Bitcoin ist kein Eigentum

Aus dem Original „Bitcoin is a possession, not propertyvon Leon Wankum, erschienen am 2. Oktober 2023 auf Bitcoin Magazine.



Die Natur von Bitcoin als digitaler Vermögenswert macht es unmöglich, ihn in den Eigentumsbegriff, wie wir ihn kennen, einzufügen. Man kann zwar im Besitz von Bitcoin sein, aber Bitcoin ist kein Eigentum im herkömmlichen Sinne.

Einleitung

Eigentum entsteht auf natürliche Weise, durch Arbeit (Umwandlung von Materie) und durch den friedlichen Austausch von Individuen. Es handelt sich um ein grundlegendes Konzept, welches menschliches Handeln ermöglicht, indem es dem Einzelnen ermöglicht, Bedürfnisse zu befriedigen und mit Unsicherheit umzugehen. Dies führt dazu, das Ressourcen am effizientesten genutzt werden, da die Eigentümer dieser Ressourcen ein starkes Interesse daran haben. Im Gegensatz dazu kann die Notwendigkeit einer rechtlichen Definition von Eigentum durch eine zentrale Behörde wie den Staat dazu führen, das Ressourcen von Einzelpersonen kontrolliert werden, die kein starkes Interesse daran haben, sie effektiv zu nutzen. Dies kann zu Ineffizienzen und Missbrauch führen, wie wir weltweit beobachten können.

“Die menschliche Wirtschaft und das Eigentum haben einen gemeinsamen wirtschaftlichen Ursprung, denn beide haben ihren letzten Grund darin, das es Güter gibt, deren verfügbare Quantität geringer ist, als der Bedarf der Menschen, und ist das Eigentum somit, gleich wie die Wirtschaft der Menschen, keine willkürliche Erfindung, sondern vielmehr die einzig mögliche praktische Lösung jenes Problems, das uns die Natur der Dinge, das obige Missverhältnis zwischen Bedarf und verfügbarer Gütermenge, bei allen wirtschaftlichen Gütern aufdrängt.“ 

(C. Menger, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, S. 56)

Digitales Eigentum ?!

Bei der Erörterung der Natur von Bitcoin ist es wichtig, sich mit der Einstufung als Eigentum zu befassen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Vermögenswerten kann Bitcoin als digitaler Vermögenswert nicht als Eigentum eingestuft werden, da digitales „Eigentum“ ein Konzept ist, das sich paradoxerweise selbst ausschließt. Digitale „Dinge“ existieren nicht, sie sind Informationen. Deshalb kann man das „Ding“ selbst nie besitzen. Während man im Besitz von Bitcoin sein und die vollständige Kontrolle darüber haben kann, indem man die Kontrolle über den privaten Schlüssel oder Seed hat, der die Initiierung von Bitcoin-Transaktionen ermöglicht, ist Bitcoin kein Eigentum. Besitz ist kein Eigentum und umgekehrt. 

In der Politik- und Rechtsphilosophie wird zwischen Besitz (Kontrolle), welches Ludwig von Mises „katallaktisches“ oder „soziologisches Eigentum“ nennt, und Eigentum, einem normativen Konzept, das Mises „juristisches Eigentum“ nennt, unterschieden. Ein Begriff ist sachlich und der andere ist normativ. Darüber hinaus erschwert die digitale Natur von Bitcoin die Definition von Eigentum, wenn mehrere Personen denselben Seed besitzen. In solchen Fällen ist ein rechtlicher Rahmen erforderlich, um das Eigentum zu definieren, was die Notwendigkeit einer Neubewertung des Begriffs des digitalen Eigentums unterstreicht. 

Bitcoin: Ein Paradigma der digitalen Souveränität

Eigentum ist grundsätzlich ein Konstrukt der physischen Welt und kann nicht digital kopiert werden. Die Bedeutung von Bitcoin liegt darin, ein Paradigma der digitalen Selbst-Souveränität zu etablieren, das nicht auf zentrale Instanzen oder Rechtssysteme angewiesen ist. Im Mittelpunkt steht die kryptografische Kontrolle. Dies bietet Schutz vor Eingriffen in die Privatsphäre und gewährleistet den Schutz der individuellen Freiheit. Bei der Lagerung der Zugangschlüssel im Cold-Storage (offline) gehören die Bitcoin allein dem Inhaber und unterliegen nicht der Gefahr einer Beschlagnahmung oder Inflation durch Dritte. Darüber hinaus gibt es wenig, was jemanden davon abhalten kann, Bitcoin zu verkaufen oder zu bewegen.

Satoshi Nakamoto erklärt Bitcoin bei 0,07 $, vor genau 13 Jahren.

‌‌Bitcoin: Ein mobiler Wertspeicher

Die Mobilität von Bitcoin unterscheidet ihn von physischen Vermögenswerten wie Gold, Immobilien oder Kunst. Während physische Vermögenswerte leicht beschlagnahmt, zerstört oder besteuert werden können, ist Bitcoin aufgrund seiner digitalen Natur äußerst mobil. In Zeiten von Konflikten oder Flucht können Bitcoin-Inhaber mit ihrem Vermögen sicher umziehen, indem sie sich eine Seed-Phrase merken. Diese Mobilität ermöglicht es Einzelpersonen, den Schwachstellen des rechtlichen Eigentumsbegriffs zu entkommen und ihr Vermögen zu schützen. Bitcoin ist frei zugänglich und resistent gegen Zensur.

Aufgrund seiner Überlegenheit als Wertspeicher hat Bitcoin das Potenzial, einen erheblichen Teil der monetären Prämie zu absorbieren, die verschiedene Formen knapper Güter in den letzten Jahrzehnten unter einem inflationären Geldsystem angesammelt haben. Dies gilt insbesondere für Immobilien, da sie zum meistgenutzten Wertspeicher unter dem Fiat-System geworden sind. Rund 67 % des weltweiten Vermögens (≈330 Billionen US-Dollar) sind heute in Immobilien gespeichert. Ein erheblicher Teil davon dürfte im Laufe der Zeit in Bitcoin fließen.‌

Die Knappheit von Bitcoin

Die einzigartige Eigenschaft von Bitcoin, knapp zu sein, unterscheidet ihn von anderen Vermögenswerten. Neues Bauland kann erschlossen werden, neue Gesetze ermöglichen in Zukunft möglicherweise mehr Bauraum. Ein lebender Künstler kann mehr Kunst schaffen. Die Goldproduktion kann steigen, wenn die Nachfrage steigt, und es kann jederzeit neues Gold entdeckt werden. Auf der Erde und im Weltraum. Die Knappheit von Bitcoin ist jedoch unveränderlich. Der endliche Vorrat von 21.000.000 ist im Protokoll fest codiert. Die Transparenz des Open-Source-Codes gewährleistet die Überprüfbarkeit und stärkt den Status von Bitcoin als knappes digitales Gut.

Zusammenfassung

Bitcoin schafft ein Paradigma der digitalen Selbst-Souveränität und gibt Einzelpersonen die volle Kontrolle über ihr Vermögen. Seine inhärenten Eigenschaften, darunter Mobilität, Knappheit und kryptografische Kontrolle, machen Bitcoin zu einem hervorragenden Wertspeicher. Dies bietet ein neues Paradigma, welches mit den libertären Prinzipien der Österreichischen Schule der Ökonomie übereinstimmt. Während sich Gesellschaften in einer sich entwickelnden Wirtschaftslandschaft bewegen, wird die Rolle von Bitcoin bei der Sicherung der Produktivität und der Förderung der individuellen Freiheit immer wichtiger.

Die Fähigkeit, Werte getrennt von der physischen Welt aufzubewahren, ist ebenso wichtig wie die Trennung von Geld und Staat, denn sie garantiert jedem Menschen auf der Welt mit Internetzugang die Möglichkeit, Vermögen aufzubauen und zu schützen, was eine der wichtigsten Grundlagen für ein freies und selbstbestimmtes Leben ist.

Bitcoin kann nicht willkürlich geschaffen oder leicht mit Gewalt genommen werden, sondern durch Arbeitsnachweise (Proof-Of-Work) und Kooperation. Dies schafft die Grundlage für ein friedliches Zusammenleben und eine effiziente Ressourcenallokation zwischen den Marktteilnehmern.

Ich möchte Scala für sein wertvolles Feedback zu diesem Artikel sowie R0ckstar und Erik Cason für die Inspiration und unsere Gespräche über Bitcoin, Eigentum, Krypto-Souveränität und Immobilien danken.


Dies ist ein Gastbeitrag von Leon Wankum, welcher zuerst in englischer Sprache beim Bitcoin Magazine erschienen ist. Die geäußerten Meinungen sind ausschließlich seine eigenen und spiegeln nicht notwendigerweise die von Aprycot Media wider.

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