Es kann nur Einen geben

Aus dem Original „There Can Be Only One“ vom 18.06.2019 von Tamas Blummer Bitcoin-Entwickler seit 2012, vorher: CLA @ Digital Asset Holdings, VP @ CoinTerra, CEO @ Bits of Proof, Ingenieur, Financial Risk Manager, verstorben 2020. Übersetzt von Michael Ep & janpaul.


Der Netzwerkeffekt ist ein relativ schwaches Argument für den Wert von Bitcoin. Es gibt ein stärkeres: Es kann nur eine einzige Definition von rechenbasierter Zeit geben.

Ein Argument gegen den Wert von Bitcoin ist, dass alternative Kryptowährungen, auch „Shitcoins“ genannt, innerhalb ihres eigenen Netzwerks dieselbe digitale Knappheit aufweisen. Viele der selbsternannten Experten addieren die Marktkapitalisierung von Bitcoin auf die der Shitcoins auf, um eine Marktkapitalisierung von „Krypto“ zu erhalten.

So denken manche, dass die Existenz von Shitcoins der Knappheit von Bitcoin trotze. Sie legen dar, dass Bitcoin kopiert werden und beliebig vervielfacht werden könne und folglich Bitcoin und jegliches Kryptogeld wertlos sei.

Es ist sinnlos, mit dem Netzwerkeffekt von Bitcoin dagegen zu argumentieren, da die Frage nicht ist, ob Bitcoin durch eine bessere Version von sich selbst ersetzt werden könnte. Die eigentliche Frage ist, ob Knappheit überhaupt erzielt werden kann durch ein Design, das vergleichbar ist mit Bitcoin.

Vergleichbar mit Bitcoin?

Ein Shitcoin kann aus vielerlei Gründen als ähnlich zu Bitcoin angesehen werden. Einige halten ZuckBuck (Facebooks sog. Kryptowährung Libra) für ähnlich, weil … was auch immer.

Die Vergleichbarkeit, die wirklich zählt, ist der Mechanismus, der Knappheit erzielt. Der Mechanismus bei Bitcoin heißt Nakamoto-Konsens, der auf dem Beweis von Arbeit (Proof-of-Work, POW) beruht.

Viele Shitcoins experimentieren mit alternativen Konsens-Algorithmen wie BFT, POS, POET, Governance oder einer beliebigen Kombination daraus. Der Nachweis von Arbeit ist letztendlich durch die Physik und die zu Verfügung stehenden Ressourcen begrenzt. Jene Alternativen zu POW sind zwingend auf zusätzlichen Annahmen angewiesen, weshalb die Knappheit, die sie erzielen, von geringerer Zuverlässigkeit und Qualität ist.

Wir werden schon bald sehen können, ob die Qualität der von Zuck (Mark Zuckerberg) angebotenen Knappheit von den Menschen als ausreichend angesehen wird, und ob ZuckBuck daher ein “Flippening” gegen Fiat schafft. Ob es also tatsächlich für das Kaufen von Likes oder In-App-Gadgets in Facebook und seinen Apps verwendet wird

Unser Streben gilt jedoch nicht der Suche nach einer Knappheit, die gerade gut genug ist für nur manche Anwendungsfälle, sondern der Suche nach der ultimativen digitalen Knappheit, die den höchsten Wert erzielen wird.

Der Nachweis von Arbeit

Verschiedene Ausprägungen von Knappheit sind uns bereits heute bekannt. Es gibt geringere Garantien für die Knappheit von Fiat als für die von Gold. Das marginale Angebot an Fiat ändert sich ganz nach dem Willen der Bürokraten, das Angebot an Gold ist durch seine natürlichen Reserven und die darin investierte Arbeit begrenzt.

Ein möglicher Einwand gegen einen Goldstandard könnte folgendermaßen ausgedrückt werden: Andere Edelmetalle weisen doch sehr ähnliche physikalische Eigenschaften auf, daher sind sie so gut wie Gold, und deshalb ist das Angebot an „hartem Geld“ nicht auf das Angebot von Gold beschränkt.

Man muss sich jedoch klar vor Augen führen, dass die Welt lange auf einem Goldstandard operierte und eben nicht auf einem Edelmetall-Standard. Alle, die einen Silber-Standard befürworteten, mussten im Konsolidierungsprozess hohe Verluste hinnehmen.

Obwohl mehrere Edelmetalle aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften in Frage kämen und das Angebot an Edelmetallen durch Arbeit beschränkt ist, so scheint es doch, dass nur eines sich als Standard für einen Wertspeicher durchsetzte.

Knappheit durch POW

Es gibt eine bemerkenswerte Parallele zwischen der Arbeit in Goldminen und in Bitcoin-Minen. Das resultierende Produkt beweist die geleistete Arbeit. POW gibt es aber nicht nur bei Bitcoin. POW wird von unzähligen Shitcoins genutzt. Untergraben also Shitcoins, die auch POW verwenden, die digitale Knappheit?Digitale, auf POW basierende Knappheit meint nicht, dass der Bitcoin, wie wir ihn heute kennen, der einzige Auserwählte werden wird. Gemeint ist, dass nur ein POW-Coin allseits nachgefragt werden wird. Genauso wie es nur einen Highlander, einen unsterblichen Schwertkämpfer, geben kann.

POW-Standard oder Bitcoin-Standard?

Um seinen Emissionsplan einzuhalten, benötigt Bitcoin den Beweis, dass der Miner eine Zeitspanne (die erwarteten 10 Minuten) aktiv gewartet hat (busy-wait), bevor er einen neuen Block produziert hat. Der Beweis wird durch das Ergebnis eines Rechenvorgangs erbracht.

Alternative Wartezeit-Beweise, wie POET, vorgeschlagen z.B. von Intel, liefern auch Knappheit, sind aber von minderer Qualität. POW dagegen macht keine Kompromisse. POW ist eine Methode, um Zeit mit einem Rechenvorgang zu messen.

Die auf Zeitstempeln basierenden Schwierigkeitsanpassungen (Difficulty Adjustments) sind nur dazu da, um periodisch Messfehler auszugleichen. Das eigentliche Werkzeug der Zeitmessung ist der Rechenvorgang selbst.

Zeitmessung durch einen Rechenvorgang ist nur dann verlässlich, wenn der ausgeführte Rechenvorgang nicht reduzierbar ist und alle Ressourcen, die zur Berechnung fähig sind, auch dieser Aufgabe zugeteilt wurden.

Wenn man alle für den Rechenvorgang verfügbaren Ressourcen auf miteinander konkurrierende Timechains aufteilt, werden diese Timechains nicht dieselbe Zuverlässigkeit erreichen wie diejenige Timechain, die alle Ressourcen auf sich vereint. Der Bitcoin-Standard entsteht also als Folge des Strebens nach der Timechain mit der besten Qualität.

Ich erwarte daher auf lange Sicht eine Konvergenz zu einer einzigen Timechain, die wahrscheinlich ein Nachkomme des Bitcoins sein wird, wie wir ihn heute kennen.

An nicht-reduzierbaren Rechenvorgängen gibt es eine große Auswahl, der double-SHA256 von Bitcoin ist bei Weitem nicht der einzige. Siehe midstate oder ASICBoost. Eine bessere Timechain hätte eine simplere POW-Methode, die nachweislich nicht weiter reduzierbar ist. Eine, die auf der einfachsten Maschine ausgewertet werden kann, zum Beispiel einem zellularen Automaten wie NKS, um jede Möglichkeit einer Abkürzung auszuschließen. Eine Timechain mit solch einem POW würde uns die präziseste Messung von rechenbasierter Zeit geben.