7 – Fazit und Anhänge

Abschnitt 7 von Nur die Stärksten überleben, aus dem Original „Only the strong survive“ von Allen Farringtonund BigAL, erschienen am 19.09.2021 auf seiner Webseite. Übersetzt von BitBoxer, Lektorat durch Juniormind.


Fazit – Wie es weitergeht

Nicht das, was wir wissen, bringt uns zu Fall, sondern das, was wir fälschlicherweise zu wissen glauben.

Mark Twain über “Krypto”

Alles oben genannte ist das, was wir als professionelle Kapital-Allokatoren und Technologie-Enthusiasten glauben. Um einen wunderbaren Spruch von Alyse Killeen aus dem oben erwähnten Odd Lots-Podcast zu zitieren: Wir sind keine Bitcoin-Maximalisten, wie es angesichts dieses Artikels naheliegend erscheinen mag; wir sind Sound-Tech-Maximalisten. Wir könnten sogar noch frecher sein und sagen, dass wir Maximalisten für intellektuelle Ehrlichkeit und Verantwortung sind – was wiederum unsere Faszination für Bitcoin erklärt.

Außerdem gibt es neben Bitcoin noch viele andere Technologien, an denen wir intellektuell interessiert sind und für die wir ernsthaft in Erwägung ziehen würden, Kapital zu investieren, vorausgesetzt, es gibt einen soliden Geschäftsplan, ein vertrauenswürdiges Managementteam, eine realistische Einschätzung der technologischen und wettbewerbsorientierten Landschaft und so weiter und so fort.

Doch lassen wir es vorerst bei folgenden Gedanken bewenden: Wir sind von Bitcoin begeistert. Aber Krypto? Nicht so sehr.

Vielen Dank an Muneeb Ali, Andrew Bailey, Dhruv Bansal, Ben Carman, Tuur Demeester, Ryan Gentry, Gigi, Joe Kelly, Alyse Killeen, Cory Klippsten, Theo Mogenet, Samson Mow, John Pfeffer, Balaji Srinivasan, Elizabeth Stark, Alex Thorn, Robert Wilson, Reuben Youngblom und Giacomo Zucco für die Korrekturen und Beiträge.

Es versteht sich von selbst, dass nicht alle oben genannten Personen mit allen oder einigen unserer Thesen oder Schlussfolgerungen einverstanden sind. Einige sind sogar leidenschaftlich anderer Meinung, und in diesen Fällen schätzen wir ihren Beitrag umso mehr. Mehrere Autoren zogen es auch vor, anonym zu bleiben.


Anhang A: Gemeinsame Ressourcen

Kurze Zusammenfassung:

In Anhang A argumentieren wir, dass alle „Krypto-Vermögenswerte“, einschließlich Bitcoin, richtig als „gemeinsame Ressourcen oder Allmende“ verstanden werden, im Gegensatz zu zum Beispiel öffentlichen Gütern. Wir argumentieren dann, dass laut der wohl angesehensten Analyse solcher Entitäten die Governance-Merkmale von Bitcoin hervorragend sind, während die typischen Merkmale von Kryptowährungen schlecht sind.

Eine alternative Rechtfertigung für das Brechen der Innovationen in Bitcoin wird oft wie folgt angeführt:

Obwohl Kryptowährungen zugegebenermaßen einige technische Mängel aufweisen, sollten wir in den sauren Apfel beißen und uns stattdessen auf ihre Governance-Tugenden besinnen. Vor diesem Hintergrund sind die Nettofehler von Bitcoin sogar noch größer, da Bitcoin effektiv privatisiert, was eigentlich ein öffentliches Gut sein sollte, was zu einer inakzeptablen Governance führt.

Unserer Meinung nach ist diese Analyse schwach und zeigt einen anderen Weg der Analyse der Überlegenheit von Bitcoins Design, Ökosystem und Gemeinschaft.

Ist Bitcoin ein öffentliches Gut? Sind Krypto-Token? Ist es Geld?

Bitcoiner mögen sich über diese Frage lustig machen und sich fragen, ob wir das moderne Monopoly-Geld Kool-Aid getrunken haben. Sicherlich ist Geld Privateigentum? Aber die Frage ist eine Überlegung wert, und sei es nur, um sie mit einem klaren Nein zu beantworten. Wie George Selgin in der Antwort auf eine Aussage der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bemerkte, die anscheinend der Meinung ist, dass die Antwort “ja” lautet:

„Das Argument, dass Geld ein ‚öffentliches Gut‘ sei, ist eine von vielen unbegründeten Behauptungen, die als ‚Debatten-Stopper‘ dienen: Mit diesen magischen Worten hoffen Experten zu vermeiden, dass sie ansonsten das staatliche Geldmonopol verteidigen müssen.“

In ihrem Klassiker der politischen Philosophie, Governing The Commons, liefert die Trägerin des Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften Elinor Ostrom eine rigorose Analyse dessen, was sie als gemeinsame Ressourcen oder Allmende bezeichnet, und des „Problems“ der Regelung ihrer Nutzung. Um es ganz klar zu sagen: Wir betrachten das Folgende als eine interessante analytische Übung und nicht als ein Instrument, um eine Denkrichtung in unsere Diskussion einzubringen, die sich subtil gegen das Privateigentum richtet. Selbst der Titel von Ostroms Buch ist in dieser Hinsicht potenziell irreführend; mit „regieren“ meint sie eher so etwas wie „Entscheidungsfindung in Bezug auf“ und nicht „Durchsetzung einer beschlossenen Regel“, wie die verwandten Begriffe von „regieren“ leider nahelegen könnten. Dies wäre eine besonders unpassende Lesart, wenn man bedenkt, dass ihre These – die hier so knapp dargestellt wird, dass sie ihr absolut nicht gerecht wird – darin besteht, dass es eine große Bandbreite von Problemen mit gemeinsamen Ressourcen gibt, die theoretisch und in der Praxis besser ohne staatliches Eingreifen und sogar ohne Gewalt jeglicher Art gelöst werden können, sondern eher mit effektiv etablierten Gemeinschaften, Beziehungen und Anreizen. Außerdem haben sich diese Probleme oft durch staatliche Eingriffe verschlimmert, die von einer Behörde ausgeübt wurden, die mit den im Wesentlichen lokalen Problemen nichts zu tun hat. Unter solchen Umständen ist es typisch, dass die Behörde (Regierung oder andere) genau solche alternativen und wahrscheinlich bereits existierenden Methoden zur Verwaltung der gemeinsamen Ressourcen arrogant ignoriert oder vielleicht sogar völlig unwissend ist.

Auf der allerletzten Seite des Buches beklagt Ostrom, was ihrer Meinung nach der Standardinstinkt ihrer akademischen Kollegen ist, die bei jedem kollektiven Handlungsproblem zuerst und oft nur an eine staatliche Lösung denken. Sie schreibt:

„Die Modelle, die Sozialwissenschaftler in der Regel zur Analyse von Problemen mit den gemeinsamen Ressourcen verwenden, haben den perversen Effekt, dass sie eine stärkere Zentralisierung der politischen Autorität unterstützen.

Erstens werden die Individuen, die gemeinsame Ressourcen nutzen, so betrachtet, als ob sie nur zu kurzfristiger Maximierung fähig wären, aber nicht zu langfristigen Überlegungen über gemeinsame Strategien zur Verbesserung der gemeinsamen Ergebnisse.

Zweitens werden diese Personen so angesehen, als ob sie in einer Falle sitzen und nicht ohne eine externe Autorität, die eine Lösung vorgibt, herauskommen können.

Drittens werden die Institutionen, die der Einzelne möglicherweise geschaffen hat, ignoriert oder als ineffizient abgelehnt, ohne zu untersuchen, wie diese Institutionen dazu beitragen können, Informationen zu beschaffen, Überwachungs- und Durchsetzungskosten zu verringern und Aneignungsrechte und Bereitstellungspflichten gerecht zu verteilen.

Viertens basieren die Lösungen, die ‚die‘ Regierung auferlegen soll, selbst auf Modellen idealisierter Märkte oder idealisierter Staaten.

Wir in den Sozialwissenschaften stehen bei der Analyse von Problemen mit gemeinsamen Ressourcen vor einer ebenso großen Herausforderung wie die Menschen, die in ihrem täglichen Leben um Wege zur Vermeidung von Problemen mit gemeinsamen Ressourcen ringen.“

Mit dieser kritischen Klärung im Hinterkopf stellt sich die Frage, in welchem Sinne Geld eine gemeinsame Ressource sein könnte. Es ist wahrscheinlich aufschlussreich, sich klarer darüber zu werden, wie exakt Ostrom eine gemeinsame Ressource definiert und wie sie sie von einem „öffentlichen Gut“ unterscheidet, das zuvor von Mancur Olson in The Logic of Collective Action kanonisch behandelt wurde. Ostrom schreibt:

„Die relativ hohen Kosten des physischen Ausschlusses von Mitnutzern von der Ressource oder von Verbesserungen des Ressourcensystems sind ähnlich hoch wie die Kosten des Ausschlusses potenzieller Nutznießer von öffentlichen Gütern. Diese gemeinsame Eigenschaft ist für die stets vorhandene Versuchung des Trittbrettfahrens verantwortlich, die sowohl im Hinblick auf die gemeinsame Ressource als auch auf öffentliche Güter besteht. Ebenso groß ist die Versuchung, nicht zur Bereitstellung öffentlicher Sicherheit oder von Wettervorhersagen beizutragen. Theoretische Aussagen, die sich allein aus der Schwierigkeit des Ausschlusses ergeben, gelten sowohl für die Bereitstellung von gemeinsamen Ressourcen als auch von Kollektivgütern.

Die Nutzung einer Wettervorhersage durch den Einzelnen schmälert jedoch nicht die Verfügbarkeit dieser Vorhersage für andere, ebenso wenig wie der Konsum der öffentlichen Sicherheit durch den Einzelnen das allgemeine Sicherheitsniveau in einer Gemeinschaft verringert. ‚Überfüllungseffekte‘ und Probleme der ‚Überbeanspruchung‘ sind bei der gemeinsamen Ressource chronisch, bei reinen öffentlichen Gütern jedoch nicht vorhanden. Die Subtrahierbarkeit der Ressourceneinheiten führt dazu, dass man sich der Grenze der Anzahl der von einer gemeinsamen Ressource produzierten Ressourceneinheiten nähern kann. Handelt es sich bei der gemeinsamen Ressource um ein vom Menschen geschaffenes Bauwerk, wie zum Beispiel eine Brücke, führt das Erreichen der Grenze der überquerbaren Einheiten zu einer Überlastung. Handelt es sich bei der gemeinsamen Ressource um eine biologische Ressource, wie zum Beispiel eine Fischerei oder einen Wald, kann das Erreichen der Grenze der Ressourceneinheiten nicht nur zu kurzfristigen Überlastungseffekten führen, sondern auch die Fähigkeit der Ressource selbst zerstören, weiterhin Ressourceneinheiten zu produzieren. Auch eine physische Ressource, zum Beispiel eine Brücke, kann durch eine stärkere Nutzung als in ihren technischen Spezifikationen vorgesehen zerstört werden.“

Dies kann wiederum gefährlich werden, wenn man bedenkt, was wirklich und eindeutig Privateigentum ist und was nicht, daher der oben zitierte wichtige Vorbehalt. Wir sind jedoch der Meinung, dass eine pragmatischere Analyse des „Geldes“ uns dazu zwingt, über das hinauszugehen, was wir als seine „idealen Qualitäten“ bezeichnen könnten, und zu erkennen, dass Geld seit jeher sowohl Privateigentum und von dem “subtraktiven” Verhalten anderer betroffen ist, die sich auf eine Art und Weise austoben, die den Wohlerzogenen klar schadet. Um alle Zweifel an der Stichhaltigkeit dieser Argumentation auszuräumen, sei auf Mises’ Satz in seinem prägnanten Traktat über die „Umlauf-Geschwindigkeit“ verwiesen: „Geld ist natürlich eine soziale Einrichtung.“ Privateigentum ist es nicht: Es ist wohl eine anti-soziale Institution. Es existiert im Naturzustand so eindeutig, dass eine Abgrenzung überflüssig ist, und wird von der Gesellschaft nur potenziell beeinträchtigt und das Bedürfnis nach zwischenmenschlichen Kompromissen, das die Gesellschaft in die menschlichen Angelegenheiten einbringt. „Geld im Naturzustand“ ist dagegen völlig unsinnig.

Lawrence White hat dem entgegengehalten, dass es sich bei Geldguthaben nicht um eine gemeinsame Ressource handelt, da Alice Bobs Guthaben nicht ausgeben kann und umgekehrt, es sei denn, es liegt eine unbestreitbare Aneignung vor. Wir stimmen dem zu und glauben sogar, dass diese Klarstellung unsere eigene Behauptung untermauert. Geldguthaben sind Privateigentum, aber die Institution des Geldes ist eine gemeinsame Ressource, und zwar auf die gleiche Weise, wie ein Fischbestand eine gemeinsame Ressource sein kann, auch wenn die von den Fischern gefangenen Fische eindeutig Privateigentum geworden sind.

Wir sehen keinen Grund, „Erschöpfung“ nur wörtlich zu nehmen. Wir meinen damit nicht, dass physische Münzen oder Banknoten an Wert verlieren, was in diesem Fall ironischerweise den gegenteiligen Effekt auf den Wert der gemeinsamen Ressource haben würde. Wir meinen, dass der Nutzen der Institution mit der Inflation abnimmt. Und warum kümmern wir uns um Fischbestände und deren mögliche Erschöpfung, wenn nicht wegen des wirtschaftlichen Nutzens von Fisch? Wir sind keine Peskaphile. Zumindest im Rahmen dieser Diskussion geht es uns nicht um den spirituellen Wert und die Schönheit von Fischen in freier Wildbahn. Uns geht es um die Dezimierung der Fischbestände aufgrund des wirtschaftlichen Kalküls handelnder und interagierender Menschen, nicht um den zufälligen Vandalismus marodierender Peskaphobiker. Wenn es keinen Anreiz gäbe, die Fischbestände durch Fischfang zu dezimieren, wäre es nicht nötig, sie als gemeinsame Ressource einzustufen, die einer wirksamen Verwaltung bedarf.

Was ist Seigniorage, wenn nicht die Ausbeutung einer gemeinsamen Ressource durch einen ruchlosen „Crowder“? Was ist Goldschürfen, wenn nicht eine weniger ruchlose und zugegebenermaßen kostspielige Tätigkeit (also auch nicht gerade „Trittbrettfahren“), aber nichtsdestoweniger eine erschöpfende Interaktion mit einer gemeinsamen Ressource? Und was ist diese gemeinsame Ressource, wenn nicht etwas, das letztlich psychologisch ist und auf dem subjektiven Wert beruht? Ist dies nicht genau der Punkt, auf den Mises oben hingewiesen hat? Geld sind nicht die Münzen oder die Guthaben oder sogar die UTXOs, sondern der Konsens über wirtschaftliches Verhalten und die Realität, die diese „Token“ erfassen. Wir halten es weder für eine philosophische Überspitzung noch für ein autoritäres Hintertürchen zu sagen, dass Geld als Institution buchstäblich eine gemeinsame Ressource ist, und dass das, was Geld ist oder sein sollte, daher ein Problem der gemeinsamen Ressource ist. Es könnte das wichtigste Problem der gemeinsamen Ressourcen sein; daher ist Bitcoin die wichtigste Lösung und damit auch die wichtigste Technologie für die Verwaltung einer gemeinsamen Ressource.

Damit unterscheidet sich Geld eindeutig von einem weitaus prosaischeren privaten Gut wie beispielsweise einer Tasse. Wenn Alice Bobs Tasse benutzt, hindert sie Bob eindeutig daran, das Gleiche zu tun. Das Gut ist rivalisierend. Bob kann Alice daran hindern, seine Tasse zu benutzen, indem er sie stiehlt, zerbricht und so weiter (und damit eine unerlaubte Handlung begeht). Geld befindet sich jedoch in einem nebulösen Zwischenbereich zwischen eindeutig rivalisierend und nicht rivalisierend: Wenn Alice ihr eigenes Geld druckt, ist Bob wahrscheinlich nicht schlauer, da Alice seine Münzen nicht gestohlen hat, und es gibt eindeutig keinen Vergleich zu Alice, die Bobs Becher druckt. Und dennoch ist Bobs Geld in negativer und extraktiver Weise betroffen, denn es kommt nicht auf die Münzen an, sondern auf den Konsens, den die Münzen darstellen. Das bedeutet natürlich, dass Geld als Institution kein privates Gut ist, sondern eine gemeinsame Ressource.

Großartig. Und nun?

In „Governing the Commons“ hat Ostrom acht „Gestaltungsprinzipien“ für die Analyse der Governance-Vorteile von gemeinsamen Ressourcen festgelegt. Im Folgenden gehen wir sie einzeln durch und geben gelegentlich einen Kommentar zur Anwendbarkeit des Prinzips in diesem Bereich ab, wobei wir den Fall von Bitcoin und Altcoins bewerten. Anstatt Altcoins als homogen zu behandeln, da sie in einer Vielzahl von Formen vorkommen, dachten wir, dass eine Betrachtung von Ethereum am sinnvollsten wäre. Der Leser sollte jedoch im Hinterkopf behalten, dass das meiste, was wir über Ethereum sagen, wahrscheinlich für alle Krypto, ausgenommen Bitcoin zutrifft – nur nicht für alle.

I – Die Personen, die das Recht haben, Ressourceneinheiten aus der gemeinsamen Ressource zu entnehmen, müssen klar definiert werden, ebenso wie die Grenzen der gemeinsamen Ressource selbst.

Hier liegt eine latente Zweideutigkeit vor, da Ostrom nicht mit einer gemeinsamen Ressource rechnete, die unterschiedliche Arten der „Nutzung“ einerseits und der „Erschöpfung“ andererseits zulässt: Sie ging davon aus, dass diese dasselbe bedeuten. In unserem Fall bedeutet „Nutzung“ das, wonach es klingt, während „Erschöpfung“ eine Token-Inflation bedeutet. In diesem Punkt gehen wir auf beides ein und beantworten die Frage: Sind die Rechte klar definiert? – In späteren Punkten wird jedoch darauf hingewiesen, dass mit der von ihr später eingeführten Terminologie der „Aneigner“ eigentlich nur die „symbolische Inflation“ gemeint ist.

Nutzung

Bitcoin:Ja, ungültig signierte Transaktionen werden garantiert zurückgewiesen (Integritätssicherung), und gültig signierte Transaktionen werden mit überwältigender Wahrscheinlichkeit akzeptiert (zensurresistenz), es sei denn, Miner versuchen zu zensieren, was mit überwältigender Wahrscheinlichkeit langfristig scheitern wird.

Ethereum: weitgehend, ja. Aber nicht “eindeutig ja”, denn es gibt ständige Aktualisierungen des Protokolls, die die Nutzer nicht ablehnen können, sowie einen negativen Präzedenzfall bei der Hard Fork nach dem DAO-Hack, der, wenn er sich wiederholt, diesen Punkt weiter infrage stellen würde.

Inflation

Bitcoin: Ja, der Zeitplan für die Blocksubventionierung ist transparent und es ist sehr unwahrscheinlich, dass er jemals geändert wird.

Ethereum: Weitgehend ja, aber auch hier gibt es einige Vorbehalte. Auch hier sind derzeit Änderungen im Gange, die den Inflationsplan ändern werden, und es wird kritisiert, dass das aktuelle Angebot unverhältnismäßig schwer zu verifizieren ist.

II – Übereinstimmung zwischen Anwendungs- und Rückstellungsregeln und örtlichen Gegebenheiten

Ostroms ursprünglicher Punkt war, dass wir immer eine lokal begrenzte und daher flexible Denkweise einnehmen müssen und gemeinsamen Ressourcen nicht vom Sessel aus entwerfen dürfen. In diesem Fall ist es ein wenig unlogisch, da Krypto-Assets von Natur aus global sind, aber wir könnten vielleicht die „lokale Umgebung“ nicht als etwas Geografisches betrachten, sondern als etwas, das sich auf eine „Internet-Ökologie“ bezieht.

Bitcoin: Irrelevant, da Geld für alles gilt, sodass es keine „lokalen Bedingungen“ gibt, unabhängig davon, wie „lokal“ definiert wird.

Ethereum: Nicht ganz so stark wie Bitcoin, aber wahrscheinlich ähnlich irrelevant, da „Berechnung“ allgemein genug ist, um den „lokalen Bedingungen“ keine Bedeutung beizumessen.

III – Die meisten von den operativen Regeln betroffenen Personen können sich an der Änderung der operativen Regeln beteiligen

Bitcoin: Ja, für Regeländerungen ist ein nahezu vollständiger Konsens der Nutzer erforderlich.

Ethereum: Unserer Meinung nach nicht stark genug. Wir sehen eine klare Autorität, die von einigen wenigen Kern-Investoren und Entwicklern ausgeübt wird. Außerdem befürchten wir, dass mit dem Übergang von Ethereum zu Proof-of-Stake diese Sorge noch schlimmer werden könnte, da die „Oligarchen“ des Protokolls noch mehr Kontrolle behalten werden – bizarrerweise ganz bewusst.

IV – Kontrolleure, die aktiv die Bedingungen der gemeinsamen Ressource und das Verhalten der Aneigner überprüfen, sind den Aneignern gegenüber rechenschaftspflichtig oder sind die Aneigner selbst

Bitcoin: Ja, und in dieser Hinsicht wahrscheinlich die am besten konzipierte gemeinsame Ressource der Geschichte. Jeder kann das Verhalten von „Aneignern“ (das heißt Inflatoren und Minern) ohne Kosten mäßigen, und diese Prüfung macht es den Aneignern praktisch unmöglich, etwas anderes zu tun als das, was erlaubt ist, was übrigens der gemeinsamen Ressource zugutekommt, indem es Sicherheit bietet und daher fraglich ist, ob es sich überhaupt um „Aneignung“ handelt, zumindest nicht in genau dem von Ostrom beabsichtigten Sinne.

Ethereum: Ja und nein. Theoretisch ja, da Ethereum (vorerst) mit einem ähnlichen Proof-of-Work-Algorithmus arbeitet. In der Praxis jedoch nicht, da die Datenstruktur so groß ist und die Bandbreite, die erforderlich ist, um sie auf dem neuesten Stand zu halten, so hoch ist, dass es nur sehr wenige Kontrolleure gibt und ein großer Teil derjenigen, die dies tun, von dritten Infrastrukturanbietern abhängig sind, denen sie wohl verpflichtet sind und die daher nicht unabhängig und nicht nur den Aneignern gegenüber rechenschaftspflichtig sind.

V – Aneigner, die gegen operationelle Regeln verstoßen, werden wahrscheinlich von anderen Aneignern, von Vertretern, die diesen Aneignern gegenüber rechenschaftspflichtig sind, oder von beiden mit abgestuften Sanktionen belegt (je nach der Schwere des Verstoßes)

Bitcoin: Ja, und in dieser Hinsicht wahrscheinlich das am besten konzipierte gemeinsame Ressource der Geschichte. Aneigner können sich nichts außerhalb der Regeln aneignen, und wenn sie es versuchen, werden andere regelkonforme Aneigner sofort auf ihre Kosten profitieren.

Ethereum: Ja, sehr ähnlich wie Bitcoin, mit dem kleinen Vorbehalt, dass ein weitaus geringerer Anteil der Aneigner die Regeln ändern muss (das heißt, sie müssen gegen das verstoßen, was alle anderen für die Regeln halten) als bei Bitcoin.

VI – Die Aneignen und ihre Vertreter haben schnellen Zugang zu kostengünstigen lokalen Schiedsstellen, um Konflikte zwischen Aneignen oder zwischen Aneignen und Vertretern zu lösen

Bitcoin: Ja, und in dieser Hinsicht wahrscheinlich die am besten konzipierte gemeinsame Ressource der Geschichte. Die „Vertreter“ sind Nutzer, und der Konfliktlösungsmechanismus ist Thermodynamik und Mathematik.

Ethereum: Wir sehen hier einige Probleme, bei denen die Konfliktlösung auf eine Handvoll übermäßig mächtiger Personen zurückzuführen ist. Und auch hier sehen wir, dass Proof-of-Stake diese Probleme verschlimmert.

VII – Das Recht der Aneigner, ihre eigenen Einrichtungen zu schaffen, wird nicht von externen staatlichen Behörden infrage gestellt

Bitcoin: Ja, und in dieser Hinsicht wahrscheinlich die am besten konzipierte gemeinsame Ressource der Geschichte. Theoretisch könnten Regierungen in Bitcoin eingreifen, aber die Möglichkeit ist verschwindend gering und wird jeden Tag noch kleiner. Im Gegensatz zu dem Potenzial, jede andere gemeinsame Ressource in der Welt oder in der Geschichte anzufechten, sind die Kosten für eine „Anfechtung“ von Bitcoin so viel höher, dass sie im Grunde unergründlich und unberechenbar sind. Ostroms beabsichtigter Punkt trifft wahrscheinlich gar nicht zu – oder trifft zwar zu, wird aber zu einer Art Formsache.

Ethereum: Oberflächlich betrachtet, ja, aber auf lange Sicht höchst fragwürdig, und zwar aus zwei Gründen. Die meisten Validierungsknoten werden in zentralisierten Datenzentren betrieben (leichte Ziele für eine Regierung – oder, was das betrifft, für jeden gegnerischen Akteur – wir gehen in Abschnitt 3 näher darauf ein) und Einzelpersonen, die sowohl einen unverhältnismäßig großen Stimmanteil als auch einen gewichteten Einfluss auf die Gemeinschaft haben, sollten sie von außen kompromittiert werden.

VIII – Aneignung, Bereitstellung, Überwachung, Durchsetzung, Konfliktlösung und Governance-Aktivitäten sind in mehreren Ebenen verschachtelter Unternehmen organisiert

Bitcoin: Ja und nein, je nachdem, wie man das Gestaltungsprinzip interpretiert. Nein, in dem Sinne, dass es nur eine Funktion gibt, eine Möglichkeit, sich eine versuchte unrechtmäßige Aneignung vorzustellen, und einen Konfliktlösungsmechanismus, was im Sinne dieses Gestaltungsprinzips wahrscheinlich nicht einmal etwas Schlechtes ist, sondern einfach höchst ungewöhnlich für gemeinsame Ressourcen. Aber ja, in dem Sinne, dass Bitcoin als Basisschicht für eine Reihe von mehrschichtigen gemeinsamen Ressourcen fungiert, die in seiner Funktionalität verwurzelt sind, die in der Tat als „mehrere Schichten von verschachtelten Unternehmen“ gedacht werden können und, so könnte man sicherlich argumentieren, ein entscheidender Teil der Funktionalität von Bitcoin sind. Wir erörtern dies ausführlicher in Abschnitt 5.

Ethereum: Ja und nein, im Wesentlichen aus den gleichen Gründen wie Bitcoin. In der Diskussion, auf die wir in Abschnitt 5 anspielen, geht es mehr um die technische Funktionalität als um die Governance.

Natürlich erheben wir nicht den Anspruch, dass Ostroms Rahmen die absolute Wahrheit in dieser Angelegenheit ist. Es steht den Lesern völlig frei, ihre Gestaltungsprinzipien oder unsere Analyse und Anwendung dieser Prinzipien zu ignorieren. Unsere Absicht ist es nicht, die unbestreitbare Gültigkeit von beidem zu suggerieren, sondern vielmehr darauf hinzuweisen, dass ihre Analyse die am meisten respektierte Analyse der Art von Dingen die Bitcoin und Altcoins sind, und dass sie sicherlich nützlich ist, zumindest im Vergleich.
Wenn die Behauptung aufgestellt wird, dass Altcoins zwar verschiedene technische Nachteile haben, diese aber durch überlegene soziale Eigenschaften auf der Grundlage einer besseren oder gerechteren (oder was auch immer) Governance wettmachen, würden wir dem entschieden widersprechen. Nicht nur sind sie nicht besser, sie sind deutlich schlechter. Sie laden zum Angriff ein. Sie fordern ihn geradezu in dem Moment, in dem die Governance-Mechanismen beginnen, Risse zu zeigen.


Anhang B: Algebra der Weiterverpfändung

Kurze Zusammenfassung:

Eine ausführlichere Erläuterung der Algebra, die in Abschnitt 2 ohne Berechnungen zitiert wird.

***

Das in Abschnitt 2 genannte Beispiel war eine 50%ige Überbesicherung, das heißt eine 150%ige Besicherung. Das bedeutet, dass wir 150 US-Dollar als Sicherheiten benötigen, um 100 US-Dollar an neuen Vermögenswerten zu prägen. Wenn diese jedoch als Sicherheiten für eine andere derartige Operation wiederverwendet werden können, wenden wir das gleiche Verhältnis (100/150)=2/3 zu 100 an, um zu sehen, dass wir weitere 67 US-Dollar prägen können, und so weiter, ad infinitum. Es sind zwei Wiederholungen erforderlich, bis die Gesamtsumme (100 + 67 = 167) US-Dollar höher ist als die ursprüngliche Sicherheit, und die Grenze des ausstehenden Vermögenswertes, die erreicht wird, kann wie folgt berechnet werden:

$100 *n=0∞(2/3)n =$100* 3=$300

Wenn also die Besicherungsquote x % beträgt, für x ≥ 100, dann ist k = (100 % / x %), und unsere Formel lautet dann,

$100 *n=0∞(1/k)n =$100* (kk-1) for 1k<1

Die Randbedingung auf der rechten Seite besagt, dass ein Besicherungsgrad von genau 100 % oder weniger eindeutig zu einer unendlichen Summe führt (dies ist in der Praxis leichter zu verstehen als über die Gleichung) und die Gleichung daher entweder eine praktisch bedeutungslose (möglicherweise negative) Antwort ausgibt, wie aus der nachstehenden Darstellung von f(y)=xx-1 ersichtlich wird:

Es ist leicht zu erkennen, dass der einzige Punkt, an dem f(y)=y ist, der Punkt ist, an dem y=2 ist, oder die Kapitalisierungsquote 200 % beträgt. Dies wurde im Hauptteil des Aufsatzes angedeutet und ist auch praktisch leicht zu verstehen, da die Wiederverwendung der Produkte einer iterativen 200%igen Besicherung so aussehen würde, als würde man 200 US-Dollar aufbringen, um (100 + 50 + 25 + 12,50 + …) US-Dollar zu generieren, was leicht als Konvergenz zu 200 US-Dollar erkennbar ist.

Besicherungsquoten über 200 % sind sogar „sicherer“ in dem Sinne, dass unbegrenzt viele Wiederverwendungen der Erlöse niemals ein synthetisches Engagement erreicht, das die ursprüngliche Besicherung übersteigt, oder, technischer ausgedrückt, f(y)<y.

Interessant wird es dort, wo f(y)>y ist – also y<2, aber auch dort, wo die Gleichung innerhalb ihrer Randbedingungen liegt, also y>1. Dabei handelt es sich um Besicherungsquoten, bei denen der Gesamtwert der Ausgabe von Vermögenswerten nach der Wiederverwendung des Produkts der Sicherheiten schließlich einen höheren Wert erreicht als der Wert der ursprünglichen Sicherheiten. Wir haben im Hauptteil des Papiers hervorgehoben, dass beispielsweise 175 % drei Iterationen benötigt, um die ursprüngliche Sicherheit zu übertreffen und sich einer Grenze von 233 US-Dollar nähert.


Dies ist Abschnitt 7 der Serie “Nur die Stärksten überleben” von Allen Farrington und BigAL auf seiner Webseite. Die geäußerten Meinungen sind ausschließlich seine eigenen und spiegeln nicht notwendigerweise die von Aprycot Media wider.

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