Shelling Out – Die Ursprünge des Geldes

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Aus dem Original “Shelling Out: The Origins of Money” von Nick Szabo (2002)

Abstrakt

Die Vorläufer des heutigen Geldes ermöglichten es den Menschen der frühen Neuzeit, in Verbindung mit sprachlichem Austausch, Probleme der Zusammenarbeit zu lösen, die andere Lebewesen nicht lösen können — Probleme wie die des reziproken Altruismus, der Verwandtenselektion und der Linderung von Aggressionspotential. Diese Vorläufer hatten einige sehr spezifische Eigenschaften mit Nicht-Fiat-Währungen gemeinsam — sie waren mehr als nur symbolische oder dekorative Gegenstände.

Inhaltsverzeichnis

  • Geld
  • Sammelobjekte
  • Evolution, Kooperation und Sammelobjekte
  • Gewinne durch den Vermögenstransfer
  • Die Hunger-Versicherung
  • Verwandtenselektion über den Tod hinaus
  • Das familiäre Tauschgeschäft
  • Die Kriegsbeute
  • Konflikte und Lösungen
  • Merkmale von Sammelobjekten
  • Fazit
  • Quellen
  • Danksagungen

Geld

Von Anfang an hatten Englands Kolonien des 17. Jahrhunderts in Amerika ein grosses Problem — einen Mangel an Münzen.⁶ ¹⁹ Die Grundüberlegung war, große Mengen Tabak anbauen zu lassen und Holz für die Schiffe ihrer globalen Flotte und Handelsmarine zu gewinnen, um damit die entsprechenden Vorräte besorgen zu können, die sie für erforderlich hielten, um die Amerikaner bei der Arbeit zu halten. Tatsächlich sollten frühe Besiedler für die Handelsgesellschaft arbeiten, im Gegenzug dafür aber nur deren Produkte konsumieren. Die Investoren und die britische Staatskrone zogen dies der Bezahlung in Münzen vor, und ließen die Bauern lediglich die bereitgestellten Vorräte konsumieren, bevor sie — Gott bewahre — auch noch auf die Idee kommen einen Teil ihres Lohnes zur Seite zu legen.

Die Lösung der Siedler lag auf der Hand, aber es dauerte einige Jahre, bis sie sie erkannten. Die Einheimischen hatten Geld, aber es war ganz anders als das Geld, an das die Europäer gewöhnt waren. Amerikanische Indianer benutzten Geld seit Jahrtausenden und es stellte sich heraus, dass es für die Neuankömmlinge aus Europa sehr nützlich war. Auch wenn einige der Meinung waren, dass nur Metall, mit den Gesichtern ihrer politischen Führer darauf, echtes Geld war. Schlimmer noch, die Ureinwohner verwendeten weder Silber noch Gold. Stattdessen benutzten sie das am besten geeignete Geld, das in ihrer Umgebung zu finden war — langlebige Skelettteile ihrer Beute. Genauer gesagt, verwendeten sie Wampum-Perlen, Venus- und andere Muschelschalen, die zu schmuckvollen Bändern und Ketten aufgefädelt wurden.

Halskette aus Wampum. Während des Handels wurden die Perlen gezählt, entfernt und auf neuen Halsketten wieder aufgefädelt. Die Muschelperlen der Ureinwohner Amerikas wurden auch manchmal in Gürtel oder andere symbolische und Zeremonial-Gegenstände eingewebt, die den Reichtum und das Engagement eines Stammes für einen Pakt zeigten.

Normale Muscheln wurden nur am Meer gefunden, aber Wampum-Perlen handelte man bis weit ins Landesinnere. Muschelgeld verschiedener Arten konnte in Stämmen auf dem gesamten amerikanischen Kontinent gefunden werden. Den Iriquois gelang es, den größten Wampum-Schatz überhaupt zu sammeln, ohne sich auch nur in die Nähe des Meeres zu begeben.⁶ Es gab nur eine Handvoll Stämme, wie die Narragansetts, die sich auf die Herstellung von Wampum spezialisiert hatten. Sie wurden aber von Hunderten von anderen Stämmen, darunter viele Jäger und Sammler, als Geld genutzt. Wampum-Anhänger gab es in verschiedenen Längen, wobei die Anzahl der Perlen proportional zur Länge war. Die Ketten und Anhänger konnten also gekürzt oder verbunden werden, je nachdem wie deren Preis sein sollte.

Nachdem sie ihre Grundsätze bezüglich dessen was ein echtes Geld ausmacht überdacht hatten, stürzten sich die Kolonisten regelrecht auf den Handel mit Wampum. “Muscheln” (Clams) betraten die amerikanische Sprache als ein neues Wort für “Geld”. Der niederländische Gouverneur von New Amsterdram (heute New York) nahm einen großen Kredit von einer englisch-amerikanischen Bank auf — in Wampum. Nach einer Weile wurden die britischen Behörden gezwungen, mitzumachen. So wurde Wampum zwischen 1637 und 1661 in Neuengland zum gesetzlichen Zahlungsmittel. Die Kolonisten hatten nun ein liquides Tauschmittel und der Handel in den Kolonien florierte.⁶

Der Anfang vom Ende der Wampum-Perlen kam, als die Briten begannen, mehr Münzen nach Amerika zu verschiffen und die Europäer begannen, ihre Techniken der Massenproduktion anzuwenden. Um 1661 hatten die britischen Behörden das Handtuch geworfen und beschlossen, dass sie wieder auf die Münzen umsteigen würden. Diese waren aus echtem Gold und Silber und und hatten eine Prägung, welche durch die Krone geprüft und geprägt werden konnte und damit noch bessere monetäre Eigenschaften als Muscheln. In diesem Jahr endete Wampum als gesetzliches Zahlungsmittel in Neuengland. Im Jahr 1710 wurde es kurzzeitig noch einmal gesetzliches Zahlungsmittel in North Carolina. Die Perlen dienten zwar weiterhin als Tauschmittel, teilweise bis ins 20. Jahrhundert hinein, aber ihr Wert war durch die westlichen Sammel- und Produktionstechniken auf ein Hundertstel des ursprünglichen Wertes geschrumpft. Damit gingen sie einen ähnlichen Weg, den Gold- und Silberschmuck nach der Erfindung der Münzprägung im Westen gegangen war — vom gut verarbeiteten Geld bis zur Degradierung zum Schmuck-Objekt. Der amerikanische Sprachgebrauch bezüglich des Muschelgeldes wurde zu einem malerischen Überbleibsel — “hundert Muscheln” (“a hundred clams”) wurden zu “hundert Dollar”. “Shelling out” (bezahlen, Geld zahlen) bedeutete, in Münzen oder Scheinen zu zahlen, und später schließlich per Scheck oder Kreditkarte.⁶ Wir wussten nicht, dass wir dabei die Ursprünge unserer Spezies erfasst hatten.

Sammelobjekte

Das Geld der Indianer nahm neben Muscheln viele weitere Formen an. Pelze, Zähne und eine Vielzahl anderer Objekte mit Eigenschaften, auf die wir im Folgenden eingehen werden, wurden auch häufig als Austauschmedium verwendet. Vor 12.000 Jahren, im heutigen Staat Washington, entwickelten die Clovis einige wunderbar lange Hornsteinklingen. Diese brachen jedoch viel zu leicht und waren dadurch nutzlos zum Schneiden. Die Feuersteine wurden tatsächlich “zum reinen Vergnügen” hergestellt — oder zumindest zu einem anderen Zweck, der nichts mit dem Schneiden zu tun hatte.⁹ Wie wir sehen werden, war dieser scheinbare Leichtsinn wahrscheinlich sehr wichtig für ihr Überleben.

Die Ureinwohner Amerikas waren jedoch weder die Ersten, die kunstvolle, aber nutzlose Klingen herstellten, noch hatten sie Muschelgeld erfunden. Die Europäer allerdings auch nicht, obwohl auch sie in der Vergangenheit weitläufig Muscheln und Zähne als Geld nutzten — ganz zu schweigen von Rindern, Gold, Silber, Waffen und vielem mehr. Asiaten nutzten all das auch, aber waren die Ersten die dies taten. Zumindest haben Archäologen Muschel-Ketten aus dem frühen Paläolithikum gefunden, die dem indianischen Geld nahezu identisch waren.

Perlen aus Muscheln der erbsengroßen Schnecke Nassarius kraussianus, die in einer nahegelegenen Meeresmündung lebte. Blombos Höhle, Südafrika, vor ca. 75.000 Jahren.³

Ende der 90er Jahre entdeckte der Archäologe Stanley Ambrose in einem Felsbunker im Rift Valley von Kenia einen Vorrat an Perlen aus Straußeneierschalen und Muschelfragmenten. Sie werden mit dem Argon-Argon-Verhältnis (40Ar/39Ar) auf ein Alter von mindestens 40.000 Jahren datiert.² Durchbohrte Tierzähne wurden auch in Spanien aus dieser Zeit gefunden.²³ Perforierte Muscheln wurden aus frühen paläolithischen Stätten im Libanon geborgen.⁸ Kürzlich fand man in der Blombos Höhle in Südafrika normale Muscheln, die als aufgefädelte Perlen präpariert wurden und noch weiter zurückreichen, bis 75.000 Jahre vor unserer Zeit.³

Straußeneierschalen-Perlen, Kenya Rift Valley, 40.000 Jahre alt, (Dank an Stanley Ambrose)

Unsere moderne Subspezies war nach Europa ausgewandert und dort tauchten auch Muschel- und Zahnketten auf, 40.000 Jahre alt. Muschel- und Zahnanhänger erscheinen in Australien ab 30.000 B.P. (before present; vor Heute).¹⁷ In allen Fällen ist die Verarbeitung hochwertig, was auf eine Praktik hinweist, die wahrscheinlich noch viel weiter zurückliegt. Der Ursprung des Sammelns und Schmückens liegt wahrscheinlich in Afrika, der ursprünglichen Heimat der anatomisch modernen Subspezies. Das Sammeln und Herstellen von Halsketten muss einen wichtigen, evolutionären Selektionsvorteil gehabt haben, da es sehr kostspielig war. Die Herstellung dieser Muscheln erforderte viel Geschick und Zeit in einer Epoche, in der die Menschen ständig am Rande des Verhungerns lebten.⁴

Praktisch alle menschlichen Kulturen, auch solche die keinen bedeutenden Handel betreiben oder modernere Geldformen verwenden, kreieren und schätzen Schmuck und begehren bestimmte Objekte mehr wegen ihrer künstlerischen oder kulturellen Qualitäten als wegen ihres Nutzens. Wir Menschen sammeln Halsketten aus Muscheln und andere Arten von Schmuck zum puren Genuss. Für die Evolutionspsychologie ist eine Erklärung, dass der Mensch etwas für “das bloße Vergnügen daran” tut, überhaupt keine Erklärung — sondern das Aufwerfen eines Problems. Warum finden so viele Menschen das Sammeln und Tragen von Schmuck angenehm? Für den Evolutionspsychologen stellt sich hier die folgende Frage: “Was hat dazu geführt, dass sich diese Begeisterung entwickelt hat?”

Detail der Halskette aus einer Bestattung in Sungir, Russland, 28.000 B.P., ineinandergreifende und austauschbare Perlen. Jede Mammut-Elfenbeinperle muss möglicherweise ein bis zwei Stunden Arbeit in Anspruch genommen haben.²⁴

Evolution, Kooperation und Sammelobjekte

Die Evolutionspsychologie beginnt mit einer wichtigen mathematischen Entdeckung von John Maynard Smith⁵. Unter Verwendung von Bevölkerungsmodellen, von sich entwickelnden Genen aus dem gut analysierten Bereich der Populationsgenetik, definierte Smith Gene, die für gute oder schlechte Strategien sorgen können, die in einfachen strategischen Problemstellungen (den “Spielen” der Spieltheorie) verwendet werden. Smith bewies, dass diese Gene, die um die Verbreitung in zukünftigen Generationen konkurrieren, Strategien entwickeln werden, die Nash-Gleichgewichte zu den strategischen Problematiken der Konkurrenz sind. Diese Simulationen umfassen das Gefangenendilemma, ein typisches Problem der Zusammenarbeit und das Falke-Taube-Spiel, ein exemplarisches Problem der Linderung von Aggressionspotential.

Von entscheidender Bedeutung für Smiths Theorie ist, dass diese Strategiespiele, obwohl sie unmittelbar zwischen den einzelnen Phänotypen ausgetragen werden, in Wirklichkeit Spiele zwischen den Genen auf dem allerhöchsten Niveau sind — dem Niveau des Wettbewerbs um die Fortpflanzung. Die Gene — nicht unbedingt die Individuen — beeinflussen das Verhalten, als wären sie begrenzt rational (Codierung für möglichst optimale Strategien, innerhalb der Grenzen dessen, was Phänotypen angesichts der biologischen Rohmaterialien und der Vorgeschichte der Evolution ausdrücken können) und “egoistisch” (um Richard Dawkins’ Metapher zu verwenden). Genetische Einflüsse auf das Verhalten sind Anpassungen an die sozialen Probleme von Genen, die durch ihre Phänotypen konkurrieren. Smith nannte diese entwickelten Nash-Gleichgewichte “evolutionär stabile Strategien”.

Die “Epizyklen”, die auf früheren individuellen Selektionstheorien aufbauen, wie der sexuellen Selektion und der Verwandtenselektion, verschwinden in diesem allgemeineren Modell, das auf kopernikanische Weise die Gene und nicht den Einzelnen in den Mittelpunkt der Theorie stellt. So wie Dawkins’ metaphorische und oft missverstandene Formulierung, “egoistisches Gen”, die Smith’s Theorie beschreibt.

Nur wenige andere Arten kooperieren in der Form, wie es der paläolithische Mensch tut. In einigen Fällen — Brutpflege, Ameisen-, Termiten- und Bienenvölker usw., kooperieren die Tiere, weil sie verwandt sind — weil sie Kopien ihrer “egoistischen Gene” helfen können, die sie in ihrer Verwandtschaft finden. In einigen sehr begrenzten Fällen gibt es auch eine kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Nicht-Verwandten, die die Evolutionspsychologen als reziproken Altruismus bezeichnen. Wie Dawkins es beschreibt⁵, kann die eine oder andere Partei betrügen, es sei denn, ein Austausch von Gefälligkeiten ist gleichzeitig (und manchmal sogar dann). Und das tun sie normalerweise. Dies ist das typische Ergebnis eines Spiels das der Theoretiker “Gefangenendilemma” nennt — wenn beide Parteien kooperieren würden, wären beide besser dran, aber wenn man betrügt, gewinnt man auf Kosten des Naivlings. In einer Population von Betrügern und Naiven gewinnen die Betrüger immer. Manchmal kommen Tiere jedoch durch wiederholte Interaktionen und eine Strategie namens Tit-for-Tat (wie du mir so ich dir) zur Zusammenarbeit: Sie beginnen mit der Zusammenarbeit und halten die Zusammenarbeit aufrecht, bis die andere Partei betrügt — dann gestehen sie sich den Fehler ein. Die Gefahr von Vergeltungsmaßnahmen motiviert zur weiteren Zusammenarbeit.

Die Situationen, in denen eine solche Zusammenarbeit tatsächlich in der Tierwelt stattfindet, sind sehr begrenzt. Die Haupteinschränkung besteht darin, dass sich diese Zusammenarbeit auf Beziehungen beschränkt, in denen mindestens einer der Teilnehmer mehr oder weniger gezwungen ist, in der Nähe des anderen zu sein. Am häufigsten passiert das, wenn sich Parasiten und Wirte, die den Körper teilen, zu Symbionten entwickeln. Wenn die Interessen des Parasiten und des Wirtes übereinstimmen, so dass beide zusammen besser funktionieren als einzeln, (d.h. der Parasit bringt auch dem Wirt einen gewissen Nutzen), dann werden sie, wenn sie ein erfolgreiches Wie-du-mir-so-ich-dir spielen können, eine Symbiose entwickeln — ein Zustand, in dem ihre Interessen und vor allem der Austrittsmechanismus der Gene von einer Generation zur nächsten übereinstimmen. Sie werden zu einem einzigen Organismus. Aber es gibt hier viel mehr als nur Zusammenarbeit — es gibt auch Ausbeutung. Beides tritt oft gleichzeitig auf. Das ist analog zu einer Situation, die Menschen entwickeln würden — ein Tribut — welches wir im Folgenden analysieren.

Es treten einige sehr spezielle Fälle auf, bei denen Parasit und Wirt nicht den gleichen Körper teilen und sich zu Symbionten entwickeln. Es handelt sich um Tiere, die nicht artverwandt sind, und um sehr spezifische Bedürfnisse. Ein prominentes Beispiel, das Dawkins beschreibt, sind Putzerfische. Diese Fische schwimmen in und aus dem Mund ihrer Wirte, fressen dort die Bakterien und kommen den Wirtsfischen zugute. Der Wirtsfisch könnte betrügen — er könnte warten, bis der Reiniger seine Arbeit beendet hat, und ihn dann essen. Aber das tun sie nicht. Da sie beide mobil sind, sind sie beide potentiell frei, die Partnerschaft zu verlassen. Die Putzfische haben jedoch ein sehr starkes Gefühl für die individuelle Territorialität entwickelt und haben Streifen und Tänze, die schwer zu fälschen sind — ähnlich einem schwer zu fälschenden Markenlogo. So wissen die Wirtsfische, wohin sie gehen müssen, um sich reinigen zu lassen — und sie wissen, dass sie, wenn sie mogeln, von neuem mit einem neuen misstrauischen Putzfisch von vorne anfangen müssen. Die Eintrittskosten und damit die Austrittskosten der Beziehung sind hoch, so dass sie ohne einen Betrug funktioniert. Außerdem sind die Putzfische winzig, so dass der Nutzen des Verzehrs nicht groß ist, verglichen mit dem Nutzen einer oder mehrerer Reinigungen.

Eines der wichtigsten Beispiele ist die Vampirfledermaus. Wie ihr Name schon sagt, saugt sie das Blut von Beutetieren aus. Das Interessante ist, dass sie in einer guten Nacht einen Überschuss zurückbringt; in einer schlechten Nacht nichts. Ihr düsteres Geschäft ist sehr unberechenbar. Daher teilen sich die erfolgreichen (oder erfahrenen) Fledermäuse oft Blut mit den weniger erfolgreichen (oder erfahrenen) Fledermäusen in ihrer Höhle. Sie erbrechen das Blut und der dankbare Empfänger isst es.

Die überwiegende Mehrheit dieser Empfänger sind Verwandte. Von 110 solcher Regurgitationen, die der Biologe G.S. Wilkinson beobachtete, waren 77 Fälle Mütter, die ihre Kinder fütterten, und die meisten anderen Fälle betrafen auch genetische Verwandte. Es gab jedoch eine kleine Zahl, die sich nicht mit verwandtschaftlichem Altruismus erklären ließ. Um zu zeigen, dass es sich um Fälle von reziprokem Altruismus handelte, vereinte Wilkinson die Populationen von Fledermäusen aus zwei verschiedenen Gruppen. Fledermäuse, mit sehr wenigen Ausnahmen, fütterten nur alte Freunde aus ihrer ursprünglichen Gruppe.⁵ Eine solche Kooperation erfordert den Aufbau einer langfristigen Beziehung, in der die Partner häufig interagieren, sich gegenseitig erkennen und das Verhalten des anderen im Auge behalten. Die Fledermaushöhle hilft, die Fledermäuse in langfristige Beziehungen zu zwingen, in denen sich solche Bindungen bilden können.

Wir werden sehen, dass auch einige Menschen schwer zu ergatternde und seltene Beutegegenstände nahmen und deren Überschüsse mit Nicht-Verwandten teilten. Tatsächlich haben sie dies sogar weitaus öfter getan als die Vampirfledermaus. Wie sie das gemacht haben, ist das Hauptthema unseres Essays. Dawkins meint, “Geld ist ein formales Zeichen für verzögerten wechselseitigen Altruismus”, verfolgt aber diese faszinierende Idee dann nicht weiter. Wir werden das tun.

In kleinen Menschengruppen kann das öffentliche Ansehen für ein einzelnes Individuum wichtiger werden, als aufgrund eines Vorfalls Rache auszuüben, um die andauernde Kooperation bei der verzögerten Gegenleistung (Reziprozität) sicherzustellen. Allerdings können reputationsbezogene Überzeugungen unter zwei Arten von Fehlern leiden — Fehlinformationen darüber, welche Person was getan hat und Fehler bei der Bewertung des Wertes oder der Schäden, die durch diese Handlung verursacht wurden.

Die Notwendigkeit, sich an Gesichter und Gefälligkeiten zu erinnern, ist eine große kognitive Hürde, die aber für die meisten Menschen relativ leicht zu überwinden ist. Gesichter zu erkennen ist einfach, aber sich in dem Moment daran zu erinnern, dass ein Gefallen geschah, in dem es notwendig ist dies abzurufen, kann relativ schwierig sein. Sich an die Einzelheiten eines Gefallens zu erinnern, dem ein anderer einen gewissen Wert zugeschrieben hatte, ist noch schwieriger. Die Vermeidung von Streitigkeiten und Missverständnissen kann je nach Situation abwegig oder unvorstellbar schwierig sein.

Das Problem der Bewertung oder Wertbestimmung ist sehr weitreichend. Für Menschen kommt es in jedem System des Austauschs ins Spiel — Gegenleistung von Gefälligkeiten, Tausch, Geld, Kredit, Beschäftigung oder der Kauf in einem Markt. Es ist wichtig in Bezug auf Erpressung, Besteuerung, Abgaben und die Verhängung von gerichtlichen Sanktionen. Es ist sogar wichtig für den gegenseitigen Altruismus bei Tieren. Betrachtet man Affen, die Gefälligkeiten austauschen — sagen wir Fruchtstücke gegen Rückenkratzer: Die gegenseitige Pflege kann Zecken und Flöhe entfernen, die ein Individuum nicht sehen oder erreichen kann. Aber wie viel Pflege im Vergleich zu wie vielen Fruchtstücken stellt eine Gegenleistung dar, die von beiden Seiten als “fair”, d.h. nicht als übertrieben angesehen wird? Sind zwanzig Minuten Rückenkratzen ein oder zwei Früchte wert? Und wie groß muss ein Stück dann sein?

Selbst der einfache Fall des Handels mit Blut gegen Blut ist komplizierter, als er scheint. Wie schätzen die Fledermäuse den Wert des erhaltenen Blutes ein? Schätzen sie den Wert einer Gefälligkeit nach Gewicht, nach Masse, nach Geschmack, nach ihrer Fähigkeit Hunger zu stillen, oder nach anderen Variablen? Gleichwohl entstehen Komplikationen bei der Messung auch beim einfachen Affentausch von “du kratzt mir den Rücken und ich kratze deinen”.

Für die überwiegende Mehrheit der potenziellen Austausche ist das Messproblem für Tiere unlösbar. Noch mehr als die Problematik, sich an Gesichter zu erinnern und sie mit Gefälligkeiten abzugleichen, ist die Fähigkeit beider Parteien, sich mit ausreichender Genauigkeit auf eine Schätzung des Wertes zu einigen, wahrscheinlich das Haupthindernis für gegenseitigen Altruismus bei Tieren.

Die Stein-Werkzeuge des frühen paläolithischen Menschen hingegen, die wir zum Glück bis heute gut erhalten finden konnten, waren in mancher Hinsicht tatsächlich zu kompliziert für Gehirne unserer Größe. Den Überblick über die Gefälligkeiten zu behalten, die sie betreffen — wer welche Qualität des Werkzeugs für wen hergestellt hat und wer also wem was schuldet und so weiter — wäre außerhalb der Grenzen des Clans zu schwierig gewesen. Hinzu kommt wahrscheinlich eine große Vielfalt an organischen Objekten, flüchtigen Dienstleistungen (wie z.B. Pflege) und so weiter, die natürlich heute nicht mehr auffindbar sind. Nachdem auch nur ein kleiner Bruchteil dieser Waren transferiert worden war und die Dienstleistungen erbracht wurden, konnte unser Gehirn, so aufgebläht es auch sein mag, unmöglich den Überblick behalten, wer wem was schuldet. Heute schreiben wir diese Dinge oft auf — aber der Steinzeitmensch hatte keine Möglichkeit zu schreiben. Wenn es zu einer Zusammenarbeit zwischen Clans und sogar Stämmen kam, wie die archäologischen Aufzeichnungen zeigen, wird das Problem noch viel gravierender, da Jäger-Sammler-Stämme in der Regel sehr antagonistisch und gegenseitig misstrauisch waren.

Wenn Muscheln Geld sein können, Pelze Geld sein können, Gold Geld sein kann, und so weiter — wenn Geld nicht nur Münzen oder Scheine sind, die von einer Regierung nach den Gesetzgebungen für Zahlungsmittel ausgegeben werden, sondern vielmehr eine große Vielfalt von Objekten sein kann — was ist dann überhaupt Geld? Und warum haben die Menschen, die oft am Rande des Hungers lebten, so viel Zeit damit verbracht, diese Halsketten herzustellen und wertzuschätzen, obwohl sie hätten mehr jagen und sammeln können? Der Ökonom Carl Menger¹⁵ aus dem 19. Jahrhundert beschrieb erstmals, wie sich Geld auf natürliche und unvermeidliche Weise aus einem ausreichenden Volumen an Warentausch entwickelt. Die heutigen wirtschaftlichen Verhältnisse sprechen für die Herleitung von Menger.

Tauschhandel erfordert eine Übereinstimmung der Interessen. Alice baut einige Pekannüsse an und will einige Äpfel; Bob baut Äpfel an und will einige Pekannüsse. Sie haben zufällig ihre Obstgärten in der Nähe zueinander und Alice vertraut Bob zufällig genug, um zwischen der Pekannuss- und der Apfelernte zu warten. Unter der Annahme, dass alle diese Bedingungen erfüllt sind, funktioniert der Tausch ziemlich gut. Aber wenn Alice Orangen anbauen würde, auch wenn Bob Orangen genau so gern wie Pekannüsse wollte, hätten sie Pech — Orangen und Äpfel wachsen nicht im selben Klima gut. Wenn Alice und Bob einander nicht trauen würden und keinen Dritten finden könnten, der ein vermittelt¹⁴,oder einen Vertrag durchsetzt, hätten sie ebenfalls Pech gehabt.

Weitere Komplikationen können auftreten. Alice und Bob können das Versprechen, in Zukunft Pekannüsse oder Äpfel zu verkaufen, nicht vollständig einhalten, denn unter anderem könnte Alice die besten Pekannüsse für sich behalten (und Bob die besten Äpfel) und dem anderen die schlechteren geben. Der Vergleich der Eigenschaften sowie der Mengen zweier verschiedener Warenarten ist umso schwieriger, da der Zustand einer der Waren nur eine Erinnerung ist. Außerdem kann man auch keine Ereignisse wie eine schlechte Ernte vorhersehen. Diese Komplikationen sorgen dafür, dass Alice und Bob sich nicht darüber einigen können, ob ein wechselseitiger Gefallen ausgeglichen war. Diese Art von Komplikationen nehmen zu, je größer das Zeitintervall und die Unsicherheit zwischen der ursprünglichen Transaktion und der Gegenleistung ist.

Ein damit verbundenes Problem ist, dass, wie Ingenieure sagen würden, der Tauschhandel “nicht skaliert”. Tauschhandel funktioniert gut bei kleinen Mengen, wird aber bei großen Mengen immer teurer, bis er zu teuer wird, um den Aufwand zu rechtfertigen. Wenn es n Waren und Dienstleistungen gibt, die gehandelt werden sollen, erfordert ein Tauschmarkt  Preise. Fünf Produkte würden fünfundzwanzig Preise erfordern, was nicht allzu schlimm ist, aber 500 Produkte würden 250.000 Preise erfordern, was weit über das hinausgeht, was für eine Person praktikabel ist. Mit Geld gibt es nur n Preise — 500 Produkte, 500 Preise. Geld kann zu diesem Zweck entweder als Tauschmittel oder einfach als Maßstab für den Wert dienen — solange die Anzahl der Geldpreise selbst nicht zu groß wird, um sie sich zu merken oder sie sich nicht zu oft ändern. (Das letztgenannte Problem, zusammen mit einem impliziten Versicherungs-“Vertrag” und dem Fehlen eines wettbewerbsorientierten Marktes, könnte erklären, warum die Preise oft durch alte Gewohnheiten und nicht durch unmittelbare Verhandlungen festgelegt wurden).

Tauschhandel erfordert, mit anderen Worten, Zufälle von Angebot oder Fähigkeiten, Präferenzen, Zeit und niedrige Transaktionskosten. Seine Kosten steigen weitaus schneller als das Wachstum der Zahl der gehandelten Waren. Tauschhandel funktioniert sicherlich viel besser als gar kein Handel und ist weit verbreitet. Aber er ist im Vergleich zum Handel mit Geld recht eingeschränkt.

Primitives Geld existierte lange vor großen Handelsnetzen. Geld hatte einen noch früheren und wichtigeren Nutzen. Geld verbesserte die Funktionsweise selbst kleiner Tauschgeschäfte erheblich, indem es den Bedarf an Krediten stark reduzierte. Die zeitgleiche Koinzidenz der Präferenz war weitaus seltener als die Koinzidenz über lange Zeiträume. Mit Geld konnte Bob Alice bezahlen, während der Reifung der Heidelbeeren in diesem Monat und jagte dafür für Alice während der Wanderung der Mammutherden sechs Monate später, ohne dass sie entweder den Überblick behalten mussten, wer wem etwas schuldet, noch der Erinnerung oder Ehrlichkeit des anderen vertrauen mussten. Die viel größere Investition einer Mutter in die Kindererziehung konnte durch Geschenke von nicht fälschbaren Wertsachen gedeckt werden. Geld wandelt die Arbeitsteilung von einem Gefangenendilemma in einen einfachen Tausch um.

Das Prototypen-Geld, das von vielen Jäger-Sammler-Stämmen verwendet wurde, sieht sehr anders aus als modernes Geld, dient jetzt einer anderen Rolle in unserer modernen Kultur und hatte eine Funktion, die sich wahrscheinlich auf kleine Handelsnetzwerke und andere lokale Institutionen beschränkte, die im Folgenden erläutert werden. Ich werde daher solche Gelder nun Sammelobjekte nennen, anstelle von Geld an sich. Die in der anthropologischen Literatur für solche Objekte verwendeten Begriffe sind in der Regel entweder “Geld”, das weiter gefasst ist als nur staatlich gedruckte Banknoten und Münzen, aber enger als wir in diesem Essay “Sammelobjekt” verwenden werden, oder das vage “Wertgegenstand”, das sich manchmal auf Gegenstände bezieht, die keine Sammelobjekte im Sinne dieses Essays sind. Es werden Gründe für die Wahl des Begriffs Sammelobjekt gegenüber anderen möglichen Namen für Prototypen-Geld ersichtlich werden. Sammlerstücke hatten sehr spezifische Eigenschaften. Sie waren nicht nur symbolisch. Während die als Sammlerstücke geschätzten konkreten Objekte und Attribute zwischen den Kulturen variieren können, waren sie keineswegs willkürlich. Die primäre und ultimative evolutionäre Funktion von Sammlerstücken war als Medium für die Speicherung und Übertragung von Vermögen zu agieren. Einige Arten von Sammlerstücken, wie z.B. Wampum, waren dem heutigen Geld sehr ähnlich, da auch dort die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen den Handel förderten. Ich werde gelegentlich die Begriffe “Prototypen-Geld” und “primitives Geld” synonym mit “Sammelobjekt” verwenden, wenn ich über die Medien des Vermögenstransfers vor der Münzprägung spreche.

Gewinne durch den Vermögenstransfer

Menschen, Clans oder Stämme handeln freiwillig, weil beide Seiten glauben, etwas zu gewinnen. Ihre Überzeugungen über den Wert können sich nach dem Handel ändern, z.B. wenn sie Erfahrungen mit dem Gut oder der Dienstleistung machen. Ihre Überzeugungen zum Zeitpunkt des Handels sind zwar bis zu einem gewissen Grad ungenau in Bezug auf den Wert, aber in der Regel immer noch korrekt in Bezug auf die Tatsache, dass der Handel ein Gewinn war. Besonders im frühen Zwischenhandel, der sich auf hochwertige Gegenstände beschränkte, gab es für jede Partei einen starken Anreiz, ihre Überzeugungen richtig zu formulieren. So kam der Handel fast immer beiden Parteien zugute. Handel schuf Wert ebenso wie der physische Akt, etwas zu produzieren.

Da Einzelpersonen, Clans und Stämme alle in ihren Vorlieben unterschiedlich sind und auch in ihrer Fähigkeit, diese Vorlieben zu befriedigen, sowie in ihren Vorstellungen über diese Fähigkeiten und Vorlieben und die daraus resultierenden Objekte, werden immer wieder Gewinne aus dem Handel erzielt. Ob die Kosten für die Durchführung dieser Geschäfte — Transaktionskosten — niedrig genug sind, um die Geschäfte lohnenswert zu machen, ist eine andere Frage. In unserer heutigen Zivilisation sind weit mehr Geschäfte möglich als in den meisten anderen Teilen der Menschheitsgeschichte. Dennoch, wie wir sehen werden, waren einige Arten von Geschäften für einige Kulturen wahrscheinlich schon seit der Entstehung des Homo sapiens sapiens mehr wert als Ihre Transaktionskosten und scheinen sich damit gelohnt zu haben.

Freiwillige Spontangeschäfte sind nicht die einzigen Arten von Transaktionen, die von niedrigen Transaktionskosten profitieren. Dies ist der Schlüssel zum Verständnis der Herkunft und Entwicklung des Geldes. Familienerbstücke konnten als Sicherheit verwendet werden, um das Kreditrisiko aus verzögerten Tauschgeschäften zu beseitigen. Die Fähigkeit eines siegreichen Stammes, den Besiegten den Tribut zu entziehen, war für den Sieger von großem Nutzen. Der Fähigkeit des Siegers, Tribute zu sammeln, lagen einige der gleichen Arten von Transaktionskosten zugrunde wie beim Handel. So auch der Kläger bei der Beurteilung von Schadenersatz für Verstöße gegen Sitten oder Gesetze und Verwandtengruppen, die eine Ehe arrangieren. Angehörige profitierten auch von den zeitnahen und friedlichen Schenkungen von Vermögen durch Erbschaft. Die großen menschlichen Lebensereignisse, die moderne Kulturen von der Handelswelt trennen, haben nicht weniger als der Handel, und manchmal sogar noch mehr, von Technologien profitiert, die die Transaktionskosten senken. Keine dieser Technologien war effektiver, wichtiger oder schon früher genutzt als primitives Geld — Sammelobjekte.

Als der Homo sapiens sapiens den Homo sapiens neanderthalis verdrängte, folgten Bevölkerungsexplosionen. Belege aus der Übernahme in Europa, ca. 40.000 bis 35.000 B.P., deuten darauf hin, dass Homo sapiens sapiens die Belastbarkeit seiner Umwelt um den Faktor zehn gegenüber Homo sapiens neanderthalis erhöhte — d.h. die Bevölkerungsdichte verzehnfachte sich.⁴ Darüber hinaus hatten die Neuankömmlinge freie Zeit gewonnen, um die weltweit erste Kunst zu schaffen. Wie die wunderbaren Höhlenmalereien, eine Vielzahl von gut gefertigten Figuren und natürlich die wunderbaren Anhänger und Halsketten aus Muscheln, Zähnen und Eierschalen zeigen.

Diese Objekte waren keine nutzlosen Ziergegenstände. Neue effektive Vermögenstransfers, die durch Sammelobjekte sowie andere Fortschritte der Epoche, der Sprache, ermöglicht wurden, schufen neue kulturelle Institutionen, die wahrscheinlich die führende Rolle bei der Erhöhung der Nutzbarkeit spielten.

Die Neulinge, Homo sapiens sapiens, hatten ein gleichgrosses Gehirn, schwächere Knochen und kleinere Muskeln als die Neandertaler. Ihre Jagdwerkzeuge waren ausgefeilter, aber in 35.000 B.P. waren sie im Grunde genommen die gleichen Werkzeuge — sie waren wahrscheinlich nicht einmal doppelt so effektiv, geschweige denn zehnmal so effektiv. Der größte Unterschied mag der Vermögenstransfer gewesen sein, der durch Sammelobjekte effektiver oder sogar erst möglich wurde. Homo sapiens sapiens genoss es, Muscheln zu sammeln, daraus Schmuck herzustellen, sie zu präsentieren und zu handeln. Homo sapiens neanderthalis nicht. Die gleiche Dynamik war in der Serengeti am Werk gewesen, Zehntausende von Jahren zuvor, als der Homo sapiens sapiens zum ersten Mal in diesem dynamischen Sog der menschlichen Evolution in Afrika auftauchte.

Wir werden aufzeigen, wie die Sammelobjekte die Transaktionskosten bei jeder Art von Vermögenstransfer gesenkt haben — bei der freiwilligen freien Schenkung von Erbschaften, beim freiwilligen gegenseitigen Handel oder bei der Ehe und bei der unfreiwilligen Übertragung auf gerichtliche Urteile hin.

All diese Arten des Wertetransfers fanden in vielen Kulturen der menschlichen Vorgeschichte statt, wahrscheinlich seit Beginn des Homo sapiens sapiens. Die Vorteile, die eine oder beide Parteien aus diesen großen, lebensverändernden Transfers von Vermögenswerten zu erzielen hatten, waren so groß, dass sie trotz hoher Transaktionskosten entstanden sind. Im Vergleich zu modernem Geld hatte primitives Geld eine sehr geringe Umlaufgeschwindigkeit — es konnte nur eine Handvoll Mal im Leben eines durchschnittlichen Menschen übertragen werden. Dennoch konnte ein langlebiges Sammlerstück, das wir heute ein Erbstück nennen würden, über viele Generationen bestehen bleiben und bei jedem Transfer einen erheblichen Mehrwert darstellen — oft sogar den Transfer überhaupt erst ermöglichen. Stämme verbrachten daher oft viel Zeit mit den scheinbar leichtfertigen Aufgaben der Herstellung und Erforschung der Rohstoffe von Schmuck und anderen Sammelobjekten.

Der Kula-Ring

Das Kula-Handelsnetz der präkolonialen Melanesier. Die Wertgegenstände der Kula dienten als “hochrangiges” Geld und als Gedächtnisstütze für Geschichten und Gerüchte. Viele der gehandelten Waren, vor allem landwirtschaftliche Produkte, waren in verschiedenen Jahreszeiten erhältlich und konnten daher nicht in Naturalien gehandelt werden. Kula Sammlerstücke lösten dieses Problem des Doppelzufalls als ein unnachahmlich kostspieliges, tragbares (zur Sicherheit) und zirkulierendes (wörtlich!) Geld. Halsketten zirkulierten im Uhrzeigersinn, Armschalen gegen den Uhrzeigersinn in einem sehr regelmäßigen Muster. Durch die Lösung des Problems des doppelten Zufalls würde sich eine Rüstung oder Halskette nach nur wenigen Geschäften als wertvoller erweisen als ihre Anschaffungskosten, könnte aber Jahrzehnte lang zirkulieren. Gerüchte und Geschichten, die über frühere Besitzer der Sammlerstücke erzählten, lieferten weitere Informationen über die stromaufwärtige Kredit- und Liquiditätslage. In anderen neolithischen Kulturen wurden Sammlerstücke, meist Muscheln, in einem weniger regelmäßigen Muster zirkuliert, hatten aber ähnliche Zwecke und Eigenschaften.¹⁴

Kula Armschelle (Mwali)
Kula Halsketten (Bagi)

Für jede Institution, in der der Vermögenstransfer ein wichtiger Bestandteil ist, stellen wir die folgenden Fragen:

  1. Welcher Zufall in der Zeit zwischen dem Ereignis, dem Angebot für das übertragene Gut und der Nachfrage für das übertragene Gut war notwendig? Wie unmöglich wurde bzw. wie hoch war die Barriere für den Vermögenstransfer, durch die Unwahrscheinlichkeit des Zufalls?
  2. Würden die Vermögenstransfers einen geschlossenen Kreislauf von Sammelobjekten bilden, der nur auf dieser Basis erfolgt, oder wären andere Vermögenstransferinstitutionen notwendig gewesen, um die Umlaufzyklen abzuschließen? Es ist entscheidend für das Verständnis der Entstehung von Geld, den tatsächlichen Verlauf des Geldkreislaufs zu begreifen. Die allgemeine Zirkulation unter einer Vielzahl von Handelsbereichen fehlte und existierte nicht für den größten Teil der menschlichen Vorgeschichte. Ohne abgeschlossene und sich wiederholende Kreisläufe würden Sammelobjekte nicht zirkulieren und würden wertlos werden. Ein Sammlerstück, musste einen Mehrwert in genügend Transaktionen schaffen, um es wert zu sein es herzustellen und um seine Kosten zu amortisieren.

Wir werden zunächst die Art der Übermittlung prüfen, die uns heute am vertrautesten und wirtschaftlich sehr wichtig ist — den Handel.

Die Hunger-Versicherung

Bruce Winterhalder²⁶ untersucht Modelle, wie und warum Nahrungsmittel manchmal zwischen Tieren ausgetauscht werden: geduldeter Diebstahl, Produktion/Schnorren/Opportunismus, risikosensitives Überleben, Gegenseitigkeitsprinzip, verzögerte Gegenseitigkeit, Handel/Austausch nicht in Naturalien und andere Auswahlmodelle (einschließlich Verwandtschaftsaltruismus). Dabei konzentrieren wir uns auf risikosensitives Überleben, verzögerte Gegenseitigkeit und Handel (Austausch ungleicher Waren/Dienstleistungen). Wir argumentieren, dass das Ersetzen des Handels mit Lebensmitteln durch Sammelgegenstände aufgrund verzögerter Gegenseitigkeit des Austausch der Lebensmittel erhöhen kann. Dies geschieht, indem die Risiken einer variablen Nahrungsmittelversorgung gemildert und gleichzeitig die weitgehend unüberwindbaren Probleme der verzögerten Reziprozität zwischen den Gruppen vermieden werden. Wir werden uns im Folgenden auch mit verwandtschaftlichem Altruismus und Diebstahl (toleriert oder nicht) in einem breiteren Kontext befassen.

Nahrung ist den hungernden Menschen viel mehr wert als den gut gesättigten. Wenn der hungernde Mensch sein Leben retten kann, indem er seine wertvollsten Wertsachen eintauscht, kann es für ihn Monate oder sogar Jahre der Arbeit wert sein, die es dauern könnte, diesen Wert zu ersetzen. Er wird sein Leben in der Regel für mehr wert halten als den sentimentalen Wert der Familienerbstücke. Wie Körperfett selbst können Sammelobjekte eine Versicherung gegen Nahrungsmangel bieten. Der Hungertod durch lokale Engpässe könnte durch mindestens zwei verschiedene Arten von Handeln abgewendet werden — für das Essen selbst, oder für Nahrungssuche und Jägereirechte.

Dennoch waren die Transaktionskosten in der Regel zu hoch — Gruppen kämpften viel häufiger miteinander, als dass sie sich vertrauten. Die hungrige Bande, die ihr Essen nicht auftreiben konnte, verhungerte meist. Wenn jedoch die Transaktionskosten gesenkt werden könnten, indem das Bedürfnis nach Vertrauen zwischen den Gruppen gesenkt wird, könnte Essen, das einen Tag Arbeit für eine Gruppe wert war, mehrere Monate Arbeit für die hungernde Gruppe wert sein.

Lokaler, aber äußerst wertvoller Handel, so argumentiert dieser Aufsatz, wurde in vielen Kulturen durch das Aufkommen von Sammelobjekten zur Zeit des Jungpaläolithikums ermöglicht. Die Sammlerstücke ersetzten die ansonsten notwendigen, aber nicht vorhandenen vertrauensvollen langfristigen Beziehungen. Wenn es ein hohes Maß an nachhaltiger Interaktion und Vertrauen zwischen Stämmen oder Individuen verschiedener Stämme gegeben hätte, so dass sie sich gegenseitig ungesicherte Kredite gegeben hätten, hätte dies den Tauschhandel mit Zeitverzögerung stimuliert. Ein so hohes Maß an Vertrauen ist dann jedoch höchst unwahrscheinlich — aus den oben genannten Gründen des gegenseitigen Altruismus, bestätigt durch die empirischen Beweise, dass die meisten Beziehungen zwischen Jäger und Sammler als sehr antagonistisch angesehen wurden. Jäger-Sammler-Gruppen trennten sich in der Regel die meiste Zeit des Jahres in kleinere Grüppchen und trafen sich für einige Wochen im Jahr zu “Versammlungen”, in etwa wie bei mittelalterlichen europäischen Messen. Trotz des fehlenden Vertrauens zwischen den Gruppen fand ein wichtiger Handel mit Grundnahrungsmitteln, wie in der nebenstehenden Abbildung dargestellt, fast sicher in Europa und wahrscheinlich auch anderswo statt, wie beispielsweise bei den Großwildjägern in Amerika und Afrika.

Rentiere, Bisons und andere Beutetiere wanderten zu verschiedenen Zeiten des Jahres. Verschiedene Stämme spezialisierten sich auf verschiedene Beutetiere, bis zu dem Punkt, an dem über 90% und manchmal sogar bis zu 99% der Überreste von vielen Stätten während des Paläolithikums in Europa von einer einzigen Tierart stammen.⁴ Dies deutet auf eine zumindest saisonale Spezialisierung und möglicherweise eine Vollzeitspezialisierung eines Stammes auf eine einzelne Spezies hin. Soweit sie sich spezialisierten, wurden die Mitglieder eines einzelnen Stammes zu Experten für das Verhalten, die Wandergewohnheiten und andere Muster rund um ihre spezifische Beuteart sowie für die speziellen Werkzeuge und Techniken zu ihrer Jagd. Einige Stämme, die in jüngster Zeit beobachtet wurden, sind bekannt dafür, dass sie sich spezialisiert haben. Einige nordamerikanische Indianerstämme spezialisierten sich jeweils auf die Jagd auf Bison, Antilope und das Angeln von Lachsen. In Nordrussland und Teilen Finnlands haben sich viele Stämme, darunter auch heute noch die Lappländer, auf die Haltung einer einzigen Rentierart spezialisiert.

Eine solche Spezialisierung war wahrscheinlich weitaus ausgeprägter, als größere Beutetiere (Pferde, Auerochsen, Riesenelche, Bison, Riesenfaultiere, Mastodons, Mammuts, Zebras, Elefanten, Nilpferde, Giraffen, Moschusochsen usw.) in Nordamerika, Europa und Afrika noch in großen Herden (während des Paläolithikums) wanderten. Große Wildtiere, die keine Angst vor Menschen haben, gibt es heute nicht mehr. Im Paläolithikum wurden sie entweder ausgelöscht oder die Angst vor Menschen und unseren Schusswaffen hat sich eingeprägt. Für den Großteil der Zeitspanne des Homo Sapiens Sapiens waren diese Herden jedoch sehr zahlreich vorhanden und für spezialisierte Jäger leicht zu erbeuten. Nach unserer Theorie der handelsbasierten Beutejagd war die Spezialisierung wahrscheinlich weitaus ausgeprägter, als große Beutetiere während des Altsteinzeitalters in großen Herden durch Nordamerika, Europa und Afrika streiften. Die handelsbasierte Arbeitsteilung bei der Jagd zwischen den Stämmen steht im Einklang mit den archäologischen Beweisen aus dem Paläolithikum in Europa (wenn auch nicht sicher bestätigt).

Diese wandernden Stämme, die ihren Herden folgten, interagierten häufig mit anderen und schufen dabei viele Möglichkeiten für den Handel. Amerikanische Indianer konservierten Lebensmittel durch Trocknen, Herstellen von Pemmikan usw. auf eine Weise, die einige Monate dauerte, aber normalerweise nicht ein ganzes Jahr. Solche Lebensmittel wurden allgemein gehandelt, zusammen mit Häuten, Waffen und Sammelobjekten. Oftmals fanden diese Transaktionen während der jährlichen Handelstreffen statt.¹⁹

Große Herdentiere wanderten nur zweimal im Jahr durch ein Gebiet, in einem Zeitraum von meist ein bis zwei Monaten. Ohne eine andere Proteinquelle als der auf deren Jagd sie sich spezialisiert hatten, wären diese hoch spezialisierten Stämme verhungert. Der sehr hohe Grad der Spezialisierung, der sich in der archäologischen Aufzeichnung zeigt, konnte nur dann aufkommen, wenn es Handel gab.

Selbst wenn also der zeitversetzte Tausch von Fleisch die einzige Art von Handel wäre, reicht dies völlig aus, um die Verwendung von Sammelobjekten durchaus lohnenswert zu machen. Die Halsketten, Feuersteine und alle anderen Gegenstände, die als Geld verwendet werden, zirkulieren in einem geschlossenen Kreislauf, hin und her, in etwa gleichen Mengen, solange der Wert des gehandelten Fleisches ungefähr gleich bleibt. Es reicht natürlich nicht als Beweis, dass die in diesem Papier dargelegte Theorie der Sammelobjekte richtig ist, dass einzelne vorteilhafte Geschäfte möglich waren. Wir müssen geschlossene Kreisläufe von gegenseitig nützlichen Geschäften identifizieren. Bei geschlossenen Kreisläufen zirkulieren die Sammlerstücke weiter und amortisieren ihre Kosten.

Wie bereits erwähnt, wissen wir aus archäologischen Überresten, dass viele Stämme sich auf eine einzige große Tierart als Beute spezialisiert haben. Diese Spezialisierung war zumindest saisonal; wenn es sehr umfangreichen Handel gab, hätte es eine auch eine Vollzeitbeschäftigung sein können. Ein Stamm, der sich zu Experten für die Gewohnheiten und Migrationsmuster und die besten Methoden zur Erlegung entwickelte, erlangte enorme Produktivitätsvorteile. Diese Vorteile wären jedoch normalerweise nicht erreichbar, denn die Spezialisierung auf eine einzige Art bedeutete, den größten Teil des Jahres ohne Nahrung auskommen zu müssen. Die Arbeitsteilung zwischen den Stämmen hat sich aber gelohnt — und der Handel hat es ermöglicht. Die Nahrungsversorgung würde sich durch den Handel nur zwischen zwei komplementären Stämmen fast verdoppeln. Es gab jedoch statt zwei Beutetieren, oft bis zu einem Dutzend verschiedener Arten, die durch die meisten Jagdreviere in Gebieten wie der Serengeti und der europäischen Steppe wanderten. Die Fleischmenge, die einem auf Arten spezialisierten Stamm zur Verfügung steht, würde sich daher mit einem solchen Handel zwischen einer Handvoll benachbarter Stämme wahrscheinlich mehr als nur verdoppeln. Außerdem wäre das zusätzliche Fleisch genau dann verfügbar wenn man es am dringendsten benötigt, dann wenn das Fleisch von der Beute eines Stammes bereits gegessen worden ist und die Jäger ohne Nahrung verhungern würden.

Demnach gab es mindestens vier Vorteile oder Gewinnquellen durch einen simplen Handelszyklus aus zwei Tierarten, und zwei nicht-simultane, aber ausgleichende Geschäfte. Diese Gewinne sind deutlich, aber nicht unbedingt unabhängig:

  1. Eine verfügbare Fleischquelle zu einer Zeit des Jahres, in der man sonst verhungern würde.
  2. Eine Erhöhung des gesamten Fleischangebots — sie tauschten den Überschuss über das hinaus, was sie sofort essen oder lagern konnten; was sie nicht tauschten, wäre zu Abfall geworden.
  3. Eine Erhöhung der Vielfalt der Nährstoffversorgung aus Fleisch durch den Verzehr verschiedener Fleischsorten.
  4. Erhöhte Produktivität durch Spezialisierung auf eine einzelne Beuteart.

Die Herstellung oder das Aufbewahren von Gegenständen, die für den Handel mit Lebensmitteln selbst bestimmt waren, war nicht die einzige Möglichkeit, sich gegen schlechte Zeiten zu versichern. Vielleicht sogar noch häufiger, vor allem dort, wo keine großen Beutetiere verfügbar waren, existierte eine Territorialität in Verbindung mit dem Handel mit Weiderechten, sozusagen der Erlaubnis zur Nahrungssuche in einem Gebiet. Dies kann sogar in einigen der Überbleibsel der Jäger- und Sammlerkultur festgestellt werden, die es heute gibt.

Die Kung San im südlichen Afrika leben, wie alle anderen modernen Nachfahren der Jäger- und Sammlerkulturen, auf marginalem Land. Sie haben keine Möglichkeit, sich zu spezialisieren, sondern müssen sich mit den spärlichen Beständen begnügen. Sie sind daher vielleicht eher untypisch für viele antike Jäger- und Sammlerkulturen und untypisch für den ursprünglichen Homo Sapiens Sapiens, der zuerst die üppigsten Länder und besten Wildrouten von den Homo Sapiens Neanderthalis eingenommen hat und erst viel später die Neandertaler aus den marginalen Ländern vertrieben hatte. Doch trotz ihres schweren ökologischen Handicaps nutzen die Kung die Sammelobjekte als Handelswaren.

Wie die meisten Jäger und Sammler verbringen die Kung die meiste Zeit des Jahres in kleinen, verstreuten Gruppen und einige Wochen im Jahr in einer Zusammenkunft mit mehreren anderen Gruppen. Die Versammlung ist wie eine Messe mit weiteren Besonderheiten — es wird gehandelt, Bündnisse werden eingegangen, Partnerschaften gestärkt und Ehen geschlossen. Die Vorbereitung für die Zusammenkunft ist mit der Herstellung von handelbaren Gegenständen verbunden, die zum Teil Gebrauchswert, meistens aber Sammelcharakter haben. Das Tauschsystem, das von den Kung “Hxaro” genannt wird, beinhaltet einen umfangreichen Handel mit Perlenschmuck, einschließlich Anhängern aus Straußenschalen, die denen in Afrika vor 40.000 Jahren sehr ähnlich sind.

Modell des Hxaro-Austausches und der familiären Beziehungen zwischen den benachbarten Stämmen der Jäger und Sammler der Khung San.
Halsketten, die im Hxaro-Tauschhandel verwendet werden.

Eines der wichtigsten Dinge, die die Kung mit ihren Sammlerstücken kaufen und verkaufen, sind abstrakte Rechte, das Gebiet einer anderen Gruppe zu betreten und dort zu jagen oder Nahrung zu sammeln. Der Handel mit diesen Rechten ist besonders rege während lokaler Engpässe, die durch die Nahrungssuche auf dem Territorium eines Nachbarn gemildert werden können.²¹ ²² Kung-Banden markieren ihre Territorien mit Pfeilen; unbefugtes Betreten ohne das Recht auf Einreise und Nahrungssuche kommt einer Kriegserklärung gleich. Wie der oben besprochene Inter-Banden-Handel mit Nahrungsmitteln stellt die Verwendung von Sammelobjekten zum Kauf von Futterrechten eine “Versicherung gegen den Hunger” dar, um den Ausdruck von Stanley Ambrose zu verwenden.²

Obwohl der anatomisch moderne Mensch sicherlich über bewusste Gedanken, Sprache und eine gewisse Planungsfähigkeit verfügte, hätte es wenig bewusste Gedanken oder Sprache und sehr wenig Planung erfordert, um Handel zu betreiben. Es war nicht notwendig, dass die Stammesmitglieder die Vorteile von etwas anderem als einem einzigen Handel herausfinden. Um diese Institution zu schaffen, hätte es genügt, dass die Menschen ihrem Instinkt folgten, um Sammelobjekte mit den unten beschriebenen Eigenschaften zu erhalten (wie durch Beispiel-Beobachtungen angezeigt, die ungefähre Schätzungen für diese Charakteristiken angeben). Dies gilt in unterschiedlichem Maße für die anderen Institutionen, die wir untersuchen werden — sie haben sich entwickelt, anstatt bewusst entworfen worden zu sein. Niemand, der an den Ritualen der Institution teilgenommen hat, hätte ihre Funktion im Sinne einer letztendlichen evolutionären Funktion erklärt; vielmehr erklärten sie ihre Funktion im Sinne einer Vielzahl von Mythologien, die eher als unmittelbare Motivatoren des Verhaltens als als Theorien des letztendlichen Zwecks oder Ursprungs dienten.

Die direkten Beweise für den Handel mit Lebensmitteln sind längst zerfallen. Wir könnten in Zukunft vielleicht mehr direkte Beweise finden, als jetzt für diesen Artikel verfügbar sind, indem wir die Jagdreste in einem Stamm mit den Konsummustern in einem anderen Stamm vergleichen — wobei der schwierigste Teil dieser Aufgabe wahrscheinlich darin besteht, die Grenzen der verschiedenen Stämme oder Verwandtschaftsgruppen zu identifizieren. Unserer Theorie zufolge war ein solcher Fleischtransfer von einem Stamm zum anderen während der Altsteinzeit in vielen Teilen der Welt üblich, wo großflächige und spezialisierte Großwildjagden stattfanden.

Derzeit haben wir umfangreiche indirekte Belege für den Handel, über die Bewegung der Sammelobjekte selbst. Glücklicherweise gibt es eine starke Korrelation zwischen der gewünschten Haltbarkeit der Sammlerstücke und den Bedingungen, unter denen ein Artefakt überlebt hat, um von den heutigen Archäologen gefunden zu werden. Im frühen Paläolithikum, als alle menschlichen Bewegungen zu Fuß erfolgten, haben wir Fälle von perforierten Muscheln gefunden, die bis zu 500 Kilometer von der nächsten natürlichen Fundstelle entfernt waren.⁴ Es gab eine ähnliche Fernwanderung bei Feuersteinen.

Leider wurde der Handel durch hohe Transaktionskosten zu den meisten Zeiten und an den meisten Orten stark eingeschränkt. Die primäre Barriere war der Antagonismus zwischen den Stämmen. Das vorherrschende Verhältnis zwischen den Stämmen war ein Verhältnis des Misstrauens an guten Tagen und der völligen Gewalt an schlechten Tagen. Nur Heirats- oder Verwandtschaftsbeziehungen konnten die Stämme in ein Vertrauensverhältnis bringen, wenn auch nur gelegentlich und in begrenztem Umfang. Die geringe Fähigkeit, Eigentum zu schützen, selbst Sammelobjekte, die an der Person getragen oder in guten Verstecken vergraben wurden, bedeutete, dass Sammelobjekte ihre Kosten in einigen wenigen Transaktionen amortisieren mussten.

Der Handel war also nicht die einzige Art des Vermögenstransfers und wahrscheinlich auch nicht die wichtigste Art während der langen menschlichen Vorgeschichte, in der hohe Transaktionskosten die Entwicklung der Art von Märkten, Firmen und anderen Wirtschaftsinstitutionen, die wir heute als selbstverständlich ansehen, verhinderten.¹⁴ Unter unseren großen Wirtschaftsinstitutionen befinden sich weitaus ältere Strukturen, die auch den Vermögenstransfer beinhalten. Diese waren in prähistorischer Zeit die wichtigsten Arten des Wohlstandstransfers. All diese Strukturen unterschieden den Homo Sapiens Sapiens von anderen Spezies. Wir wenden uns nun einer der grundlegendsten Arten des Vermögenstransfers zu, die wir Menschen als selbstverständlich ansehen, die andere Tiere aber nicht haben — der Weitergabe von Reichtum an die nächste Generation.

Verwandtenselektion über den Tod hinaus

Die zeitliche und örtliche Koinzidenz von Angebot und Nachfrage im Handel war selten — so selten, dass die meisten Arten von Gewerbe und handelsbezogenen Wirtschaftsinstitutionen, die wir heute als selbstverständlich ansehen, nicht existieren konnten. Noch unwahrscheinlicher war die dreifache Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage bei einem wichtigen Ereignis für eine Verwandtschaftsgruppe — die Gründung einer neuen Familie, Tod, Verbrechen oder Sieg und Niederlage im Krieg. Wie wir sehen werden, profitierten Clans und Einzelpersonen während dieser Ereignisse in hohem Maße von einem rechtzeitigen Transfer des Eigentums. Ein solcher Vermögensübertrag war wiederum viel weniger verschwenderisch, wenn es sich um den Transfer eines Vermögensspeichers handelte, der beständiger und universeller war als Verbrauchsgüter oder Werkzeuge, die für andere Zwecke bestimmt waren. Die Nachfrage nach einem dauerhaften und allgemeinen Vermögensspeicher zur Verwendung in diesen Institutionen war daher noch dringlicher als für den Handel selbst. Darüber hinaus können die Institutionen Ehe, Erbschaft, Streitbeilegung und Tribut dem stammesübergreifenden Handel vorausgehen und für die meisten Stämme einen größeren Vermögenstransfer als Handel mit sich brachten. Diese Strukturen dienten also mehr als der Handel selbst als Motivator und Inkubator des frühesten primitiven Geldes.

In den meisten Jäger- und Sammlerstämmen kam dieses Vermögen in einer Form, die uns absurd reichen modernen Menschen als trivial erscheint — eine Sammlung von Holzgeräten, Werkzeugen und Waffen aus Feuersteinen und Knochen, Muscheln an Schnüren, vielleicht eine Hütte und in kälteren Klimazonen einige Felle. Manchmal konnte man das alles am Körper tragen. Dennoch waren diese bunt gemischten Sortimente für einen Jäger und Sammler nicht weniger als Immobilien, Aktien und Anleihen es für uns sind — Vermögen. Für den Jäger und Sammler waren Werkzeuge und manchmal warme Kleidung zum Überleben notwendig. Viele der Gegenstände waren hochgeschätzte Sammlerstücke, die gegen den Hunger versicherten, Mitstreiter erkauften und im Falle von Krieg und Niederlage ein Massaker oder den Hungertod verhindern konnten. Die Fähigkeit, das Kapital zum Überleben auf seine Nachkommen zu übertragen, war ein weiterer Vorteil, den der Homo Sapiens Sapiens gegenüber früheren Tieren hatte. Darüber hinaus konnte der geschickte Stammesangehörige oder Clan einen Überschuss an Reichtum aus dem gelegentlichen, aber im Laufe des Lebens kumulierten Handel mit überschüssigen Verbrauchsgütern gegen dauerhaften Wohlstand, insbesondere Sammelobjekte, eintauschen. Ein vorübergehender Vorteil konnte in einen dauerhafteren Vorteil für die Nachkommen übersetzt werden.

Eine andere Form des Vermögens, die dem Archäologen verborgen blieb, waren die Titel von Ämtern. Solche sozialen Positionen waren in vielen Jäger- und Sammlerkulturen wertvoller als die greifbaren Formen des Reichtums. Beispiele für solche Positionen waren Clanführer, Führer von Kriegergruppen, Führer von Jagdgesellschaften, die Mitgliedschaft in einer bestimmten langfristigen Handelspartnerschaft (mit einer bestimmten Person in einem benachbarten Clan oder Stamm), Hebammen und religiöse Heiler. Oft verkörperten Sammelobjekte nicht nur Reichtum, sondern dienten auch als Gedächtnisstütze und repräsentierten den Titel einer Clanposition mit Verantwortung und Privilegien. Nach dem Tod mussten, um die Ordnung aufrechtzuerhalten, die Erben solcher Positionen schnell und klar bestimmt werden. Verzögerungen konnten zu bösartigen Konflikten führen. So war ein übliches Ereignis das Totenfest, bei dem der Verstorbene gefeiert wurde, während seine materiellen und immateriellen Reichtümer an die Nachkommen verteilt wurden, wie es die Sitte, die Clan-Entscheidungsträger oder der Wille des Verstorbenen bestimmten.

Andere Arten von Schenkungen waren in vor-modernen Kulturen recht selten, wie Marcel Mauss¹⁶ und andere Anthropologen festgestellt haben. Scheinbar kostenlose Geschenke beriefen sich in der Tat implizit auf eine Verpflichtung des Empfängers. Vor dem Vertragsrecht war diese implizite Verpflichtung des “Geschenks”, neben der Schande der Gemeinschaft und den Strafen, die sich aus der Nichteinhaltung der impliziten Verpflichtung ergaben, vielleicht der häufigste Motivator für eine Gegenleistung im verzögerten Tausch und sie ist immer noch üblich in der Vielfalt der informellen Gefälligkeiten, die wir uns gegenseitig erweisen. Vererbung und andere Formen des familiären Altruismus waren die einzigen weit verbreiteten Formen dessen, was wir heute als das eigentliche Geschenk bezeichnen würden, nämlich ein Geschenk, das dem Empfänger keine Verpflichtung auferlegt.

Frühe westliche Händler und Missionare, die die Eingeborenen oft als kindische Primitive ansahen, nannten ihre Huldigungszahlungen manchmal “Geschenke” und den Handel “Geschenktausch”, als ob sie mehr Ähnlichkeit mit dem Weihnachts- und Geburtstagsgeschenkttausch westlicher Kinder hätten als mit den vertraglichen und steuerlichen Verpflichtungen der Erwachsenen. Zum Teil mag dies ein Ausdruck von Vorurteilen gewesen sein, zum Teil war es aber auch der Tatsache geschuldet, dass im Westen zu dieser Zeit die Verpflichtungen meist schriftlich fixiert waren, was den Einheimischen nicht möglich war. So übersetzten die Westler die reiche Vielfalt an Wörtern, die die Eingeborenen für ihre Tauschinstitutionen, Rechte und Pflichten hatten, meist als “Geschenk”. Im siebzehnten Jahrhundert waren französische Siedler in Amerika dünn verstreut unter viel größeren Populationen von Indianerstämmen und fingen mit der Zeit oft an diesen Stämmen den geforderten Tribut zu zollen. Diese Zahlungen als “Geschenke” zu bezeichnen, war für sie eine Möglichkeit, ihr Gesicht gegenüber anderen Europäern zu wahren, die keine Notwendigkeit dazu sahen und es feige fanden.

Mauss und andere moderne Anthropologen haben diese Terminologie leider beibehalten. Der unzivilisierte Mensch wird immer noch wie ein Kind dargestellt, aber jetzt ist er unschuldig wie eines, ein Geschöpf von moralischer Überlegenheit, das sich nicht vor unserer Art von niederen, kaltblütigen wirtschaftlichen Transaktionen beugen würde. Im Westen, besonders in der offiziellen Terminologie unserer Gesetze für Transaktionen, bezieht sich ein “Geschenk” auf einen Transfer, der keine Verpflichtung auferlegt. Wenn man auf anthropologische Diskussionen über den “Geschenktausch” stößt, sollte man diese Vorbehalte im Auge behalten — moderne Anthropologen beziehen sich keineswegs auf die kostenlosen oder informellen Geschenke, die wir in unserem modernen Gebrauch des Begriffs “Geschenk” gewöhnlich bezeichnen. Vielmehr beziehen sie sich auf eine Vielzahl von oft recht ausgeklügelten Systemen von Rechten und Pflichten, die mit Vermögenstransfers verbunden sind. Die einzigen größeren Transaktionen in prähistorischen Kulturen, die unserer modernen Schenkung insofern ähneln, als sie weder selbst eine weithin anerkannte Verpflichtung war noch dem Empfänger irgendwelche Verpflichtungen auferlegte, waren Eltern oder mütterliche Verwandte, die für ihre Kinder und das Erbe sorgten. (Eine Ausnahme war, dass die Vererbung eines Amtes dem Erben die Verantwortung des Amtes sowie dessen Privilegien auferlegte).

Die Vererbung einiger Nachlässe mag zwar über mehrere Generationen ununterbrochen verlaufen, aber sie bildete nicht von sich aus einen geschlossenen Kreislauf von Sammelgutübertragungen. Erbstücke waren nur dann wertvoll, wenn sie schließlich für etwas anderes verwendet wurden. Sie wurden oft in Heiratsgeschäften zwischen Clans verwendet, die geschlossene Kreisläufe von Sammelobjekten bilden konnten.

Das familiäre Tauschgeschäft

Ein frühes und wichtiges Beispiel für ein kleines geschlossenes Handelsnetz, das durch Sammelobjekte ermöglicht wird, beinhaltet die viel höheren Investitionen des Menschen in die Aufzucht von Nachkommen als unsere Primatenverwandten und die damit verbundene menschliche Institution der Ehe. Durch die Kombination von langfristigen, zwischen den Clans ausgehandelten Paarungs- und Erziehungsvereinbarungen mit dem Transfer von Vermögen, ist die Ehe ein menschliches Universalkonzept, das wahrscheinlich auf den ersten Homo Sapiens Sapiens zurückgeht.

Die elterliche Investition ist eine langfristige und meist einmalige Angelegenheit — es gibt keine Zeit für wiederholte Interaktionen. Die Scheidung von einem nachlässigen Vater oder einer untreuen Frau stellt in der Regel eine Zeitverschwendung von mehreren Jahren dar, wenn man die genetische Eignung des Verlassenen betrachtet. Die Treue und das Engagement für die Kinder wurden in erster Linie von den Schwiegereltern — dem Clan — durchgesetzt. Die Ehe war der Vertrag zwischen den Clans, der in der Regel solche Treue- und Verpflichtungsversprechen sowie den Vermögenstransfer beinhaltete.

Die Beiträge, die ein Mann und eine Frau in eine Ehe einbringen, sind selten gleich. Dies galt umso mehr in einer Zeit, in der die Partnerwahl weitgehend von den Clans bestimmt wurde und die Bevölkerung, aus der die Clanführer wählen konnten, recht klein war. Meistens wurde die Frau als wertvoller angesehen und der Clan des Bräutigams zahlte einen Brautpreis an den Clan der Braut. Ziemlich selten im Vergleich dazu war eine Mitgift, eine Zahlung des Braut-Clans an das neue Paar. Meist wurde dies von den Oberschichten monogamer, aber höchst ungleicher Gesellschaften im mittelalterlichen Europa und Indien praktiziert und war letztlich durch das weitaus größere Reproduktionspotential der Söhne der Oberschicht motiviert, als durch die Töchter der Oberschicht in diesen Gesellschaften. Da Literatur meist über die Oberschicht geschrieben wurde, spielt das Mitgift in den traditionellen europäischen Geschichten oft eine Rolle. Dies spiegelt dessen tatsächliche Häufigkeit in den menschlichen Kulturen aber nicht wider — es war recht selten.

Ehen zwischen Clans konnten einen geschlossenen Kreislauf von Sammelobjekten bilden. Tatsächlich würden zwei Clans, die ihre Paar-Partner verheiraten, ausreichen, um einen geschlossenen Kreislauf aufrechtzuerhalten, solange die Ehepartner dazu neigen, aus dem selben Stamm zu kommen. Wenn ein Clan durch eine andere Art des Transfers reicher an Sammelobjekten war, konnte er mehr seiner Söhne mit besseren Bräuten (in monogamen Gesellschaften) oder einer größeren Anzahl von Bräuten (in polygamen Gesellschaften) verheiraten. In einem Kreislauf, der nur Ehen umfasste, würde primitives Geld einfach dazu dienen, das Bedürfnis nach Erinnerung und Vertrauen zwischen den Clans über eine lange Zeitspanne der Verzögerung zwischen unausgewogenen Transfers von reproduktiven Ressourcen zu ersetzen.

Wie Erbschaft, Rechtsstreits und Tribute erfordert die Ehe eine dreifache Übereinstimmung des Ereignisses, in diesem Fall der Ehe, mit Angebot und Nachfrage. Ohne einen übertragbaren und dauerhaften Wertespeicher war es sehr unwahrscheinlich, dass die derzeitige Fähigkeit des Bräutigam-Clans, die aktuellen Wünsche des Braut-Clans zu befriedigen, groß genug ist, um das Wertgefälle zwischen Braut und Bräutigam auszugleichen und gleichzeitig die politischen und romantischen Zwänge des Paares zu befriedigen. Eine Lösung besteht darin, dem Bräutigam oder seinem Clan eine ständige Dienstverpflichtung gegenüber dem Clan der Braut aufzuerlegen. Dies kommt in etwa 15% der bekannten Kulturen vor.⁷ In einer weitaus größeren Zahl, nämlich 67%, zahlt der Clan des Bräutigams oder der Bräutigam selbst dem Clan der Braut einen erheblichen Teils seines Vermögens. Ein Teil dieses Brautpreises wird in unmittelbaren Verbrauchsgütern, in zu sammelnden Pflanzen, die geerntet werden, und in Tieren, die für das Hochzeitsfest geschlachtet werden, bezahlt. In Hirten- oder Landwirtschaftsgesellschaften wird ein Großteil des Brautpreises in Vieh, einer langlebigen Form des Reichtums, bezahlt. Beim Rest und in Kulturen ohne Vieh wird mit den wertvollsten Familienerbstücken bezahlt — den seltensten, teuersten und haltbarsten Anhängern, Ringen und so weiter. Die westliche Tradition, dass der Bräutigam der Braut einen Ring schenkt — und ein Verehrer einer Jungfrau andere Arten von Schmuck — war einst ein erheblicher Vermögenstransfer und war in vielen anderen Kulturen üblich. In etwa 23% der Kulturen, vor allem der modernen, gibt es keinen substantiellen Vermögensaustausch. In ca. 6% der Kulturen gibt es einen gegenseitigen Austausch von substantiellem Vermögen zwischen Braut- und Bräutigam-Clans. In nur ca. 2% der Kulturen zahlt der Clan der Braut dem neuen Paar eine Mitgift.⁷

Leider waren manche Vermögensübertragungen alles andere als der Altruismus bei der Erbschaftsgabe oder der Freude an der Ehe. Im Falle von Tributen jedoch, war das Gegenteil der Fall.

Die Kriegsbeute

Die Sterblichkeitsraten durch Gewalt in Schimpansentruppen und Jäger und Sammler Kulturen sind weit höher als in modernen Zivilisationen. Dies geht wahrscheinlich zurück bis zu unseren gemeinsamen Affen-Vorfahren — auch diese waren ständig in Kämpfe verwickelt.

Kriegsführung beinhaltete unter anderem Töten, Verstümmelung, Folter, Entführung, Vergewaltigung und die Erpressung von Tributen im Austausch für die Vermeidung solcher Schicksale. Wenn sich zwei benachbarte Stämme nicht im Krieg befanden, zollte der eine dem anderen gewöhnlich Tribut. Der Tribut konnte auch dazu dienen, Allianzen zu binden, um Größenvorteile in der Kriegsführung zu erzielen. Meist war er eine Form der Ausbeutung, die für den Sieger lukrativer war als weitere Gewalt gegen die Besiegten.

Auf den Sieg im Krieg folgte manchmal eine sofortige Zahlung von den Verlierern an die Gewinner. Oftmals geschah dies nur in Form von Plünderungen durch die euphorischen Sieger, während die Verlierer ihre Sammelobjekte verzweifelt versteckten. Häufiger wurde jedoch regelmäßig Tribut verlangt. In diesem Fall konnte und wurde die dreifache Koinzidenz durch einen ausgeklügelten Zeitplan für Sachleistungen umgangen, der die Fähigkeit des unterlegenen Stammes, ein Gut oder eine Dienstleistung zu liefern, mit der Nachfrage des Siegers nach diesem Gut oder dieser Dienstleistung in Einklang brachte. Aber selbst dieser Methode gegenüber hatte primitives Geld Vorteile, und zwar ein gemeinsames Wertmedium, das die Zahlungsbedingungen stark vereinfachte. Dies war sehr wichtig in einer Zeit, in der die Vertragsbedingungen nicht aufgezeichnet werden konnten, sondern auswendig gelernt werden mussten. In einigen Fällen, wie beim Wampum, wie es in der Iriquois-Konföderation verwendet wurde, fungierten die Sammelobjekte zusätzlich als primitive Gedächtnisstütze, die zwar nicht wörtlich, aber doch als Hilfsmittel zur Erinnerung an die Vertragsbedingungen verwendet werden konnte. Für die Gewinner stellten die Sammelobjekte eine Möglichkeit dar, Tribute zu sammeln, die näher am Lafferschen Optimum lagen. Für die Verlierer boten die in Verstecken vergrabenen Sammlerstücke eine Möglichkeit, Vermögen zu unterschlagen, was die Sieger dazu veranlasste, zu glauben, dass die Verlierer weniger wohlhabend waren und sie daher weniger verlangen liess, als sie könnten. Zwischenspeicher von Sammlerstücken boten auch eine Versicherung gegen übereifrige Tributsammler. Ein großer Teil des Reichtums in den primitiven Gesellschaften entging aufgrund seiner höchst geheimnisvollen Beschaffenheit der Aufmerksamkeit der Missionare und Anthropologen. Nur die Archäologie kann die Existenz dieses verborgenen Reichtums aufdecken.

Das Verstecken und andere Strategien stellten ein Problem dar, das Tribut-Sammler mit modernen Steuereintreibern teilen — wie kann man die Menge des Reichtums, den sie abziehen können, abschätzen. Die Messung des Wertes ist ein heikles Problem bei vielen Arten von Transaktionen, aber nie schwieriger als bei der antagonistischen Erhebung von Steuern oder Tributen. Indem sie diese sehr schwierigen und nicht-intuitiven Kompromisse eingehen und dann eine Reihe von Abfragen, Kontrollen und Eintreibungsaktionen durchführen, optimierten die Steuereintreiber effizient ihre Einnahmen, auch wenn die Ergebnisse dem Beitragszahler ziemlich unnütz erschienen.

yesStellen Sie sich einen Stamm vor, der Tribute von mehreren Nachbarstämmen sammelt, die er zuvor im Krieg besiegt hat. Er muss abschätzen, wie viel er von jedem einzelnen Stamm erhalten kann. Schlechte Schätzungen lassen den Reichtum einiger Stämme unterbewertet, während andere gezwungen sind, Tribut zu zahlen, der auf Schätzungen des Reichtums basiert, den sie eigentlich nicht haben. Das Ergebnis: Die verletzten Stämme neigen dazu, zu schrumpfen. Die Stämme, die davon profitieren, zahlen weniger Tribut, als entnommen werden könnte. In beiden Fällen wird für die Sieger weniger Einkommen generiert, als sie mit besseren Regeln erzielen könnten. Dies ist eine Anwendung der Laffer-Kurve auf das Schicksal bestimmter Stämme. Auf dieser Kurve, die der brillante Ökonom Arthur Laffer auf die Einkommenssteuern anwendet, steigt mit zunehmendem Steuersatz die Höhe der Einnahmen, jedoch in einem zunehmend langsameren Tempo als der Steuersatz, da die Vermeidungs- und Hinterziehungspraktiken zunehmen und vor allem der Anreiz zur Ausübung der besteuerten Tätigkeit abflaut. Ab einem bestimmten Satz werden aus diesen Gründen die Steuereinnahmen optimiert. Eine Anhebung des Steuersatzes über das Laffer-Optimum hinaus führt eher zu geringeren als zu höheren Einnahmen für die Regierung. Ironischerweise wurde die Laffer-Kurve von Befürwortern niedrigerer Steuern verwendet, obwohl es sich um eine Theorie handelt, die Staatseinnahmen durch Steuererhebung optimieren soll, und nicht um eine Theorie die soziale Wohlfahrt oder die Zufriedenheit des Einzelnen optimiert.

In einem größeren Maßstab mag die Laffer-Kurve das wichtigste Wirtschaftsgesetz der politischen Geschichte sein. Charles Adams¹ benutzt sie, um den Aufstieg und Fall von Imperien zu erklären. Die erfolgreichsten Regierungen haben sich implizit von ihren eigenen Anreizen leiten lassen — sowohl von ihrem kurzfristigen Wunsch nach Einnahmen als auch von ihrem langfristigen Erfolg gegenüber anderen Regierungen — um ihre Einnahmen gemäß der Laffer-Kurve zu optimieren. Regierungen, die ihre Steuerzahler überforderten, wie die Sowjetunion und später das Römische Reich, landeten auf dem Schutthaufen der Geschichte, während Regierungen, die unterhalb des Optimums sammelten, oft von ihren finanziell besser gestellten Nachbarn erobert wurden. Demokratische Regierungen können hohe Steuereinnahmen über die historische Zeit hinweg mit friedlicheren Mitteln aufrechterhalten, als die Eroberung unterfinanzierter Staaten. Sie sind die ersten Staaten in der Geschichte, deren Steuereinnahmen im Verhältnis zu externen Bedrohungen so hoch sind, dass sie den Luxus haben, das meiste Geld in nicht-militärischen Bereichen auszugeben. Ihre Steuersysteme haben näher am Laffer-Optimum operiert als die der meisten früheren Regierungsformen. (Alternativ kann dieser Luxus durch die Effizienz von Atomwaffen zur Abschreckung von Angriffen ermöglicht werden, anstatt durch die erhöhten Anreize der Demokratien, die Steuereinnahmen zu optimieren). Wenn wir die Laffer-Kurve anwenden, um die relative Auswirkung von Vertragsstatuten auf verschiedene Stämme zu untersuchen, kommen wir zu dem Schluss, dass der Wunsch, die Einnahmen zu optimieren, die Sieger dazu veranlasst, das Einkommen und den Reichtum der Besiegten genau messen zu wollen. Die Messung des Wertes ist entscheidend, um die Anreize zu bestimmen, den Tribut zu vermeiden oder ihm durch Verstecken von Vermögen, Kampf oder Flucht zu entgehen. Demgegenüber können die Tributpflichtigen diese Messungen auf verschiedene Weise verfälschen, z.B. durch Vergraben von Sammlerstücken. Die Tributsammlung ist ein Bemessungsspiel mit nicht abgestimmten Anreizen.

Mit Sammlerstücken kann man den Tribut zu strategisch optimalen Zeiten verlangen, anstatt zu dem Zeitpunkt, an dem Gegenstände vom Tributpflichtigen geliefert werden können oder vom Sieger gefragt sind. Die Sieger können dann wählen, wann sie den Reichtum in der Zukunft verbrauchen, anstatt ihn zum Zeitpunkt der Entnahme des Tributs verbrauchen zu müssen. Viel später, bis weit in die Frühzeit der Geschichte hinein, im Jahr 700 v. Chr., war Geld trotz des weit verbreiteten Handels immer noch in Form von Sammelobjekten vorhanden. Es bestand zwar eher aus Edelmetallen, aber in seinen grundlegenden Eigenschaften, wie z. B. dem Mangel an einheitlichem Wert, war es ähnlich wie die meisten der seit den Anfängen des Homo Sapiens Sapiens verwendeten Urgelder. Dies wurde durch eine griechischsprachige Kultur in Anatolien (moderne Türkei), die Lydier, verändert. Insbesondere die Könige von Lydien waren die ersten großen Emittenten von Münzen in den archäologischen und historischen Aufzeichnungen.

Von diesem Tag an bis heute sind die staatlichen Münzprägeanstalten mit selbst eingeräumten Monopolen, und nicht private Münzprägeanstalten, die Hauptausgeber von Münzen. Warum wurde die Münzprägung nicht von privaten Interessen, wie z.B. Privatbankiers, dominiert, die es damals in diesen semimarktwirtschaftlichen Ländern gab? Die Haupterklärung für die staatliche Dominanz der Münzprägung war, dass nur die Regierungen Maßnahmen zur Bekämpfung von Fälschungen durchsetzen konnten. Sie hätten jedoch solche Maßnahmen zum Schutz konkurrierender privater Prägeanstalten durchsetzen können, so wie sie heute und damals auch für geschützte Markenzeichen sorgten.

Der Wert einer Münze ließ sich — vor allem bei niedrigen Transaktionswerten — viel leichter schätzen als der eines Sammelobjektes. Es konnten weitaus mehr Geschäfte mit Geld statt mit Tauschhandel gemacht werden; tatsächlich wurden viele Arten von Geschäften mit geringem Wert überhaupt erst möglich, da die geringen Gewinne aus dem Handel erstmals die Transaktionskosten überstiegen. Sammelobjekte waren Geld mit geringer Umlaufgeschwindigkeit, das in eine kleine Anzahl von Transaktionen mit hohem Wert involviert war. Münzen waren schnell umlaufendes Geld, das eine große Anzahl an Geschäften von geringem Wert ermöglichte.

Angesichts dessen, was wir über die Vorteile von Urgeld für Tribut- und Steuereintreiber gesehen haben, sowie der Problematik der Wertbestimmung bei der optimalen Durchsetzung solcher Zahlungen, ist es nicht überraschend, dass die Steuereintreiber, insbesondere die Könige von Lydien, die ersten großen Emittenten von Münzen waren. Der König, der seine Einnahmen aus der Steuererhebung erzielte, hatte einen starken Anreiz, den Wert des von seinen Untertanen gehaltenen und eingetauschten Vermögens genauer zu messen. Dass der Tausch auch von einer billigeren Messung durch die Händler des Tauschmittels profitierte, wodurch etwas geschaffen wurde, das näher an effizienten Märkten lag und es Einzelpersonen ermöglichte, zum ersten Mal in größerem Umfang in den Markt einzutreten, war für den König ein zufälliger Nebeneffekt. Der größere Vermögensfluss durch die Märkte, der nun für die Besteuerung zur Verfügung stand, steigerte die Einnahmen des Königs sogar über den normalen Laffer-Kurven-Effekt hinaus, der die Fehlmessung zwischen den einzelnen Steuerquellen reduzierte.

Diese Kombination aus effizienterer Steuererhebung und effizienteren Märkten bedeutete einen enormen Anstieg der gesamten Steuereinnahmen. Die Steuereintreiber trafen fast sprichwörtlich eine Goldmine, und der Reichtum der lydischen Könige Midas, Krösus und Giges ist bis heute weltbekannt.

Einige Jahrhunderte später eroberte der griechische König Alexander der Große Ägypten, Persien und einen großen Teil Indiens und finanzierte seine spektakuläre Eroberung, indem er ägyptische und persische Tempel plünderte, die mit Ansammlungen von Sammelobjekten geringer Umlaufgeschwindigkeit gefüllt waren, und diese zu Münzen mit hoher Umlaufgeschwindigkeit einschmolz. Effizientere und flächendeckende Marktwirtschaften sowie eine effizientere Steuererhebung entstanden in dessen Folge.

Tributzahlungen bildeten für sich genommen keinen geschlossenen Kreislauf von Sammelobjekten. Diese waren nur dann wertvoll, wenn sie letztlich von den Siegern für etwas anderes verwendet werden konnten, wie z.B. Heirat, Handel oder Sicherheiten. Die Sieger konnten die Besiegten jedoch zur Herstellung von Sammelobjekten zwingen, auch wenn dies nicht den Interessen der Besiegten diente.

Konflikte und Lösungen

Die alten Jäger und Sammler hatten nicht unser modernes Delikts- oder Strafrecht, aber sie hatten ein analoges Mittel zur Beilegung von Streitigkeiten, die oft von Clan- oder Stammesführern oder durch Abstimmung geregelt wurden. Davon wurde abgedeckt, was das moderne Recht Verbrechen und Delikte nennt. Die Beilegung von Streitigkeiten durch Strafen oder Zahlungserleichterungen durch die Clans der streitenden Parteien ersetzte Rachezyklen oder Rachekriege. Die meisten vormodernen Kulturen, von den Iriquois in Amerika bis zu den vorchristlichen Germanen, entschieden, dass Bezahlung besser als Bestrafung war. Preise (z.B. das germanische “Wasgeld” und das iriquistische Blutgeld) wurden für alle verfolgbaren Vergehen, von kleinem Diebstahl über Vergewaltigung bis hin zu Mord, verwendet. Wo Geld zur Verfügung stand, erfolgte die Bezahlung in Form von Geld. Das Vieh wurde in der Viehzucht verwendet. Ansonsten war die Bezahlung von Sammelobjekten das am häufigsten verwendete Rechtsinstrument.

Die Zahlung von Schadenersatz in einem Rechtsstreit oder einer ähnlichen Klage führte zu der gleichen Art von Problem des dreifachen Zusammentreffens von Ereignis, Angebot und Nachfrage, wie es bei Erbschaft, Heirat und Tribut auftrat. Die Entscheidung des Falles musste mit der Fähigkeit des Klägers, den Schadenersatz zu zahlen, sowie mit der Möglichkeit und dem Wunsch des Angeklagten, davon zu profitieren, zusammenfallen. Wenn es sich bei dem Rechtsmittel um ein Konsumgut handelte, von dem der Kläger bereits reichlich besaß, diente das Rechtsmittel zwar immer noch als Strafe, würde den Angeklagten aber wahrscheinlich nicht zufrieden stellen — und somit den Kreislauf der Gewalt nicht eindämmen. Wir wollen hier also noch einmal den Mehrwert von Sammelobjekten aufzeigen — in diesem Fall, ermöglichen sie, einen Streit zu lösen oder einen Rachezyklus zu beenden.

Wenn die Zahlungen zur vollständigen Beseitigung von Rachefeldzügen dienten, würden die Streitbeihilfen keinen geschlossenen Kreislauf bilden. Wenn die Zahlungen jedoch die Vendetta nicht vollständig beseitigen, könnten die Zahlungen einen Kreislauf bilden, der dem Rachezyklus folgt. Aus diesem Grund ist es möglich, dass das System ein Gleichgewicht erreicht hat, wenn es die Rachezyklen zwar reduzierte, aber nicht eliminierte, zumindest bis zum Aufkommen dichter verbundener Handelsnetze.

Merkmale von Sammelobjekten

Da sich die Menschen in kleinen, weitgehend autarken und sich gegenseitig feindlich gesinnten Stämmen entwickelten, war die Verwendung von Sammelobjekten, um die Notwendigkeit der Gunstgewinnung zu reduzieren und die anderen menschlichen Institutionen des Vermögenstransfers, die wir erforscht haben, zu ermöglichen, für die meiste Zeit unserer Spezies weitaus wichtiger als die Skalenprobleme des Tauschhandels. In der Tat stellten Sammelobjekte eine fundamentale Verbesserung der Funktionsweise des gegenseitigen Altruismus dar, indem sie es den Menschen ermöglichten, auf eine Art und Weise zu kooperieren, die anderen Spezies nicht zur Verfügung stand. Für sie ist reziproker Altruismus durch ein unzuverlässiges Gedächtnis stark eingeschränkt. Einige andere Spezies haben große Gehirne, bauen ihre eigenen Häuser oder stellen Werkzeuge her und benutzen sie. Keine andere Spezies hat jedoch eine solche Verbesserung der Funktionsweise des gegenseitigen Altruismus hervorgebracht. Die Beweise zeigen, dass diese neue Entwicklung um 40.000 B.P. ausgereift war.

Menger nannte dieses erste Geld, dass in diesem Essay als Sammelobjekt bezeichnet wird, ein “Zwischengut”. Ein Artefakt, das für andere Dinge, wie z.B. Schneiden, nützlich ist, könnte auch als Sammelobjekt verwendet werden. Sobald jedoch Unternehmungen, die einen Vermögenstransfer beinhalteten, wertvoll wurden, würden Sammlerstücke teilweise nur noch deshalb hergestellt und ihr eigentlicher Zweck vernachlässigt. Was sind diese Eigenschaften? Damit ein bestimmtes Gut als wertvolles Sammlerstück ausgewählt werden kann, hätte es im Vergleich zu Produkten, die als Sammlerstücke weniger wertvoll sind, mindestens die folgenden wünschenswerten Eigenschaften gehabt:

  1. Sicher vor versehentlichem Verlust und Diebstahl. Für den größten Teil der Geschichte bedeutete dies, dass es von der Person mitgeführt werden konnte und leicht zu verstecken war.
  2. Es war schwer, seinen Wert zu fälschen oder es nachzumachen. Eine wichtige Teilgruppe davon sind Produkte, die aus den nachfolgend erläuterten Gründen fälschungssicher, sowie teuer in der Herstellung sind und daher als wertvoll gelten.
  3. Der Wert konnte durch einfache Beobachtungen oder Messungen genauer geschätzt werden. Die Beobachtungen hatten eine zuverlässige Aussagekraft gehabt, waren aber dennoch kostengünstig.

Menschen auf der ganzen Welt sind stark motiviert, Gegenstände zu sammeln, die diese Eigenschaften optimal erfüllen. Zu dieser Motivation gehören wahrscheinlich auch genetisch entwickelte Instinkte. Solche Objekte werden aus purer Freude am Sammeln gesammelt (nicht aus besonders guten expliziten und nahen Gründen) und diese Leidenschaft ist in allen menschlichen Kulturen nahezu universell. Eine der unmittelbaren Motivationen ist die Verzierung. Laut Dr. Mary C. Stiner, einer Archäologin an der Universität von Arizona, ist “Ornamentik universell unter allen modernen menschlichen Jägern”.²⁷ Für einen Evolutionspsychologen ist ein solches Verhalten, das letztlich eine gute Erklärung in Form von natürlicher Auslese hat, aber keine andere naheliegende Begründung als Vergnügung hat, ein erstklassiger Kandidat für ein genetisch entwickeltes Verlangen, das dieses Verhalten motiviert. Dies ist in diesem Fall, wenn die Argumentation in diesem Essay richtig ist, der menschliche Instinkt, seltene Gegenstände, Kunst und vor allem Schmuck zu sammeln.

Punkt 2 bedarf einiger weiterer Erläuterungen. Zunächst erscheint die Herstellung einer Ware allein schon deshalb, weil sie kostspielig ist, recht verschwenderisch. Die unfälschlich kostenintensive Ware bringt jedoch immer wieder einen Mehrwert, indem sie nutzbringende Vermögenstransfers ermöglicht. Jedes Mal, wenn eine Transaktion ermöglicht oder günstiger gemacht wird, wird mehr von den Kosten wieder hereingeholt. Die Kosten, zunächst eine komplette Verschwendung, werden über viele Transaktionen amortisiert. Der monetäre Wert von Edelmetallen basiert auf diesem Prinzip. Es gilt auch für Sammelgegenstände, die umso höher bewertet werden, je seltener sie sind und je weniger fälschbar diese Seltenheit ist. Es gilt auch dort, wo dem Produkt nachweislich qualifizierte oder einzigartige menschliche Arbeit hinzugefügt wird, wie beispielsweise bei Kunst.

Wir haben noch nie ein Produkt entdeckt oder hergestellt, das in allen drei Punkten wirklich gut abschneidet. Kunst und Sammlerstücke (in dem Sinne, dass das Wort in der modernen Kultur verwendet wird, statt in dem technischen Sinne, wie es in dieser Arbeit verwendet wird) erfüllen Punkt 2, aber nicht 1 und 3. Gewöhnliche Perlen befriedigen Punkt 1, aber nicht 2 oder 3. Schmuck, der zunächst aus den schönsten und weniger verbreiteten Muscheln, aber schließlich in vielen Kulturen aus Edelmetallen hergestellt wird, kommt der Erfüllung aller drei Eigenschaften näher. Es ist kein Zufall, dass Edelmetallschmuck in der Regel in dünnen Formen wie Ketten und Ringen angeboten wird, was eine günstige Prüfung an zufällig ausgewählten Stellen ermöglicht. Eine weitere Verbesserung waren die Münzen — das Überprüfen durch kleine Standardgewichte und Markenzeichen reduzierte die Kosten für kleine Transaktionen mit Edelmetallen erheblich. Das eigentliche Geld war nur ein weiterer Schritt in der Entwicklung von Sammelobjekten.

Die Art der mobilen Kunst, die auch von den Menschen der Altsteinzeit geschaffen wurde (kleine Figuren und ähnliches), passt ebenfalls gut zu diesen Eigenschaften. In der Tat hat der paläolithische Mensch nur sehr wenige Gegenstände hergestellt, die nicht entweder zweckmäßig waren oder die Eigenschaften 1–3 teilten.

Es gibt viele rätselhafte Fälle von nutzlosen oder zumindest ungenutzten Feuersteinen bei Homo Sapiens. Wir haben die unbrauchbaren Feuersteine der Clovis-Leute angesprochen. Culiffe⁴ bespricht einen Fund aus dem europäischen Mesolithikum mit Hunderten von Feuersteinen, die sorgfältig hergestellt wurden, aber deren mikroskopische Analyse zeigt, dass sie nie zum Schneiden verwendet wurden.

Die Feuersteine waren wahrscheinlich die ersten Sammlerstücke, die vor speziellen Sammelobjekten wie Schmuckstücken entstanden. Tatsächlich wären die ersten Sammlerstücke aus Feuerstein für ihren Nutzen beim Schneiden hergestellt worden. Ihr Mehrwert als Medium des Vermögenstransfers war ein zufälliger Nebeneffekt, der die in diesem Artikel beschriebenen Institutionen aufblühen ließ. Diese Institutionen wiederum hatten die Herstellung spezieller Sammlerstücke angeregt, zunächst Feuersteine, die keinen tatsächlichen Nutzen als Schneidewerkzeuge haben, dann die Vielzahl anderer Arten von Sammelobjekten, die vom Homo Sapiens Sapiens entwickelt wurden.

Muschelgeld von Sumer, ca. 3.000 v. Chr.

Während der Jungsteinzeit wurden in vielen Teilen des Mittleren Ostens und Europas einige Schmuckarten stärker standardisiert — bis zu dem Punkt, an dem Standardgrößen und Prüfbarkeit oft über die Schönheit gestellt wurden. In gewerblichen Bereichen übertraf die Menge dieses Schmucks, die der traditionellen Schmuckstücke teilweise erheblich. Dies ist ein Zwischenschritt zwischen Schmuck und Münzen, als einige Sammlerstücke zunehmend eine fungible Form annahmen. Um 700 v. Chr. begannen die lydischen Könige, wie oben beschrieben, Münzen auszugeben. Die fälschungssichere Kostspieligkeit von Standardgewichten von Edelmetallen konnte nun auf einem Marktplatz, von Lohnempfängern oder von Steuereintreibern per Markenzeichen, d.h. im Vertrauen auf die Marke der Münzstätte, “geprüft” werden, anstatt an einer zufällig ausgewählten Stelle gewickelten Draht zu zerschneiden.

Es ist kein Zufall, dass die Eigenschaften von Sammelobjekten Gemeinsamkeiten mit Edelmetallen, Münzen und den Reserverohstoffen (die die meisten Fiat-Währungen deckten) haben. Das Geld selbst hat diese Eigenschaften in einer reineren Form umgesetzt als die Sammlerstücke, die in fast der gesamten menschlichen Vorgeschichte verwendet wurden.

Silberring und Ringgeld von Sumer, ca. 2.500 v. Chr. Man beachte die Standardgröße der Querschnitte. Viele der Stücke hatten ein Standardgewicht, das von einem Zwölftelschekel bis zu sechzig Schekel reichte. Um einen Ring oder eine Spule zu untersuchen, konnte man sie wiegen und an beliebigen Stellen schneiden. (Mit freundlicher Genehmigung des Orientalischen Instituts der Universität Chicago)

Ein Novum des 20. Jahrhunderts war die Ausgabe von Fiat-Währungen durch die Regierungen. (“Fiat” bedeutet, dass sie nicht durch eine Reserveware gesichert sind, wie es die auf Gold und Silber basierenden Währungen der vergangenen Jahrhunderte waren). Obwohl sie im Allgemeinen als Tauschmittel ausgezeichnet sind, haben sich Fiat-Währungen als sehr schlechtes Wertaufbewahrungsmittel erwiesen. Die Inflation hat so manchen “Notgroschen” zerstört. Es ist kein Zufall, dass Märkte für seltene Objekte und einzigartige Kunstwerke — die meist die oben beschriebenen Eigenschaften von Sammlerstücken teilen — im letzten Jahrhundert eine Renaissance erlebt haben. Einer unserer fortschrittlichsten High-Tech-Märkte, eBay, ist um diese Objekte von ursprünglicher ökonomischer Qualität herum zentriert. Der Sammlermarkt ist größer denn je, auch wenn der Anteil unseres Vermögens, der in sie investiert wird, geringer ist als zu der Zeit, als sie für den evolutionären Erfolg entscheidend waren. Sammlerstücke befriedigen unseren instinktiven Drang, bleiben aber auch in ihrer alten Rolle als sicherer Wertaufbewahrungsort nützlich.

Fazit

Viele Arten von Vermögensübertragungen — einseitig und gegenseitig, freiwillig und unter Zwang — sind mit Transaktionskosten verbunden. Bei freiwilligen Geschäften profitieren beide Parteien; eine wirklich kostenlose Gabe ist in der Regel ein Akt des familiären Altruismus. Diese Transaktionen schaffen für eine oder beide Parteien ebenso viel Wert wie der physische Akt, etwas zu schaffen. Der Tribut kommt dem Sieger zugute, und ein Schadensersatzurteil kann weitere Gewalt verhindern und dem Opfer zugute kommen. Die Vererbung machte den Menschen zu den ersten Lebewesen, die den Reichtum an ihre nächste Generation von Verwandten weitergaben. Diese Erbstücke konnten wiederum als Sicherheit oder als Bezahlung im Warenhandel, für Lebensmittel zur Vermeidung von Hunger oder zur Bezahlung des Brautpreises verwendet werden. Ob die Kosten für diese Transfers — die Transaktionskosten — niedrig genug sind, damit sich die Transfers lohnen, ist eine andere Frage. Entscheidend für die erstmalige Ermöglichung dieser Art von Transaktionen waren die Sammlerstücke.

Collectibles (Sammelobjekte) haben unsere großen Gehirne und unsere Sprache als Lösung für das Gefangenendilemma, das fast alle Tiere davon abhält, über verzögerte Gegenleistungen mit Nichtverwandten zu kooperieren, erweitert. Reputationsüberzeugungen können unter zwei Hauptarten von Fehlern leiden — Fehler in Bezug darauf, welche Person was getan hat und Fehler in der Einschätzung des Wertes oder des Schadens, der durch diese Handlung verursacht wurde. Innerhalb von Clans (kleine und unmittelbar lokale Verwandtschaftsgruppe oder die Großfamilie, die eine Untergruppe eines Stammes bildete), konnten unsere großen Gehirne diese Fehler minimieren. Der öffentliche Ruf und Zwangssanktionen machten die begrenzte Motivation sich alles zu merken hinfällig. Durch die Fähigkeit der Gegenseite zur Kooperation war in der Zukunft das Hauptmerkmal der verzögerten Gegenleistung gegeben. Sowohl beim Homo Sapiens Neanderthalis als auch beim Homo Sapiens Sapiens, mit der gleichen Hirngröße, ist es sehr wahrscheinlich, dass jedes lokale Clanmitglied über die Gunst der anderen lokalen Clanmitglieder die Übersicht behielt. Die Verwendung von Sammelobjekten für den Handel innerhalb der kleinen lokalen Verwandtschaftsgruppe mag minimal gewesen sein. Zwischen den Clans innerhalb eines Stammes wurden jedoch sowohl Gefälligkeiten verfolgt als auch Sammlerstücke verwendet. Zwischen den Stämmen ersetzten Sammelobjekte vollständig den Ruf als Vollstrecker von Gegenleistungen, obwohl Gewalt immer noch eine große Rolle bei der Durchsetzung von Rechten spielte und hohe Transaktionskosten die meisten Arten von Handel verhinderten.

Wenn Kostbarkeiten fälschbar werden — Glashandelsperlen, hergestellt in Venedig im 16. oder 17. Jahrhundert, ausgegraben in Mali, Afrika. Solche Perlen waren überall dort sehr beliebt, wo europäische Kolonialisten auf neolithische oder Jäger- und Sammlerkulturen trafen.

Um als universeller Vermögensspeicher und Mittel zur Vermögensübertragung nutzbar zu sein, musste ein Sammelobjekt in mindestens eine Institution mit einem geschlossenen Kreislauf eingebettet sein, so dass die Kosten für die Entdeckung und/oder Herstellung des Objekts über mehrere Transaktionen abgeschrieben wurden. Zudem war ein Sammlerstück nicht nur irgendein schönes Schmuckstück. Es musste bestimmte funktionelle Eigenschaften haben, wie die Sicherheit, am Körper getragen werden zu können, Kompaktheit zum verstecken oder vergraben und eine fälschungssichere Kostspieligkeit. Diese Kostspieligkeit muss vom Empfänger der Überweisung nachprüfbar gewesen sein, was in vielerlei Hinsicht den Fähigkeiten gleicht, die Sammler heute zur Bewertung von Sammlerstücken einsetzen müssen.

Die in dieser Arbeit vorgestellten Theorien können getestet werden, indem man nach diesen Merkmalen (oder dem Fehlen dieser Merkmale) bei den in diesen Kulturen häufig ausgetauschten “Wertsachen” sucht, und die wirtschaftlichen Gewinne aus den Zyklen analysiert, durch die sich diese Wertsachen bewegen und indem man die Präferenzen für Objekte mit diesen Merkmalen in einer Vielzahl von Kulturen (einschließlich der modernen) beobachtet.

Mit seiner beispiellosen Kooperationstechnologie war der Mensch zum furchterregendsten Raubtier geworden, das je auf dem Planeten zu sehen war. Er passte sich an ein sich veränderndes Klima an, während Dutzende seiner großen Beutetiere durch die Jagd und den Klimawandel in Amerika, Europa und Asien zur Ausrottung getrieben wurden. Heute haben die meisten großen Tiere auf dem Planeten Angst vor Projektilen — eine Anpassung an nur eine Raubtierart⁹⁶. Auch Kulturen, die mehr auf dem Sammeln als auf der Jagd basierten, haben davon profitiert. Es folgte eine Bevölkerungsexplosion — der Homo Sapiens Sapiens konnte mehr Teile des Planeten besiedeln und zwar in einer Dichte, die mehr als zehnmal so hoch war wie die des Homo Sapiens Neanderthalis⁴, trotz schwächerer Knochen und keiner Vergrößerung des Gehirns. Ein großer Teil dieses Anstiegs kann den sozialen Institutionen zugeschrieben werden, die durch effektiven Reichtumstransfer und Sprache ermöglicht wurden — Handel, Heirat, Vererbung, Tribut, Sicherheiten und die Fähigkeit, Schäden zu bewerten, um Rachezyklen zu dämpfen.

Primitives Geld war kein modernes Geld, wie wir es kennen. Es übernahm einen Teil der Funktion, die modernes Geld heute erfüllt, aber seine Form war die von Erbstücken, Schmuck und anderen Sammelobjekten. Der Gebrauch dieser Gegenstände ist so alt, dass der Wunsch, Sammelobjekte zu erforschen, zu sammeln, herzustellen, auszustellen, zu bewerten, sorgfältig zu lagern und zu tauschen, ein menschliches Bedürfnis ist — bis zu einem gewissen Grad ein Instinkt. Diese Konstellation menschlicher Wünsche könnte man als Sammlerinstinkt bezeichnen. Die Suche nach den Rohstoffen, wie Muscheln und Zähnen, und die Herstellung von Sammlerstücken nahm einen beträchtlichen Teil der Zeit vieler früherer Menschen in Anspruch, ebenso wie viele moderne Menschen erhebliche Ressourcen für diese Aktivitäten als Hobbys aufwenden. Das Ergebnis für unsere antiken Vorfahren waren die ersten sicheren Formen eines verankerten Wertes, der sich vom konkreten Nutzen sehr stark unterschied und der Vorläufer des heutigen Geldes war.


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Quellen

[1]Adams, Charles, For Good and Evil: The Impact of Taxes on Civilization 

[2] Tim Appenzeller, “Art: Evolution or Revolution?”, Science 282(Nov 20, 1998), p. 1452. See also the home page of Stanley Ambrose  

[3]The Blombos Cave Project  

[4] Culiffe, Barry, ed., The Oxford Illustrated History of Prehistoric Europe, Oxford University Press 1994.     

[5] Dawkins, Richard, The Selfish Gene, Oxford University Press 1989.   

[6] Davies, Glyn, A History of Money, From Ancient Times to the Present Day, University of Wales Press 1994.    

[7] Daly, Martin and Wilson, Margo, Homicide, New York: Aldine (1998).  

[8] Gilead, I. 1995. “The Foragers of the Upper Paleolithic Period,” in Archaeology and Society in the Holy Land. Ed. by T. E. Levy. New York, Facts on File. 

[9] [ref: http://www-geology.ucdavis.edu/~GEL115/115CH1.html] 

[10] Graeber, David, Towards an Anthropological Theory of Value, Palgrave 2001.

[11] Ifrah, Georges, The Universal History of Numbers, John Wiley & Sons 1998, pg. 73.

[12] Kohn, M. and Mithen, S. “Handaxes: Products of sexual selection?”, Antiquity, 73, 518–526.

[13] Kohn, M. and Mithen, S. “Handaxes: Products of sexual selection?”, Antiquity, 73, 518–526.

[14] Landa, Janet, Trust, Ethnicity, and Identity: Beyond the New Institutional Economics of Ethnic Trading Networks, Contract Law, and Gift-Exchange, The University of Michigan Press, second edition, 1998.   

[15] Menger, Carl, “On the Origins of Money” Economic Journal, volume 2,(1892) p. 239–55. translated by C.A. Foley, at http://www.socsci.mcmaster.ca/~econ/ugcm/3ll3/menger/money.txt 

[16] Mauss, Marcel, The Gift, 1950, English translation by W.D. Halls, W.W. Norton 1990. 

[17] (Morse 1993) via http://www.wac.uct.ac.za/wac4/symposia/papers/s095wht1.pdf 

[18] Riddley, Matt, The Origins of Virtue, Viking 1996.

[19] Taylor, Alan, American Colonies — The Settling of North America, Penguin 2001.  

[20] Plattner, Stuart, Economic Anthropology, Stanford University Press 1989.

[21] Wiessner, P. 1977. Hxaro: a regional system at reciprocity for reducing risk among the !Kung San. Unpublished PhD thesis: University of Michigan. 

[22] Wiessner, P. 1982. Risk, reciprocity and social influences on !Kung San economies. In: Leacock, H. R. & Lee, R.B. (eds) Politics and history in band societies: 61–84. London: Cambridge University Press.

[23] White, Randall, “Ivory Personal Ornaments of Aurignacian Age: Technological, Social and Symbolic Perspectives”, Institute For Ice Age Studies, http://www.insticeagestudies.com/library/Ivory/Ivorypersonal.html 

[24] White, Randall, “From Materials To Meaning”, Institute For Ice Age Studies, http://www.insticeagestudies.com/library/materialstomeaning/index.html 

[26] Winterhalder, Bruce, “Intra-Group Resource Transfers: Comparative Evidence, Models, and Implications for Human Evolution”, http://www.unc.edu/depts/ecology/winterweb/intra_group.html 

[27] Wilford, John, “Debate is Fueled on When Humans Became Human”, New York Times, February 26th, 2002 

Danksagungen

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