Die Wurzel allen Übels

Intro

Wir beginnen, überraschender Weise, mit einem Zitat aus der Bibel:

„Denn eine Wurzel alles Bösen ist die Geldgier; gar manche, die sich ihr ergeben haben, sind vom Glauben abgeirrt und zermartern sich selbst mit vielen qualvollen Schmerzen.“ — 1. Timotheus Kapitel 6, Vers 10; Menge Bibel, 1939

Aus diesem Vers entstand einst das heute gängie Sprichwort “Geld ist die Wurzel allen Übels”. Seit ich mich erinnern kann, hat Geld in vielen gesellschaftlichen Schichten und an unzähligen Stammtisch-Unterhaltungen einen schlechten Ruf:

“Wer viel Geld hat, der hat sicher Dreck am Stecken.”

“Machthungrige Kapitalisten sind das Problem heutzutage.”

“Die Reichen leben auf Kosten der Armen.”

Solche und ähnliche Parolen hat jeder von uns bestimmt schon etliche Male irgendwo aufgeschnappt, oder sogar selbst von sich gegeben. Geld sei es, das schuld an solchen Exzessen ist. Geld ist schlecht, es verdirbt den Charakter, sagt man. Nun möchte ich versuchen in diesem Beitrag dem Problem etwas genauer auf den Grund zu gehen und zu beleuchten wo denn die tatsächliche Wurzel der aktuellen Ungerechtigkeiten in unserem System vergraben liegt. Das hat natürlich vielerlei Gründe und ich werde sicher nicht auf alle eingehen können, aber ich werde zumindest versuchen zu erklären warum Geld selbst eben nicht das Problem ist. Das Zitat selbst deutet auch schon an, das eine weitere Komponente hier mit hereinspielt, und wie wir sehen werden auch die Hauptrolle übernimmt: Die menschliche Gier.

Geld als Manifestation unserer Lebenskraft

Wir benötigen Geld so gut wie jeden Tag. Geld ist die sinnvollste und einfachste Möglichkeit einen erarbeiteten Wert zu speichern, zu transportieren und letzten Endes wieder gegen das einzutauschen, für das ich meine wertvollen Stunden geopfert habe. Man arbeitet also, in einem Unternehmen, oder als Selbstständiger, und kreiert hierdurch einen Wert. Diesen erschaffenen Wert möchten wir natürlich einfangen, ihn entweder fleissig langsam erhöhen, oder ihn gegen etwas eintauschen, das unser Leben verbessert oder das wir selbst nicht herstellen können.

Ziel eines jeden ist es etwas zu finden dem er mit Leidenschaft und Hingabe nachgeht, denn dies ist für uns Menschen eine Möglichkeit für anderen etwas von Wert zu erzeugen, das sich gleichzeitig weniger wie harte Arbeit anfühlt und auch noch wesentlich effizienter geschieht. Ein Produkt, egal ob es sich um ein Möbelstück, einen Roman, eine Dienstleistung oder ein Gemälde handelt, bedarf immer einer gewissen Energie die aufgebracht werden muss um es zu erzeugen. Eine gewisse Passion dabei, sorgt lediglich dafür, dass das Outcome umso besser ist und somit auch der Wert des Produktes steigt.

Wenn wir dies etwas abstrahieren bedeutet es nicht anderes, als das der Mensch wertvolleres produziert wenn er sich bei und mit seiner Arbeit wohlfühlt. Ein erschaffenes Produkt kann nur der Fantasie eines Menschen entsprungen sein, oder fortgeschrittene handwerkliche Kentnisse erfordern. Egal wieviel tatsächliche Arbeit hineingeflossen ist, was der Wert des Produktes für andere ist, entscheidet der Markt.

Geld ist in diesem Zusammenhang also nichts anderes als ein Mittel zum Zweck. Es soll uns helfen die von uns investierte Energie zu speichern und uns damit zu einem anderen Zeitpunkt die Energie oder Schaffenskraft eines anderen zu erkaufen. Hier hilft uns das gute alte Beispiel mit dem Apfel. Wenn ich Äpfel anbaue, und mir von meinen Erträgen ein Haus kaufen möchte, bin ich vor ein Problem gestellt. Ich kann niemals in einer Saison ausreichend Äpfel produzieren um mir davon ein ganzes Haus zu kaufen. Hinzu kommt das es sehr unwahrscheinlich ist, das jemand der sein Haus verkaufen möchte, so vieler Äpfel bedarf. Ich brauche also Geld als Medium um die Koinzidenz von Bedürfnissen zu beseitigen und die Speicherung meiner Energie in From von Wert über zeitliche Etappen hinweg sicherzustellen. Es soll quasi das von uns erarbeitete Vermögen lang- oder kurzfrsitig speichern.

So gesehen ist Geld also nicht weniger als die Manifestation unserer Leidenschaft, Arbeitskraft und Kreativität. Das klingt nicht wirklich nach der Wurzel allen Übels, oder? Wer Geld im Austausch gegen seine Leistung erhält hat es sprichwörtlich und tatsächlich verdient. Der freie Markt war bereit seine Leistung zu bepreisen und ein Individuum war bereit dieses Geld dafür zu bezahlen. Man erkennt hierdurch das der Austausch von Gütern ein Grundpfeiler unserer Zivilisation ist. Geld ist es, das dies auch im grösseren Stil ermöglicht, unter zwischen Ländern und über Kontinente hinweg, statt nur in kleinen Gemeinden.

Trotzdem ist Geld kein Allheilmittel. Es erlaubt zwar den selbst erzeugten Wert zu speichern, ändert aber nichts, das es nicht erkaufen kann. Geld macht den Trottel nicht intelligenter, den Angsthasen nicht mutiger und den Nichtsnutz nicht zum fachkundigen Experten. Ist jemand besonders gut darin den von ihm produzierten Wert zu verkaufen ist es ihm also vielleicht möglich mehr Wert zu akkumulieren und zu speichern als andere. Das ist so, und das wird auch immer so bleiben. Der Grad der Produktivität eines Menschen ist direkt auch der Grad seiner Entlohnung, zumindest in einem fairen und gesunden System.

Wir fassen zusammen: Wir nutzen Geld zur Speicherung der von uns erschaffenen Leistungen und können dann im Optimalfall frei entscheiden wieviel wir davon sparen und wieviel wir davon ausgeben. Da wir Geld also als Speicher nutzen, spielt es eine erhebliche Rolle wie denn das Geld selbst in den Umlauf kommt. Denn wenn es immer gegen menschliche Leistungen eingetauscht wird, darf es nicht ohne Leistung herstellbar sein. Folglich ist es nur schlüssig wenn auch Energie aufgewendet werden muss um Geld selbst zu kreieren.

Solides und unsolides Geld

Das Medium, welches menschliche Produktivität und Arbeit speichert, muss knapp und schwer herzustellen sein. Ist dies nicht der Fall, lassen sich von denjenigen, die es mit geringsten Aufwänden erzeugen können, die Produkte derer, die harte Arbeit und Muße investiert haben, problem- und aufwandslos kaufen. Egal was der Preis ist, wenn man an der Quelle der Geldschöpfung sitzt und dieses nahe zu kostenfrei kreierbar ist, wie bei Papiergeld der Fall, dann kann man sich sprichwörtlich alles kaufen.

Gold war diesbezüglich ein recht faires Geld. Seine Knappheit und der Fakt, das es nur sehr schwer aus der Erde zu holen ist, sorgte dafür das es sich über Jahrtaudsende als ein faires Geldmittel etablieren konnte. Es war ein objektiver Wert mit hohen Produktionskosten, schwierig zu fälschen und damit ein Äquivalent eines erzeugten menschlichen Wertes. Bis seine fehlende Zensurresistenz und schlechte Transportabilität ihm den Garaus machten. Die menschliche Gier gewann und führte unser Geldsystem ad absurdum. Papiergeld, sowie heutiges Giralgeld, basieren auf Schulden. Schulden die einem Wert entgegenstehen der gar nicht existiert, jedoch geschützt sind durch die militärische Kraft der Regierung die das gemeine Volk zwingt die produktiven Kräfte gegen diese Schulden einzutauschen.

Geld selbst ist weder gut noch böse. Es selbst hat noch keine schlechten Eigenschaften und es kann auch keinen Charakter verderben. Ein Charakter der sich durch viel Geld verändert war schon immer verdorben. Jedoch ist es unter einem soliden und harten Geld wengier einfach zu betrügen und Fehlverhalten wird viel eher gesühnt. Denn selbst wer ein schlechter Mensch ist, kommt unter einem soliden Geldsystem nur an Geld, wenn er etwas von Wert für die Gesellschaft produziert, oder kriminell aktiv wird. In einem unsoliden System hingegen, das die Erzeugung von Geld einigen wenigen und deren “professioneller” Meinung überlässt, ist dies nicht der Fall. Allein dadurch das es die Möglichkeit beinhaltet, von Menschen beeinflusst werden zu können, weckt es Gier und Machtgelüste aller Art. Ein unsolides Geld projiziert schlechte menschliche Eigenschaften in das System und wirkt sich somit auf die ganze Gesellschaft aus. Es zählt nicht wer am meisten Wert kreiert, sondern wer den besten Zugang zur Geldschöpfung hat.

Dunkle Absichten sind also die Wurzel allen Übels. Ein Geld ist nur insofern böse, als das es Menschen möglich ist ihre finsteren Absichten damit zu realisieren und in den Werteprozess des Geldes einzuschleichen. Das ist der Punkt. Mit einem soliden Geld gäbe es keine endlosen Kriege und keine unendlichen Finanzblasen, die nach dem Platzen etliche Existenzen und teilweise sogar Leben kosten. Wann immer unter den Menschen Personen und Gruppierungen mit den finstersten Absichten auftauchen, nennen wir sie Zerstörer, beginnen sie mit der Zerstörung von Geld. Sie korrumpieren die moralische Basis und den Schutzwall der Existenz eines jeden und zerstören damit alles. Von gemeinsamen Werten bishin zu hart erarbeitetem Wohlstand. Sie beschlagnahmen Gold und hinterlassen einen Schein aus Papier, bedruckt mit einer Zahl.

Wenn jemand an der Wurzel sitzt, und somit eher diejenigen reich werden die die Gesetze machen und Gefallen einfordern, statt denen die eigenhändig neues erschaffen, dann steht die Gesellschaft vor dem Ende. Wenn Regularien diese Personen vor uns schützen, und nicht uns vor Ihnen, was machen wir dann hier überhaupt? Wenn auf Knopfdruck eine Menge an Geld erschaffen werden kann, die dem BIP des ein oder anderen Landes entspricht, was bedeutet das für den von uns allen hart erarbeiteten tagtäglich kreierten Wert? Es stellt ihn in den Schatten, es vernichtet ihn, es macht unsere harte Arbeit zu einem Witz. Nicht für uns, die den Schweiss und den Stress am eigenen Leib spüren, aber für diejenigen die über das Ein- und Ausschalten der Druckerpresse entscheiden können.

Unbegrenzt Geldmengen zu erschaffen, um Kriege zu führen und Schulden zu machen, ist nicht nur verantwortungslos, es ist schleichender Raub. An dir und an mir und an jedem von uns. Regierungen, Zentralbanken und dergleichen haben ein Eigenleben entwickelt. Es ist nicht die eine böse Person die dort sitzt und das entscheidet, es ist auch nicht der böse Kapitalist und CEO eines Monopolisten. Es ist das von menschlicher Gier vergiftete System, welches wir alle zu verantworten haben. Weil es uns zu gut geht? Weil der Vermögensschwund nur langsam stattfindet? Weil wir zu gemütlich sind uns aufzulehnen? — Nein. Schlicht und einfach weil es geht. Gelegenheit macht Diebe.

Es bedarf also eines Geldes, das unveränderbar fair ist. Über dessen Verteilung und vor allem Gesamtmenge kein auch noch so gut ausgebildetes Gremium entscheiden darf. Ein Geld das unkorrumpierbar ist, und dessen Regeln in Stein gemeißelt sind wie die 10 Gebote. Wenn wir Glück haben wurde genau dieser fairen Grundlage im Jahr 2009 das Leben eingehaucht. Es handelt sich um Bitcoin.

Ein Wertespeicher als Grundrecht

Bitcoin ist ein faires Geld. Neue Einheiten sind nur durch erheblichen Aufwand zu erschaffen. Die Geldmenge, und vor allem der Zuwachs dieser, ist fest einprogrammiert und aus spieltheoretischen Gründen absolut unveränderbar.

Warum denn nicht einfach wieder Gold nutzen, fragt man sich vielleicht. Hier besteht immerhin Jahrtausendelange Erfahrung oder? Es ist aber gescheitert weil es zu schlecht zu verstecken und transportieren war und zu leicht zu konfiszieren ist. Bitcoin hat in genau diesen beiden Aspekten einen entscheidenden Vorteil. Wer seine Private Keys (im Prinzip der Zugang zu den Coins) korrekt verwahrt, durch Multi-Signature vor Angriffen schützt oder sich die Keys einzig und allein in seinem Kopf aufbewahrt, dessen Vermögen ist unangreifbar und unkonfiszierbar. Das gab es in dieser Form noch nie. Zumindest nicht so ausgeklügelt und mit einem Anreizsystem, welches alle dazu bringt fair zu spielen.

Bitcoin ist da, und aufgrund des mittlerweile riesigen Netzwerkes wird das auch so bleiben. Es mag fünf Jahre, oder es mag 50 Jahre dauern, bis jeder Mensch begriffen hat wieviel fairer es für ihn ist, seinen Wert in Bitcoin zu speichern, aber es wird passieren. Wer es einmal verstanden hat, wird es nie wieder vergessen, wer es einmal erlebt hat, schon gar nicht. Aber Fakt ist, das korrupte, die menschliche Gier befeuernde System, das um uns herum aufgebaut wurde, wird fallen. Sein Vermögen fair und ohne menschlich erzeugte Wertverluste (dafür aber auch ohne Zins) sparen zu können ist ein Grundrecht. Enstehen durch erhöhte Produktivität hierbei mehr Produkte als Geldmenge hinzukommt, macht dies die Ersparnisse aller wertvoller und ist somit eine Errungenschaft der Gesellschaft und keine Katastrophe.

Unsere Kinder und Kindeskinder sind in einer Welt mit Bitcoin geboren. Sie haben die Wahl. Sie werden uns für verrückt halten, dass wir wenigen auserwählten die Kontrolle über die Wertflüsse unserer Welt überlassen haben. Sie werden das aktuelle System betrachten, in dem versucht wird zu berechnen und zu justieren wer wieviel Geld besitzt und was es wert sein darf und schütteln die Köpfe. Menschliches Versagen aus Ihrer Sicht. Ein faires System, gesteuert von einem unveränderbaren Algorithmus ist für sie schlichtweg die logische Wahl. Sie werden Ihre Kraft und Leistung nicht für erfundene ungedeckte Schuldscheine hergeben, sondern für einen fixen und garantierten Anteil einer Gesamtmenge, die keine Gier der Welt verändern kann. Sie fordern sozusagen eine Wurzel die Immun ist, immun gegen die menschliche Gier.

Vielen Dank!

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