass die Regeln des Netzwerks weder willkürlich geändert noch ohne Konsens durchgesetzt werden. Ohne sie wäre das System nicht funktionsfähig. Die wichtigste dieser Regeln ist die Knappheit der Währung selbst. Der Widerstand gegen Zensur verstärkt die Knappheit und die Knappheit verstärkt den Widerstand gegen Zensur. Bitcoin wird mit zunehmender Verbreitung resistenter gegen Zensur, weil das Netzwerk mit der Zeit immer dezentraler wird. Mit zunehmender Verbreitung kontrolliert jeder Einzelne (im Durchschnitt) einen immer geringeren Anteil des limitierten Angebots des Netzwerks. Es ist die Knappheit der Währung, die die Verbreitung in erster Linie vorantreibt. 

Mit zunehmender Dezentralisierung des Netzwerks wird es für einen Einzelnen oder ein Unternehmen immer schwieriger, das Netzwerk zu zensieren. Ob Bitcoin zukünftig ausreichend zensurresistent ist, ist letztlich unbekannt und kann heute  nicht beantwortet werden. Stattdessen kann die Zensurresistenz nur anhand der aufgewendeten Energie zu jedem gescheiterten Versuch der Zensur gemessen werden.

Aus praktischer Sicht besteht das Risiko der Zensur hauptsächlich aus zweierlei: Erzwingen von Änderungen an den Konsensregeln des Netzwerks oder Ungültigmachen (oder Verhindern) ansonsten gültiger Transaktionen. Jeder kann auf das Bitcoin-Netzwerk zugreifen, indem er eine sogenannte Bitcoin-Fullnode betreibt (auch Knoten genannt). Jeder Knoten kann Transaktionen an den Rest des Netzwerks weiterleiten, und jeder Knoten validiert mit jedem Block einen vollständigen Verlauf der Blockchain auf der Grundlage eines gemeinsamen Regelwerks. Auf diese Weise sind die weltweit verteilten Knoten in der Lage, einen gemeinsamen Konsens über den gültigen Status des Bitcoin-Eigentums im gesamten Netzwerk zu erzielen, und zwar auf dezentraler Basis und ohne dass jemand einem anderen Teilnehmer hierbei vertraut. Die Konsensregeln von Bitcoin sind die gemeinsame Sprache, die alle Peers innerhalb des Netzwerks koordinieren, aber keine einzelne Partei diktiert die Regeln; jeder entscheidet sich freiwillig dafür. Wenn es einer einzelnen Partei oder einer zentralen Behörde möglich wäre, dem Netzwerk eine Änderung aufzuzwingen oder die Aktivitäten innerhalb des Netzwerks so zu beeinflussen, dass eine ansonsten gültige Transaktion ungültig würde, würde dies zeigen, dass das Netzwerk nicht ausreichend dezentralisiert ist, um Zensur zu verhindern.

Aber was ist mit den Kriminellen, und was hat das mit ihnen zu tun ?  Wenn es möglich wäre, kriminelle Aktivitäten innerhalb des Netzwerks zu zensieren, indem man entweder den Zugang zum Netzwerk verhindert oder verhindert, dass ansonsten gültige Transaktionen bestätigt werden, würde dies zeigen, dass das Netzwerk nicht ausreichend dezentralisiert ist, um Zensurresistenz zu gewährleisten. 

Das Bitcoin-Netzwerk weiss nichts über Kriminalität oder darüber, wer dies definiert. Es ist unabhängig sowohl moralisch als auch politisch. Alles, was Bitcoin (bei der Validierung von Transaktionen) kennt, sind seine Konsensregeln; es ist ein abgeschlossenes System. Eine Bitcoin-Transaktion ist gültig, wenn sie mit den Konsensregeln des gesamten Netzwerks übereinstimmt; wäre dies nicht der Fall, wäre alles dahin. Wenn kriminelle Aktivitäten zensiert werden könnten, wäre das der Beweis, dass jede Aktivität zensiert werden könnte. Doch damit ist es noch nicht getan. Wenn jede Aktivität innerhalb des Netzes zensiert werden könnte, wäre auch das Netz als Ganzes zensierbar. Durch den Nachweis, dass eine einzelne Transaktion verhindert oder zensiert werden könnte, würde nachgewiesen, dass auch die Konsensregeln des Netzwerks gefährdet wären.

Bitcoin kann nicht ein bisschen zensurresistent sein,
genau so wie man nicht ein bisschen schwanger sein kann.

Zensurresistenz ist ein Alles-oder-Nichts-Ansatz. Entweder er ist es oder er ist es nicht. Und wenn nicht, dann ist alles in Gefahr, auch die beschränkte Anzahl auf 21 Millionen Bitcoins. Diese Zahl und die Verlässlichkeit dieser Knappheit bestätigen auch jeden anderen wirtschaftlichen Anreiz, der es dem Bitcoin-Netzwerk ermöglicht, zu funktionieren und Werte zu akkumulieren, einschließlich des Mechanismus, durch den das Netzwerk zu einem Konsens kommt. Zu akzeptieren, dass das Bitcoin-Netzwerk immer bis zu einem gewissen Grad für illegale Zwecke genutzt werden wird, ist keine libertäre Gesinnung. Vielmehr ist es die Erkenntnis, dass Bitcoin als Währungssystem nur dann funktionstüchtig und lebensfähig ist, wenn es auch von wirklich allen genutzt werden kann. Wenn irgend jemand andere an der Nutzung des Netzwerks hindern könnte, sei es eine Einzelperson, eine Organisation oder ein Nationalstaat, wäre Bitcoin zum Scheitern verurteilt. 

Zensur innerhalb von Bitcoin auf der Protokollebene ist nicht das Äquivalent zu PayPal, das eine Person oder ein Unternehmen einfach aus dem Netz nimmt, noch ist es das Äquivalent zur Bank of America, die ein Girokonto schließt oder das Kreditkartenunternehmen Visa, das eine Transaktion nicht genehmigt. Bitcoin ist ein Währungsemittent und eine Abrechnungsebene. Jede Form der Zensur würde das System als Ganzes untergraben, weshalb die Aktivität, die am anfälligsten für Zensur ist, einen Lackmustest für den Rest des Netzwerks darstellt. Wenn es nicht möglich wäre, die am stärksten gefährdete Aktivität zu zensieren, würde dies die Zuverlässigkeit von Bitcoin in allen Fällen untermauern.

Bitcoin ist für alle da!

Letztendlich stellt Bitcoin einen technologischen Fortschritt im globalen Wettbewerb um das beste Geld dar; er ist der überlegene Nachfolger der bestehenden Fiat-Geldsysteme, auch wenn er heute nicht gut oder tiefgreifend verstanden wird. Und als Erweiterung einer Idee, die in Bitcoin kann nicht verboten werden diskutiert wurde, gibt jeder, der ein Verbot von Bitcoin fordert, weil er glaubt, dass es kriminelle Aktivitäten ermöglicht, gleichzeitig zu, dass Bitcoin als Währung funktioniert. Wenn Bitcoin also trotz aller Bemühungen einer mächtigen Regulierungsbehörde den Handel mit illegalen Aktivitäten erleichtert, kann er de facto auch jede andere Form des Handels erleichtern, auch für gesetzestreue Bürger und alle anderen Waren. Praktisch gesehen und in Anbetracht der Tatsache, dass Bitcoin eine endlich knappe Ressource ist, ist es nicht logisch, dass er auf das Dark Web beschränkt bliebe – und das ist er auch heute nicht mehr.

Der Wettbewerb um Bitcoin ist global. Mit der Zeit werden diejenigen, die den größten relativen Wert schaffen, den größten Anteil an Bitcoin anhäufen. Die Annahme, dass diejenigen, die in illegale Aktivitäten verwickelt sind, einen größeren Anteil an der künftigen Bitcoin-Wirtschaft haben werden als an der heutigen Dollar-Wirtschaft, ist nicht rational. Und die Forderung nach einem Verbot von Bitcoin ist in etwa so, als hätte man Angst vor seinem eigenen Schatten. Es wäre nicht nur nicht durchsetzbar, sondern die Aktivitäten, die durch ein solches Verbot verhindert werden sollen, werden heute in weitaus größerem Umfang durch den Dollar ermöglicht. Es wäre vielmehr so, als würde man das Kind mit dem Bade ausschütten. Wir akzeptieren das Gute aber auch das Schlechte – und erkennen an, dass wir aufgrund der Natur von Bitcoin nicht die Möglichkeit haben, hierzwischen zu unterscheiden. Es gibt immer Kompromisse, und in diesem Fall ist die Tatsache, dass Bitcoin unvermeidlich auch für illegale Zwecke verwendet werden wird, der Kompromiss, den wir gerne im Austausch für die wirtschaftliche Stabilität akzeptieren, die eine unmanipulierbare globale Währung bieten wird. Wie bei jeder Technologie wird der Wert des Bitcoins denjenigen zugute kommen, die ihn in seiner reinsten und besten Form nutzen, eine Funktion, die nur der Markt bestimmen kann. Der Nettonutzen wird kein Nullsummenspiel, so wie das Internet nicht für Drogendealer und Terroristen gedacht ist, ist Bitcoin nicht für Kriminelle gedacht. Er ist schlichtweg für alle da.

“Es ist wichtiger, die Unschuldigen zu schützen, als die Schuldigen zu bestrafen, denn Schuld und Verbrechen sind in dieser Welt so häufig und unterschiedlich bewertet, dass sie nicht alle nach einem gemeinsamen Konsens bestraft werden können. Wenn aber die reine Unschuld selbst vor Gericht stünde und verurteilt würde, vielleicht sogar zum Tode, dann wird der Bürger sagen: ‘Ob ich Gutes oder Böses im Sinn hatte spielt keine Rolle, Unschuld schützt vor Strafe nicht’, und wenn sich ein solcher Gedanke in den Köpfen der Bürger festsetzt, dann wäre das das Ende jeglicher Sicherheit.”

John Adams

“Regiere weise und so wenig wie möglich.”

Sam Houston

Ein letzter Gedanke (in Anlehnung an @martybent): Die Geschichte wird auf Ross Ulbricht, den Gründer der Plattform Silk Road, weitaus positiver zurückblicken als auf die Zentralbanker. Nicht wegen der Drogen, sondern wegen Bitcoin.


Dies ist ein Gastbeitrag von Parker Lewis von Unchained Capital. Die geäußerten Meinungen sind ausschließlich seine eigenen und spiegeln nicht notwendigerweise die von Aprycot Media wider.

Die anderen Artikel dieser Serie findest du in unserer Mediathek unter Gradually, Then Suddenly.

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