Das geschriebene Wort

Aus dem Original “Words“ von Gigi, erschienen am 21. Mai 2019 auf dergigi.com. Übersetzt von DerGeier, Lektorat durch Yvette.

Das Wort ist wohl eine der größten Erfindungen der Menschheit. Zugegeben, es ist etwas weit hergeholt zu behaupten, dass das gesprochene Wort erfunden wurde. Das geschriebene Wort wurde jedoch zweifellos erfunden.

‘Was für ein erstaunliches Ding ein Buch ist. Es ist ein flaches Objekt aus einem Baum mit flexiblen Teilen, auf denen viele lustige dunkle Schnörkel aufgedruckt sind. Aber ein Blick darauf genügt, um sich in die Gedanken eines anderen Menschen zu versetzen, der vielleicht schon seit Tausenden von Jahren tot ist. Über die Jahrtausende hinweg spricht ein Autor klar und leise in deinem Kopf direkt zu dir. Die Schrift ist vielleicht die großartigste aller menschlichen Erfindungen, denn sie verbindet Menschen, die sich nie gekannt haben, Bürger aus weit entfernten Epochen. Bücher durchbrechen die Fesseln der Zeit. Ein Buch ist der Beweis dafür, dass der Mensch in der Lage ist, etwas Magisches zu vollbringen.’ 

– Carl Sagan, Kosmos

Bücher sind in der Tat ein Beweis dafür, dass Menschen in der Lage sind, Magisches zu bewirken. Ich frage mich, was Carl über die heutige Technologie denken würde, die teilweise wirklich nicht mehr von Magie zu unterscheiden ist.

Zaubern oder in diesem Fall seine Gedanken schriftlich richtig auszudrücken, ist schwer. Das Schreiben zwingt dich, deine Gedanken zu strukturieren. Die Strukturierung deiner Gedanken – und damit auch Dir selbst – kann ein schmerzhafter Prozess sein.

Mit Worten lassen sich Gedanken nicht sehr gut ausdrücken. Sie stellen sich immer ein wenig anders dar, unmittelbar nachdem sie ausgesprochen wurden – ein wenig verzerrt, ein wenig töricht. Und doch gefällt es mir und scheint mir richtig, dass das, was dem einen wertvoll und weise ist, dem anderen unsinnig erscheint.‘ 

– Hermann Hesse, Siddhartha

Schmerzhaft, weil man sich eigentlich nicht die Mühe machen will, seine Gedanken zu bereinigen – weil es Arbeit ist. Die Variante, diese Arbeit nicht zu tun, ist eine Bequeme. Die Option, Löcher in deiner Argumentation zu ignorieren, ist es auch.

Es ist so einfach sich selbst davon zu überzeugen, dass die eigenen Überlegungen fundiert sind. Dass man alles durchschaut hat. “Die Person, die man am leichtesten täuschen kann, ist man selbst”  um Richard Feynman zu zitieren. Zu wissen, dass man sich leicht täuschen lässt und dass man sich auch selbst leicht täuschen kann ist nicht nur hilfreich – es ist die Basis der wissenschaftlichen Methode.

In den letzten Wochen hatte ich viele Gespräche von denen sich einige um Fragen der Gewissheit und des Zweifels drehten. Ich liebe es, Menschen zu treffen, die von etwas vollkommen überzeugt sind. Egal, was es ist ich bin immer fasziniert. Versteht mich nicht falsch, ich habe auch feste Überzeugungen, aber ich bin mehr als bereit mir die Frage zu stellen: “Was, wenn ich mich irre?”

Die Hauptursache für das Problem ist, dass in der modernen Welt die Dummen übermütig und die Intelligenten voller Zweifel sind.‘ 

– Bertrand Russell, The Triumph of Stupidity

Viele Menschen kommen gar nicht erst auf die Idee, dass sie sich irren könnten. Ich würde nicht so weit gehen wie Bertrand Russel und sie als dumm bezeichnen – denn ich glaube nicht, dass sie es sind. Vor einigen Jahren war ich mir der Dinge auch sicher. Was hat sich geändert? Ich glaube nicht, dass ich klüger geworden bin. Ich habe nur bestimmte Tricks gelernt – so wie ein Zauberer Zaubertricks lernt.

Einer dieser Tricks ist sehr nützlich, um den Grad deiner Überzeugung zu überprüfen: Frage dich, was nötig wäre, um deine Meinung zu ändern. Was müsstest du tun, damit du zugibst, dass du dich irrst? Manchmal ist dies auch ein guter Weg, um die Tiefe deines Verständnisses noch einmal zu überprüfen.

Je mehr ich niederschreibe, desto mehr blinde Flecken entdecke ich in meinem Verständnis. Je mehr ich verfasse, um so weniger bin ich davon überzeugt, dass ich alles verstanden habe. Je mehr ich in Worte fasse, desto mehr Respekt habe ich vor jedem erfolgreichen Schriftsteller. Je mehr ich schreibe, desto mehr bin ich aber auch von der Macht der Worte und von einigen Ideen überzeugt.

Egal, was man dir sagt, Worte und Ideen können die Welt verändern‘ 

– Tom Schulman, Der Club der toten Dichter

Wie könnte man mich vom Gegenteil überzeugen? Und mit diesen Worten verschwand der Magier…


Dies ist ein Beitrag von Gigi aus seinem Blog. Die geäußerten Meinungen sind ausschließlich seine eigenen und spiegeln nicht notwendigerweise die von Aprycot Media wider.

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