Können Regierungen Bitcoin aufhalten?

Aus dem Original “Can Governments Stop Bitcoin?“ von Alex Gladstein, erschienen am 21.Februar 2021 auf Quillette. Übersetzt von BitBoxer, Lektorat durch stfano.


Seit seiner Erschaffung vor mehr als 12 Jahren ist der Bitcoin unbesiegt. Sein Preis ist von 5 US-Dollar auf 50 US-Dollar, 500 US-Dollar, 5.000 US-Dollar und jetzt auf über 50.000 US-Dollar gestiegen. Die Zahl der weltweiten Nutzer hat die Marke von 100 Millionen überschritten. Die Netzwerksicherheit des Systems, die Anzahl der Entwickler und die neuen Anwendungen sind so hoch wie nie zuvor. Dutzende von Unternehmen, darunter Tesla und Square, haben begonnen, Bitcoin in ihre Konzern-Treasury aufzunehmen.

Dieser weltweite Erfolg bedeutet nicht, dass niemand versucht hat, Bitcoin zu stoppen. Das digitale Geld-Projekt hat in der Tat eine Reihe von Angriffen überlebt, die in einigen Fällen seine Existenz bedrohten. Es gibt zwei Hauptvektoren: Netzwerkangriffe auf die Software- und Hardware-Infrastruktur und legale Angriffe auf Bitcoin-Nutzer. Bevor wir sie untersuchen und überlegen, warum sie gescheitert sind, lass uns am Anfang beginnen.

Im Januar 2009 rief ein geheimnisvoller Programmierer namens Satoshi Nakamoto Bitcoin ins Leben, ein Open-Source-Finanznetzwerk mit großen Ambitionen: Es sollte das Zentralbankwesen durch ein dezentrales „peer-to-peer“ System ohne zentrale Entscheidungsgewalt ersetzen. Es sollte einen programmierbaren, hochgradig fungiblen Token verwenden, der wie elektronisches Bargeld ausgegeben oder wie digitales Gold gespeichert werden konnte. Er würde weltweit über einen festgelegten Versorgungsplan an eine Untergruppe von Nutzern verteilt, die darum wetteifern würden, das Netzwerk mit Energie zu versorgen und im Gegenzug frisch geschaffene Bitcoin zu erhalten.

Anfangs waren die meisten verständlicherweise skeptisch und nur wenige schenkten dem Projekt Beachtung. Es hatte schon früher Versuche gegeben, „ecash“ zu schaffen, und alle waren gescheitert. Niemand war in der Lage, herauszufinden, wie man eine dezentralisierte, nicht korrumpierbare Geldausgabe schaffen oder ein System aufbauen kann, das nicht von Regierungen gestoppt werden kann.

Aber um Bitcoin herum wuchs eine kleine Gemeinschaft, die genau das versprach. Angeführt von Satoshi und Hal Finney diskutierte, bastelte und verbesserte diese Gruppe von Ikonoklasten die Software im ersten Jahr und nutzte ihre Computer, um alle 10 Minuten 50 wertlose Bitcoin zu minen1. Schließlich entschied jemand, dass diese virtuellen Token genug wert waren, um sie im Gegenzug für ein reales Gut zu akzeptieren. Am 22. Mai 2010 zahlte ein Entwickler namens Laszlo Hanyecz 10.000 Bitcoin für zwei Papa John’s Pizzen, bei einem Wechselkurs von 0,1 Cent pro Bitcoin. Niemand konnte vorhersagen, dass Laszlos Pizza-Bestellung eines Tages so kostspielig sein würde: Heute ist diese Bestellung mehr als 500 Millionen Dollar wert.

Seit den Anfängen des PC-Minings und der Silk Road hat sich Bitcoin zu einem globalen Phänomen entwickelt. Niemand weiß, wer Satoshi ist, aber wenn seine Schöpfung ein Unternehmen wäre, würde es zu den 10 wertvollsten Unternehmen der Welt gehören. Die Fangemeinde ist von ein paar Pseudonymen in Cypherpunk-Diskussionsforen zu Leuten wie Twitter-CEO Jack Dorsey, Tesla-CEO Elon Musk, Harvard-Professor Niall Ferguson, Fidelity-CEO Abby Johnson, Schauspielerin Lindsay Lohan, Sänger Soulja Boy, Skateboarder Tony Hawk und Investor Paul Tudor Jones gewachsen. Er hat sein eigenes Unicode-Zeichen, das ₿. An einer Branchenkonferenz, die in diesem Monat stattfand und sich mit der Frage beschäftigte, wie Bitcoin in die Treasury von Unternehmen aufgenommen werden kann, nahmen mehr als 6.000 Unternehmen teil. Das MIT verfügt über ein Forschungszentrum, das zur langfristigen Sicherheit von Bitcoin beiträgt.

Bitcoin-Märkte sind in praktisch jedem Land und jeder größeren Stadt auf der Erde aufgetaucht, mit lokalen Händlern, die mit lokalen Währungen Bitcoin kaufen wollen, überall von Caracas über Manila bis Moskau. Millionen von Menschen in Nigeria, Argentinien, Iran, Kuba und darüber hinaus nutzen Bitcoin, um ihrem lokalen Währungssystem zu entkommen und sich für etwas zu entscheiden, das sich als Wertspeicher besser bewährt hat als der Naira, Bolivar, Rial oder Peso. Sie können ihre Bitcoin mit einem privaten Schlüssel (vergleichbar wie ein Passwort) kontrollieren, den sie auf einem Telefon, einem USB-Stick, auf Papier oder sogar mit auswendig gelernten Wortlisten abspeichern, und sie können die Währung innerhalb von Minuten an Familie oder Freunde überall auf der Welt schicken, ohne dass eine Genehmigung einer Behörde erforderlich ist.

In den Mainstream-Medien wird Bitcoin in der Regel als wild gewordene Pennystock-Aktie oder als eine neue Art von digitaler Tulpenmanie dargestellt. Doch in Wirklichkeit ist Bitcoin ein politisches Projekt, das das von Davos geleitete Wirtschaftssystem grundlegend zu zerstören droht. Jeder, von Janet Yellen bis Christine Lagarde, drückt seine Angst vor dem Aufstieg des Bitcoins aus und fordert seine Regulierung.

Die Regierungen bewahren ihre Macht zum Teil durch die Ausgabe und Kontrolle von Geld. Bitcoin ist ein neues Modell, das Geld ohne Regierungen erschafft und sichert. Die große Frage ist also: Warum haben Regierungen oder Megakonzerne es nicht gestoppt? Und wenn sie in naher Zukunft versuchen sollten, Bitcoin anzugreifen, wie würde das aussehen?

Es gibt eine enorme Menge an Spekulationen im Internet darüber, wie Bitcoin angegriffen werden könnte, aber nur wenige halten inne, um darüber nachzudenken, warum er nicht bereits zerstört wurde. Die Antwort ist, dass es politische und wirtschaftliche Anreize für immer mehr Menschen gibt, das System voranzutreiben und seine Sicherheit zu stärken, und starke politische, wirtschaftliche und technische Anreize, die von Angriffen abhalten.

Sicherlich ist Bitcoin nicht zu klein, um die Aufmerksamkeit der Regierungen auf sich zu ziehen. Frühere Versuche mit parallel laufenden digitalen Online-Währungen, wie „e-Gold“ und „Liberty Reserve“, wurden von der US-Regierung eingestellt, bevor sie überhaupt eine Marktkapitalisierung von 10 Milliarden Dollar erreichten. Bitcoin hat jetzt eine Marktkapitalisierung von über 1 Billion Dollar. Mit jedem Tag, den Bitcoin überlebt, wird er stärker, und für viele Angriffsvektoren schließen sich die Zeitfenster rasch.

Ein Grund dafür, dass Bitcoin so hartnäckig ist, liegt darin, dass es sich um ein global verteiltes Phänomen handelt. Die überwiegende Mehrheit des Minings findet außerhalb der USA in China und Zentralasien statt. Die überwiegende Mehrheit der Bitcoin-Inhaber und -Käufer scheint jedoch aus den USA und der EU zu stammen und die Kern-Entwickler der Software und die Betreiber der Netzwerkknoten (diejenigen, die Bitcoin-Server hosten) sind über die ganze Welt verstreut. Die wichtigste Person in Bitcoin – sein Erfinder – ist nicht mehr relevant und könnte sogar tot sein.

Kodierung, Mining, Infrastruktur und Märkte sind alle unabhängig, finden in konkurrierenden Rechtssystemen und Gebieten geopolitischer Konkurrenten statt und werden oft von anonymen oder pseudonymen Akteuren durchgeführt, die alle unterschiedliche Philosophien und Ziele verfolgen, aber eine gemeinsame Motivation haben: Bitcoin am Laufen zu halten.

Im Gegensatz zu allen anderen Kryptowährungen gibt es keinen zentralen Angriffspunkt. Bitcoin hat keinen Vitalik Buterin, keine Ethereum Foundation, keine „Deltec“-Bank wie Tether, keine schicken Büros in San Francisco, kein Team von Anwälten, kein Governance-Token, keine Absicherung durch Venture Capital, keine „Pre-Mine“, keinen Kleinen Rat und keine Wale , die das System manipulieren können. Diese dezentrale Architektur hat Bitcoin bereits von Angriffen auf höchster Ebene abgeschirmt. Egal wie viel Bitcoin man besitzt, man kann die Regeln nicht ändern, man kann nicht mehr erschaffen, nicht zensieren, stehlen oder andere daran hindern, das Netzwerk zu nutzen.

Die wohl mächtigste Finanzmacht der Welt – die US-Regierung unter der Leitung des damaligen Finanzministers Steve Mnuchin – hat gerade erst im Dezember 2020 einen Angriff auf Bitcoin gestartet. Es war kein besonders starker Angriff, aber dennoch ein Angriff, der die US-Börsen gezwungen hätte, mehr Informationen über Einzelpersonen zu sammeln, die ihre Bitcoin auf von ihnen kontrollierte Wallets abheben, als selbst Mainstream-Banken sammeln, was dem Überwachungsstaat ein viel detaillierteres Wissen über die Bitcoin-Geldströme verschafft hätte. Aber das Durchgreifen scheiterte an einer breiten Koalition der Opposition, und Mnuchin ist jetzt weg.

Das neue US-Regulierungssystem könnte weniger aggressiv sein. Tatsächlich hat der neue Vorsitzende der SEC, Gary Gensler, einmal eine Vorlesung über Bitcoin gehalten. Cynthia Lummis, eine frisch gewählte Senatorin aus Wyoming und leidenschaftliche Bitcoin-Unterstützerin, wurde in den Bankenausschuss des Senats berufen. Das bedeutet, dass es in einem der mächtigsten Gremien des US-Finanzsystems nun ein Mitglied gibt, das kürzlich über Bitcoin twitterte: „Ich kam wegen des Wertspeichers. Ich bin wegen der Zensurresistenz geblieben.“ Lummis schließt sich Warren Davidson und anderen im Kongress an, die geschworen haben, Bitcoin zu verteidigen.

Der größte Angriff in der Geschichte von Bitcoin fand 2017 auf der Software-Ebene statt. In jenem Frühjahr versammelte sich eine Handvoll der wichtigsten Akteure der Branche und unterzeichnete das sogenannte „New York Agreement“. Die Urheber verfügten über mehr als 83 % der weltweiten Mining-„Hashpower“2, mehr als 50 Unternehmen insgesamt, mehr als 20 Millionen Wallets und einen großen Anteil an der Zahlungsinfrastruktur. Es handelte sich um eine Allianz zwischen chinesischen Minern, dem Silicon Valley und der Wall Street, deren Ziel es war, Bitcoin so zu verändern, dass mehr Transaktionen pro Sekunde abgewickelt werden konnten, und zwar um den Preis, dass die Dezentralisierung und die Fähigkeit der Nutzer, die Geldmenge von zu Hause aus zu überprüfen, verloren gingen.

Allen Widrigkeiten zum Trotz gelang es einer Handvoll Basis-Aktivisten, eine Bewegung aufzubauen, die diese New Yorker Allianz in beeindruckender Weise besiegte. Im November 2017 war das gemeinschaftliche Projekt „SegWit2X“ tot und Bitcoin blieb dezentralisiert. Die Lehre aus diesen „Skalierungskriegen“ ist, dass weder Miner noch Konzerne Bitcoin kontrollieren. Ja, Miner verarbeiten Transaktionen und Entwickler schlagen Upgrades für die Software vor, aber Zehntausende von Nutzern, die „Full-Nodes“ betreiben, entscheiden tatsächlich, welche Transaktionen gültig sind und welche Softwareversion angenommen wird.

Selbst wenn eine Regierung die Kontrolle über die Mehrheit der Bitcoin-„Hashrate“ übernehmen würde, könnte sie damit nicht die Bitcoin-Konsensregeln ändern, mehr Bitcoin erschaffen oder die Bestände von anderen stehlen. Das Schlimmste, was sie tun könnten, ist, ihre Macht zu nutzen, um neue Versionen von Bitcoin zu minen (was im Fall von BCH oder BSV spektakulär gescheitert ist) oder Milliarden von Dollar zu verbrennen, um das Netzwerk in einem sogenannten „51 %-Angriff“ vorübergehend zu beschädigen. Bei einem solchen Angriff könnte sich eine Mehrheit der Miner zusammentun und ihre überlegene Hashrate nutzen, um das Netzwerk vorübergehend zu überwältigen. Der Preis für die erforderliche Hardware würde 5 Milliarden Dollar übersteigen.

Selbst wenn eine Regierung so viel für einen solch exotischen Angriff riskieren wollte, ist es unwahrscheinlich, dass sie die wertvollen Produktionskapazitäten der wenigen Halbleiterhersteller der Welt für diesen sehr spekulativen Zweck abzweigen würde. Für China oder die USA könnte die Unterbrechung bestehender Halbleiteraufträge während einer weltweiten Knappheit die nationale Sicherheit gefährden. Eine Alternative wäre die Beschlagnahme eines Großteils der weltweiten Mining-Ausrüstung in einer Militäroperation. Aber der logistische Aufwand, Hunderttausende von 5-Pfund-schweren Maschinen, die sich im Besitz von oft pseudonymen Akteuren in Dutzenden von Ländern befinden, ausfindig zu machen und gewaltsam zu beschlagnahmen, wäre ungeheuerlich.

Spekulationen über andere technische Angriffe auf Bitcoin gibt es zuhauf: Mining-Pools, die Transaktionen zensieren (Miner verdienen mehr Geld, wenn sie nicht zensieren, können schnell zu nicht-zensierenden Pools wechseln und könnten Software einsetzen, die eine Zensur unmöglich macht), ein globaler Internet-Shutdown (könnte störend sein, ist aber nicht tödlich), Backdoors in der Mining-Hardware (das ist tatsächlich passiert, aber es wurde nicht ausgenutzt und die Bedrohung nimmt jetzt ab), Quantencomputer, die die Kryptographie von Bitcoin brechen (sind laut Experten nicht ernst zu nehmen), und sogar böse Akteure, die schädliche Updates an der Codebasis vornehmen (das hätte keine Chance gegen Hunderte von wachsamen Entwicklern).

Tatsache ist, dass trotz der ständigen Panikmache, dass Bitcoin scheitern könnte, alle Nutzer immer in der Lage waren, Transaktionen durchzuführen. Es gab keine nennenswerten Akte der Zensur. Versuche, das Protokoll oder die Netzwerkinfrastruktur zu stören, wären unglaublich schwierig und kostspielig und hätten keine Erfolgsgarantie. Wie wir 2017 gesehen haben, könnten Mächte, selbst wenn sie in der Lage sind, eine große Mehrheit der Hashrate anzuhäufen, von der dezentralen Architektur des Netzwerks besiegt werden. Viel einfacher und viel wahrscheinlicher sind Angriffe auf die Nutzer selbst.

Es gibt mehrere Alptraum-Szenarien, die Bitcoiner fürchten, die nichts mit Science Fiction zu tun haben, in denen sich Regierungen in einer „Mission Impossible“ ähnlichen Mission zusammentun, um Milliarden von Dollar an Energie und Mining-Ausrüstung zu beschlagnahmen. Eine dieser Ängste sind vier Zahlen: 6102.

Im Jahr 1933 erließ die Roosevelt-Regierung die Executive Order 6102, die den Bürgern den Besitz von Gold verbot und sie zwang, jegliches Gold bei den Behörden abzugeben. Die US-Regierung oder jede andere Regierung könnte versuchen, dasselbe zu tun und den Bürgern ein Zeitfenster zu geben, um ihre Bitcoin zu deklarieren und an die Regierung zu verkaufen, sonst drohen Gefängnisstrafen.

Die Bitcoin-Community bereitet sich bereits auf einen solchen Angriff vor. Ein Grund, warum 6102 so erfolgreich war, ist, dass die Regierung einfach zu den Banken gehen konnte, die das Gold für die Bürgerinnen und Bürger aufbewahrten, und es am Verwahrungsort beschlagnahmen konnte. Deshalb feiern die Nutzer jedes Jahr am 3. Januar den „proof-of-keys“-Tag, an dem es üblich ist, alle Bitcoin, die man an Börsen oder in der Obhut von Dritten besitzt, auf Wallets zu übertragen, die die Endnutzer kontrollieren. „Not your keys, not your coins“, erstmals vom Bitcoin-Prediger Andreas Antonopoulos propagiert, ist ein Mantra der Gemeinschaft. Da mehr als 10 Prozent der amerikanischen Bevölkerung Bitcoin nutzen, wäre ein 6102-Angriff nur von begrenzter Wirkung, wenn genügend Menschen die Schlüssel selbst verwahren. In Anbetracht der Tatsache, dass die Schlüssel zu deinem Bitcoin-Konto typischerweise in Form von 24 Seed-Wörtern vorliegen, die aufgeschrieben, versteckt, verschlüsselt oder auswendig gelernt werden können, könnte eine militärische Hausdurchsuchungsaktion nicht sehr gut funktionieren und würde eine Reihe von Menschenrechtsverletzungen darstellen.

Eine weitere regulatorische Bedrohung wäre eine neue Steuer auf nicht realisierte Gewinne auf Bitcoin, die für langfristige Sparer verheerend wäre, oder neue strenge „KYC“-Regeln, die es zu einem Verbrechen machen, Bitcoin über einen nicht autorisierten Emittenten zu kaufen. Aber solche Regeln haben viele Hindernisse: Schutz des ersten und vierten Verfassungszusatzes; zahlreiche Senatoren und Kongressabgeordnete, die auf eine Bitcoin-freundlichere Politik drängen; und eine große und wachsende Kryptowährungsindustrie, die energisch gegen solche Regeln lobbyieren würde.

Die Regierungen könnten versuchen, Bitcoin an den Rand zu drängen, indem sie einen Konkurrenten einführen: eine digitale Währung der Zentralbank „Central Bank Digital Currency (CBDC)“. Die meisten Zentralbanken weltweit experimentieren mit der Idee, Banknoten durch digitale Token zu ersetzen, die die Bürger in mobilen Geldbörsen halten könnten. Ein Argument, das die Befürworter dieser Systeme anführen, ist, dass sie dazu beitragen könnten, den Durst nach Bitcoin einzudämmen. Letztendlich können CBDCs wie Chinas DCEP jedoch nicht konkurrieren, da ihr weltweit schwankender Preis an die bestehende Fiat-Währung gebunden ist, deren relative Kaufkraft unweigerlich sinken wird. In der Zwischenzeit steigt die Kaufkraft von Bitcoin mit der Zeit immer weiter an und bietet ein Maß an Transaktionsfreiheit und Privatsphäre vor dem Staat, mit dem sich kein CBDC jemals rühmen könnte.

Ein weiterer Angriffsvektor könnte ein Verbot des Bitcoin-Minings in demokratischen Ländern sein. Heutzutage beschreiben viele Artikel in den Mainstream-Medien Bitcoin als eine Umweltkatastrophe. In Wirklichkeit nutzt Bitcoin in hohem Maße erneuerbare Energien (die Schätzungen reichen von 39 Prozent bis 74 Prozent), nutzt eine Menge nicht genutzter oder überschüssiger Energie und könnte durchaus eine überwiegend grüne Zukunft haben. Aber angesichts der schlecht informierten Narrative rund um das Thema könnte man sich eine Welt vorstellen, in der die Regierung Biden das Bitcoin-Mining als Teil eines Green New Deal einschränkt.

Das „two-bitcoin“-Problem ist vielleicht die größte bestehende Bedrohung für Bitcoin-Nutzer heute. Wenn die 25 größten globalen Börsen in den USA, der EU und Ostasien sich darauf einigen würden, Abhebungen der Nutzer abzuschaffen, würde dies das System effektiv spalten. Bitcoin innerhalb der Blase wäre „whitelisted“ und Bitcoin außerhalb könnte „blacklisted“ sein – das heißt, wenn ein Händler Bitcoin von dir akzeptiert, die nicht auf einer bestimmten Liste stehen, würde er ein Risiko eingehen. Es spielt keine Rolle, wie privat du mit deinen Bitcoin umgehst. Du musst Leute finden, die bereit sind, deine Bitcoin ohne Rückverfolgung zu akzeptieren. Solche Gesetze würden die Nutzer in „peer-to-peer“-Märkte zwingen, wo sich die Käufer nicht um die Geschichte der Bitcoin kümmern.

Dennoch gibt es viele Hindernisse für diesen Angriff. Die Börsen würden Millionen von Kunden und Milliarden von Dollar an Umsatz verlieren. Das „DeFi“-Ökosystem würde möglicherweise zusammenbrechen, da es davon abhängt, dass die Nutzer ETH mit Dollar an großen Börsen kaufen und dann auf Handelsplattformen wie Uniswap übertragen können. Unternehmen in diesem Bereich würden sich energisch gegen jede Änderung wehren, die die Bürger daran hindern würde, Bitcoin oder andere Kryptowährungen auf selbst kontrollierte Wallets abzuheben.

Wie diese Beispiele zeigen, gibt es viele Arten von regulatorischen Angriffen, die Bitcoin-Nutzer beunruhigen sollten, und sie sind viel wahrscheinlicher als kryptografische oder Hashrate-Angriffe auf das Netzwerk, aber die Realität ist, dass viele legale Angriffe bereits stattgefunden und nichts gebracht haben.

Im Jahr 2017 schränkte die Kommunistische Partei Chinas die Möglichkeit ihrer Bürger ein, RMB in Bitcoin zu tauschen. Kurz darauf tat die indische Regierung dasselbe, gefolgt von der pakistanischen Regierung und einigen anderen. Mit anderen Worten, die beiden größten Regierungen der Welt haben versucht, ihren Bürgern den Zugang zu Bitcoin an der offensichtlichsten Stelle zu verwehren: an den Ein- und Ausgängen, an denen die Bürger ihre Landeswährung über Börsen in Bitcoin tauschen.

Letztes Jahr hat der indische Oberste Gerichtshof diese Regel aufgehoben, so dass Bitcoin nicht mehr eingeschränkt ist. Die Regierung versucht erneut, ein Gesetz zu verabschieden, das Bitcoin und alle nicht-staatlichen Kryptowährungen verbietet, während sie gleichzeitig eine digitale Währung einführt, die von der Reserve Bank of India ausgegeben werden soll, aber in der Zwischenzeit nimmt die lokale Nutzung zu. In China sind nach den Restriktionen von 2017 einige Unternehmen in andere ostasiatische Länder umgezogen, haben aber weiterhin Geschäfte mit chinesischen Kunden gemacht. Zwei der größten Börsen für den chinesischen Markt, Huobi und OKCoin, bedienen immer noch Millionen von Chinesen. In Pakistan ist Bitcoin de facto verboten, aber die Akzeptanz explodiert.

In Nigeria stellt die Regierung derzeit in Aussicht, die Bankkonten aller Bürger einzufrieren, die mit dem Kauf und Verkauf von Bitcoin in Verbindung gebracht werden. Dieses Regime hat bereits ähnliche Taktiken ausprobiert, aber alle sind gescheitert. Was diese Maßnahmen tatsächlich bewirken, ist, dass sie die Bürger in die schwieriger zu kontrollierenden „peer-to-peer“ Märkte und in die Arme risikotoleranter Unternehmer treiben, die ihren Mitbürgern den Zugang zu einem besseren Finanzsystem erleichtern wollen.

In den Vereinigten Staaten werden, abgesehen von dem jüngsten Angriff von Minister Mnuchin in letzter Minute, amerikanische Finanzaktivitäten zunehmend durch Gesetze wie den „Bank Secrecy Act“ überwacht. Im Einklang mit diesem Trend haben Kryptowährungsbörsen strengere Identifizierungsanforderungen für ihre Kunden sowie immer kleinere Abhebungslimits eingeführt. Bislang können die Amerikaner jedoch immer noch problemlos Bitcoin kaufen und auf von ihnen kontrollierte Wallets abheben, und dies wird von neuen mächtigen Verbündeten verteidigt.

Senator Lummis und die Kongressabgeordneten Davidson, McHenry, Emmer und Soto sowie Staatsoberhäupter wie der Bürgermeister von Miami, Francis Suarez, haben sich alle für Bitcoin ausgesprochen, sei es durch die Veröffentlichung des Whitepapers auf ihren Websites, durch das Versprechen, sich gegen eine übermäßig restriktive Regulierung zu wehren, oder durch das Versprechen, ihre Zuständigkeitsbereiche zu Hotspots für unternehmerische Bitcoin-Aktivitäten und Innovationen zu machen. Bürgermeister Suarez, zum Beispiel, drängt darauf, dass Angestellte der Stadt Miami einen Prozentsatz ihres Gehalts in Bitcoin verdienen, dass Einwohner in der Lage sind, Steuern in Bitcoin zu zahlen, und dass Bitcoin als Teil des städtischen Investitionsportfolios aufgenommen wird.

Einige behaupten, dass die amerikanischen Unternehmen versuchen werden, Bitcoin anzugreifen. Aber bisher scheint es so, dass große Unternehmen stattdessen versuchen, sich der Party anzuschließen. In den letzten Monaten haben Tesla, Microstrategy, Square, Grayscale und andere Milliarden von Dollar mehr Bitcoin aufgekauft, als durch Mining produziert wird. Und, wie versierte Investoren erkennen werden, kann man Bitcoin letztendlich nicht von seiner Cypherpunk-Natur trennen. Bitcoin ist als Vermögenswert nur aufgrund seiner Dezentralität wertvoll, da niemand willkürlich seine Regeln ändern oder beschließen kann, mehr zu erschaffen. Aus Eigeninteresse könnte die Wall Street ironischerweise am Ende einer der größten Befürworter dieser neuen Technologie sein, die Washington nicht kontrollieren kann.

Bisher hat es den Anschein, dass der Versuch von Regierungen, Bitcoin zu verbieten oder einzuschränken, lediglich dazu führt, dass sich dieses Geld in ihren Ländern schneller durchsetzt. Regierungen, die mit ihren Drogenkriegen kläglich gescheitert sind, könnten es viel schwieriger finden, Menschen davon abzuhalten, etwas zu besitzen, das unsichtbar, grenzenlos und teleportierbar ist. In Demokratien werden Regierungen auf große Hindernisse seitens der Tech- und Finanzindustrie stoßen, aber auch auf die Tatsache, dass Einschränkungen des Bitcoin-Besitzes mit der Meinungsfreiheit, der Privatsphäre und dem Schutz des Privateigentums kollidieren können. Konfiszierung wird Brutalität erfordern, und es ist nicht klar, ob alle Regierungen den Mut oder die Fähigkeit dazu haben.

Letztendlich ist die größte Verteidigung von Bitcoin die menschliche Natur selbst. Wir sind gierig und eigennützig und das gilt auch für unsere Regierungen. Schon jetzt beginnen einige Behörden mit dem Mining oder oder schaffen Anreize dazu. Dies geschieht überall, von Peking bis Kentucky, von Sibirien bis zur Ukraine. Mit steigendem Preis kaufen immer mehr Menschen den Wert von Bitcoin als langfristiger Wertspeicher und Inflationsschutz. So wie einige Regierungen mit schwachen Währungen gezwungen waren, sich zu dollarisieren, könnten andere in Zukunft gezwungen sein, Bitcoin zu akkumulieren. Es ist ein umkämpfter Planet.

Warum sollte eine Regierung Bitcoin angreifen, wenn sie mehr davon hat, wenn sie ihr Energiemonopol oder ihre Fähigkeit, Fiat-Geld zu drucken, nutzt, um Bitcoin zu kaufen? Die Reichen und Mächtigen werden immer Systeme entwerfen, die ihnen vor allen anderen zugutekommen. Die Genialität von Bitcoin besteht darin, diese grundlegende Realität auszunutzen und sie zu zwingen, sich zu engagieren und dabei zu helfen, das System zu betreiben, anstatt es anzugreifen.

In einer Welt mit freundlichen US-Regulierungsbehörden, schurkischen Regimen, die Bitcoin minen, um Dollar zu drucken, und Bürgern der Welt, die einen Vermögenswert fordern, der nicht weginflationiert werden kann, schwindet der Anreiz, Bitcoin anzugreifen.

Am Ende könnte der einzige Weg, Bitcoin zu töten, darin bestehen, ihn so zu gestalten, dass die Menschen ihn nicht mehr brauchen. Wenn niemand einen abwertungssicheren, zensurresistenten, erlaubnisfreien, grenzenlosen, nicht diskriminierenden, teleportierbaren Finanzwert will, dann wird ihn niemand mit Energie füttern und er wird sterben. Vielleicht kann die Menschheit eine andere Technologie entwickeln, die diese Bedürfnisse befriedigt.

Aber bis dahin wird der Bitcoin florieren.

Fußnoten

1 Ein Miner ist ein Nutzer der Bitcoin-Software, der im Wettbewerb um die Verarbeitung von Transaktionen im Austausch gegen Mining-Belohnungen steht. Miner verwenden spezielle Rechner, die ASICs genannt werden, um eine spezielle Zahl zu finden. Im Durchschnitt findet ein Miner alle 10 Minuten die spezielle Zahl und präsentiert sie dem Netzwerk zusammen mit einem Block gültiger Transaktionen. Im Gegenzug erhalten sie die Mining-Belohnung, die heute 6,25 BTC plus Transaktionsgebühren beträgt. Die Transaktionen werden verarbeitet und in den Speicher des Netzwerks eingefügt, und ein neuer Wettlauf beginnt. Da eine so große Menge an Energie erforderlich ist, um eine Chance auf den Sieg zu haben, schließen sich die Miner heute in Mining-Pools zusammen, die den Teilnehmern im Laufe der Zeit Belohnungen auf der Grundlage des prozentualen Anteils an Hashpower zuweisen.

2Hashpower“ bezieht sich auf die Verarbeitungsleistung des Bitcoin-Netzwerks. Sie wird durch die Energiemenge bestimmt, die Miner in ihrem Wettbewerb um die Verarbeitung von Transaktionen aufwenden: derzeit mehr als 140 Quintillionen Hashes pro Sekunde. Eine höhere Hashpower bedeutet ein sichereres Netzwerk.


Dies ist ein Gastbeitrag von Alex Gladstein auf Quillette. Die geäußerten Meinungen sind ausschließlich seine eigenen und spiegeln nicht notwendigerweise die von Aprycot Media wider.

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